Literatur – Wortlichter https://wortlichter.com Literatur. Lesen. Schreiben. Tue, 25 Sep 2018 09:26:44 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.9 /i2.wp.com/wortlichter.com/wp-content/uploads/2017/08/cropped-20750705_1387240721365761_1860346035_n.jpg?fit=32%2C32&ssl=1 Literatur – Wortlichter https://wortlichter.com 32 32 114456990 [Kommentar] der österreichische Buchpreis 2018 https://wortlichter.com/kommentarbuchpreis https://wortlichter.com/kommentarbuchpreis#comments Tue, 25 Sep 2018 09:23:06 +0000 https://wortlichter.com/?p=869 Wie ihr wisst, macht es mir immer mehr Spaß den österreichischen Buchpreis zu beobachten, als den deutschen Buchpreis, natürlich weil ich in Österreich lebe, aber auch weil ich denke, dass man hier tolle Entdeckungen machen kann, da österreichische Literatur nicht so bekannt ist. Dieses Jahr ist die Longlist richtig interessant für mich. Ich lasse euch …

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Wie ihr wisst, macht es mir immer mehr Spaß den österreichischen Buchpreis zu beobachten, als den deutschen Buchpreis, natürlich weil ich in Österreich lebe, aber auch weil ich denke, dass man hier tolle Entdeckungen machen kann, da österreichische Literatur nicht so bekannt ist. Dieses Jahr ist die Longlist richtig interessant für mich. Ich lasse euch an meiner Meinung zu den nominierten Titeln gerne teilhaben. Bitte beachtet, dass meine Einschätzung meine persönliche Meinung ist und auf den Klappentexten und Leseproben beruht, keinesfalls auf der Lektüre der ganzen Werke. Ich habe natürlich meine persönlichen Favoriten und ihr werdet sicher merken, welche das sind.

Nominiert für den österreichischen Buchpreis:

Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz (Frankfurter Verlagsanstalt)*

Mareike schreibt in einem wundervoll poetischen Schreibstil über Freundschaft, Verrat und Liebe. Schon in der Kindheit, ist die Freundschaft zwischen Moritz und Raffael nicht ausgeglichen. Raffael ist die treibende manipulative Kraft und scheint eine bösartige Ader zu besitzen. Moritz ist Rafael jedoch treu ergeben. Außerdem hat Moritz eine besondere Fähigkeit. Er ist Synästhet und kann Farben in Auren um die Menschen wahrnehmen: Raffaels Aura ist grün. Nach der Schule trennen sich ihre Wege, doch 16 Jahre später, steht Rafael wieder vor Moritz seiner Tür und diesmal ist seine Aura dunkelgrün, fast schwarz.

Gleich eine Überraschung zu Beginn. Ich war zwar fest davon überzeugt, dass der Roman der großartigen Mareike (die übrigens auch Buchbloggerin ist) auf der Liste auftaucht, aber da es ihr Debüt ist, hatte ich ihn eher beim Debütpreis vermutet. Umso mehr freut es mich, dass sie gleich ins Rennen um “den großen Preis” geht. Und wisst ihr was? Ich denke, dass Mareike gute Chancen hat. Ich würde ihr den Sieg auf jeden Fall wünschen.

Lesen? Definitiv ja.

Milena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie (Verlag Klaus Wagenbach)*

Herr Kato ist ein japanischer Rentner, der nun mit seiner überschwänglichen Freizeit, nicht viel anzufangen weiß. Sein ganzes Leben harter Arbeit gewidmet und ständig unter Strom gewesen, ist Herr Kato nun ganz plötzlich mit der Situation überfordert nicht mehr gebraucht zu werden.

Pluspunkte gibt es von mir für die poetische Sprache, aber leider kann mich das Grundthema nicht so ganz reizen.

Lesen? Jein. Vielleicht an einem Regentag.

Arno Geiger: Unter der Drachenwand (Carl Hanser Verlag)*

Bereits für den deutschen Buchpreis nominiert, taucht Arno Geiger wie bereits erwartet, nun auch auf der Liste des österreichischen Buchpreises auf. Auf die Shortlist in Deutschland hat er es leider nicht geschafft, aber in Österreich ist er meiner Meinung nach, bestimmt mit dabei. Dazu trägt sicher auch der Handlungsort am Mondsee bei, der ein absolut gelungener Schauplatz für dieses Szenario ist. Ein geradezu mythisch und heil anmutender Fleck Erde, an den der Protagonist 1944 zurückkehrt um sich von seinen Kriegsverletzungen zu erholen, ein trügerischer Gedanke, denn im Krieg ist leider gar nichts heil…

Lesen? Unbedingt. Gerne auch an Schulen oder mit Jugendlichen.

Gerhard Jäger: All die Nacht über uns (Picus Verlag)*

Ein Soldat, eine Grenze, ein Wachzaun und ein Mann auf der Flucht in der tiefen Nacht. Stundenlang im Dunkeln auf die Grenze starren, auf Bewegung und Abwechslung hoffen, aber auch gleichzeitig Bewegung fürchten. Das ist der Job eines Grenzsoldaten. Umso mehr Zeit bleibt, für die eigenen Gedanken. Und auf diese Gedanken bin ich wirklich gespannt. Der Klappentext verspricht poetische Reflexionen über die Abgründe der Menschen und das Unrecht dieser Welt. Außerdem bin ich zwar kein Cover-Mensch, aber bei diesem Buch finde ich das Cover großartig gelungen und es spricht mich total an.

Lesen? Unbedingt. Bin sehr neugierig auf die Umsetzung.

Hanno Millesi: Die vier Weltteile (Edition Atelier)*

Ein Anschlag im Foyer eines Museums und der Versuch für die Kinder Normalität vorzutäuschen. Kunstmuseum trifft Kinderfragen und Kulturgeschichte und aktuelle politische/ gesellschaftliche Auseinandersetzung. Ob diese Mischung überzeugen kann? Ich bin etwas skeptisch. Allerdings war ich von den Büchern von Edition Atelier bisher nie enttäuscht.

Lesen? Mal sehen.

Margit Schreiner: Kein Platz mehr (Schöffling & Co.)*

Ein Buch über Platzprobleme. Wir haben zu viel Zeugs. Überall. Margit Schreiner nährt sich literarisch dem Thema Überfluss und Platzmangel an.

Für den Buchpreis erscheint mir das Thema ein bisschen zu lapidar. Oder ist es gerade deswegen nominiert? Das Literarische im Alltäglichen, eigentlich ganz nett. Aber ganz nett und ein bisschen amüsant- für mich reicht das leider nicht.

Lesen? Nein.

Robert Seethaler: Das Feld (Hanser Berlin)*

Robert Seethaler ist spätestens seit “Der Trafikant” nicht mehr aus der österreichischen Literatur wegzudenken und sogar international erfolgreich. Sein Erfolgsgeheimnis? Schwere Themen so einfach und mitreißend erzählen, dass man sie nicht wieder vergisst und jeder sie versteht. So dass man sich beim Lesen denkt: Ja genau so könnte das theoretisch passiert sein. Ich finde das ist wahre Kunst und Literatur.

In seinem neuem Werk, beleuchtet er das Leben von 29 Toten, die von ihren vergangen Erfahrungen erzählen und lässt so fast eine ganze Stadt lebendig werden. 29 verschiedene Leben auf 240 Seiten? Könnte vielleicht ein bisschen viel des Guten sein, aber ich bin gespannt wie Robert Seethaler das umgesetzt hat.

Lesen? Vielleicht.

Heinrich Steinfest: Die Büglerin (Piper Verlag)*

Die Büglerin- Ich mag den Titel, mal etwas ganz anderes. Tonia büßt ihr vorheriges reiches und privilegiertes Leben, durch selbstauferlegte Armut und der Arbeit als Büglerin. Denn als ihre Nichte, die sie zusammen mit ihrer Schwester aufzog starb, nahm ihr ganzes Leben eine Wendung und Tonia lies alles hinter sich. Die Presse verspricht ein skurriles Buch mit einem außergewöhnlichen und humorvollen Schreibstil. Ich bin mir nicht sicher, wie das mit der Grundgeschichte zusammenpassen soll. Ich habe die Vermutung dass der Autor eine andere Auffassung von Humor hat, als ich.
Trotzdem gibt es von mir Pluspunkte für die originelle Berufung der Protagonistin. Ein Roman über das Bügeln? Das macht so schnell keiner nach.

Lesen? Trotzdem eher nicht.

Josef Winkler: Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe (Suhrkamp)*

Da ich bereits das Buch mit dem besten Cover gelobt habe, kann ich an dieser Stelle auch festhalten, dass dies das Cover ist, was mir am wenigsten zusagt. Winkler schreibt hier über den Umstand, dass ein SS-Massenmörder auf einem Feld in dem Heimatdorf des Autors (Kamering) verscharrt wurde. Auf dem selben Feld, wo sein Großvater und sein Vater Getreide anbauten, welches als Nahrung für die Bevölkerung dient. Das Buch befasst sich  mit unbequemen Wahrheiten und dem kollektiven Schweigen.

Ich habe die Leseprobe überflogen und was mir sofort auffiel: es gibt keine Absätze. Etwas was ich ganz persönlich leider überhaupt nicht leiden kann. Ansonsten ist der Schreibstil wütend, anklagend und persönlich. Sprachgewaltig, aber leider auch anstrengend zu lesen. Und damit meine ich nicht die schöne Art von poetisch anstrengend. Keine Absätze und Sätze die über 18 Zeilen gehen….dazu muss man in der passenden Stimmung sein. Josef Winkler stand einmal auf meiner Liste als Uni-Pflichtlektüre. Und genau so liest sich das Ganze auch.

Lesen? Wichtiges Thema mit schwieriger anspruchsvoller literarischer Umsetzung. Sicher super fürs Analysieren, wenn man Spaß daran hat.

Daniel Wisser: Königin der Berge (Jung und Jung)*

Das letzte Buch auf der Longlist gehört auch zur schweren Kost. Der Protagonist ist MItte 40 und leidet unter Multiple Sklerose. Um niemanden zur Last zu fallen, weist er sich selbst in ein Heim ein und plant bereits das Sterben. Nur leider will ihm niemand dabei helfen, weshalb er vor hat, in die Schweiz zu fahren, da er dort selbst bestimmen kann, wann er sterben will. Doch leider schafft er es ohne fremde Hilfe mittlerweile nirgendwo hin.

Der Text ist wie eine Mischung aus Roman und Drama gestaltet. Es gibt viel Dialoge und zusätzlich noch die inneren Gedanken des Protagonisten. Eine Form, die ich so auch noch nicht gesehen habe.

Lesen? Ich persönlich nicht.

 

Nominiert für den Debüt-Preis:

 

Ljuba Arnautović: Im Verborgenen (Picus Verlag)*

Noch ein Kriegsroman, welcher ebenso wie Arno Geigers Roman, im Jahre 1944 angesiedelt ist, aber dieses Mal in Wien. Genofeva führt ein einsames und vollkommen normales und unscheinbares Leben. Ihre Söhne sind bereits in die UDSSR ausgewandert, der Ehemann lebt in Australien.  Doch Genofeva ist nicht so unscheinbar, wie es scheint, denn sie tut etwas, was sich viele Menschen nicht trauen würden: sie versteckt verfolgte Menschen in ihrer Wohnung. Eine Geschichte von einer vergessenen und verborgenen Heldin.

Lesen? Ja, ich denke dass hier ein Aspekt vom geheimen Widerstand behandelt wird, der oft vergessen wird und von dem jeder sich ein bisschen Mut und Courage abschauen kann.

David Fuchs: Bevor wir verschwinden (Haymon Verlag)*

Der angehende Mediziner Benjamin macht ein Praktikum auf einer Krebsstation und begegnet dort ausgerechnet seiner Jugendliebe. Eine Annäherung unter den Vorzeichen des Abschieds. Noch einmal schwere Kost und eine schwere Thematik. Besonders erwähnenswert: der Autor ist selbst Onkologe und Palliativmediziner.

Lesen? Generelle Leseempfehlung: Ja. Für mich: Nein, da bin ich leider zu nah am Wasser gebaut. Auch wenn die Presse dazu schreibt, dass das Buch wahnsinnig intelligent geschrieben hat, denke ich dass allein die Thematik schon schwer verdaulich ist.

Marie Gamillscheg: Alles was glänzt (Luchterhand Literaturverlag)*

Der Roman handelt von einem kleinen Dorf an einem großen Berg, welches langsam ausstirbt. Die einzige Bewegung kommt vom Stollen des alten Bergwerks, der einzubrechen droht. Was gibt es schon noch in diesem Dorf zu retten? Marie Gamillschegs Buch dreht sich darum, was die Menschen in der Einöde hält. Gehen oder Bleiben? Es geht um Veränderung und Stillstand und all die menschlichen Gefühle die daran geknüpft sind.

Lesen? Da ich auch aus so einem kleinen Dorf stamme: Ja. Ich werde sicher viel wiederkennen können

 

Und wie gefallen euch die beiden Listen für den österreichischen Buchpreis? Ist für euch etwas interessantes dabei?
Findet ihr dieses Jahr die Liste vom deutschen Buchpreis oder vom österreichischen Buchpreis gelungener?

 

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Leute- Lest mal wieder Lyrik https://wortlichter.com/leute-lest-mal-wieder-lyrik https://wortlichter.com/leute-lest-mal-wieder-lyrik#respond Sun, 06 May 2018 20:11:14 +0000 https://wortlichter.com/?p=823 Lyrik ist Literatur und Kunst In der Lyrik verschwimmen für mich die Grenzen von Literatur und Kunst. Und obwohl (oder gerade weil) der Beruf des Dichters nicht unbedingt zu den einkommensstarken Berufen zählt, findet man hier richtig viele Menschen, die ihr Herzblut in das Dichten stecken und für die es mehr eine tatsächliche Berufung scheint. …

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Lyrik ist Literatur und Kunst

In der Lyrik verschwimmen für mich die Grenzen von Literatur und Kunst. Und obwohl (oder gerade weil) der Beruf des Dichters nicht unbedingt zu den einkommensstarken Berufen zählt, findet man hier richtig viele Menschen, die ihr Herzblut in das Dichten stecken und für die es mehr eine tatsächliche Berufung scheint.

Leider hat die Lyrik einen schlechten Stand in Deutschland. Wer liest heute überhaupt noch Gedichte? Heute kann man ja schon froh sein, wenn die Menschen überhaupt ein Buch in die Hand nehmen.

Es gibt mehr Menschen, die Gedichte schreiben, als lesen

Da ich selbst auch Gedichte schreibe, mache ich mir natürlich viele Gedanken darüber. Viele Gedankenanstöße bekam ich beim Lesen des Buches “Lyrik schreiben und veröffentlichen” von Martina Weber. Dort heißt es, dass es mehr Leute gibt, welche Lyrik schreiben, als Leute die Lyrik lesen. Ist das so? Umso mehr ich darüber nachdenke, umso mehr glaube ich, dass das stimmt. Das Schreiben von Lyrik ist ein Bedürfnis was bei mir tief aus der Seele kommt. Das Lesen eher weniger. Ich kann überleben, ohne Lyrik zu lesen, aber nicht ohne sie zu schreiben.

Ich lese natürlich trotzdem viel Lyrik. Gedichte können aufregend und anregend sein. Je nach Stimmung lese ich gerne unterschiedliche Arten von Gedichten. So für zwischendurch, lese ich gerne englische Poesie. Wenn ich in Nostalgie schwelge, dann gerne Gedichte aus der Romantik, wie Novalis. Oder wenn ich richtig Lust darauf habe, etwas Anregendes zu lesen, dann greife ich zu moderner Lyrik, wie Kate Tempest, zum Expressionismus oder zu der eher fordernden deutschen Lyrik. Gerne wage ich auch Experimente mich auf etwas Neues einzulassen.

Lyrik ist nicht eingestaubt, sondern lebendig und spannend

Aus der Lektüre von Gedichten, kann ich oft viel mehr nehmen, als aus dem Lesen einer Geschichte.

Lyrik hallt in meinem Kopf und meiner Seele wieder. Lyrik macht lebendig und erweckt den eigenen Tatendrang zu Schreiben und zu Leben.

Oft lese ich einen Gedichtband nicht am Stück weg, aber dafür greife ich immer wieder zum Buch. Lese immer wieder die selben Gedichte und entdecke immer wieder neue Facetten. Das macht die Lyrik unheimlich spannend für mich.

Was ist mit der modernen deutschen Lyrik los?

Ich stöbere auf Amazon nach Titeln und hangele mich von einem Verweis zum Nächsten. Was auffällt: Die deutsche Lyrik scheint nicht sehr stark besprochen zu werden. Liest das überhaupt jemand? Dann dort, eine Rezension. Eine 1-Sterne Bewertung für einen jungen ambitionierten Poeten. Ein einziger Stern, nicht mehr und nicht weniger. Ein heftiger Verriss. Ich bin neugierig- wie schlecht kann es schon sein? Ich lese Gedichte aus diesem Buch und mir wird klar- hier spricht wohl nicht die Literaturkritik sondern die Eifersucht.

Oder es liegt doch ganz einfach am Geschmack? Die Gedichte in diesem Buch wären zu gewollt, zu modern. Und überhaupt. Ich grinse. Und das Ganze ist gemessen an was? Und was bedeutet überhaupt dieses “zu gewollt”? Der Autor hat sich zu viel Mühe gegeben? Sein Gedicht ist konstruiert- so wie fast jedes andere Gedicht auch?

Ich recherchiere weiter. Der Autor setzt sich für die Wahrnehmung der Lyrik in Deutschland ein und organisiert ständig Austausch. Und bei so vielen Kontakten und Austausch hat sich noch niemand dazu entschlossen sein Buch zu rezensieren? Ich meine: Entschuldigung. Wie konnte das passieren? Ist das diese Neidkultur? Warum unterstützt man sich nicht gegenseitig? Ich meine damit nicht, dass man Loblieder auf Kollegen singen sollte, dessen Werke man liest. Man kann das ganze natürlich trotzdem differenziert und vielstimmig betrachten. Aber eine einzige 1-Sterne Rezension? Come on.

Eine Krise durch veraltete hohe Ansprüche?

Hin und wieder findet man auch hoch philosophische Diskussionen zum Thema Lyrik und darüber, an was sie gemessen wird.

Die moderne Lyrik ist frei- künstlerisch unabhängig jeglicher Begrenzungen. Dachte ich. Das scheint aber bei manchen Menschen noch nicht angekommen zu sein. Und noch immer findet man manchmal Stimmen wie: „Es reimt sich gar nicht richtig!”.

An was wird die Dichtkunst gemessen? An Reimschemen und der Beachtung von stilistischen Mitteln? Ich dachte die Zeit, wo man sich penibel an solche Vorgaben halten musste, ist schon seit über 100 Jahren vorbei.

Wird also Lyrik an bekannten anderen Lyrikern gemessen? Dann ist das Ganze doch ziemlich eintönig, wenn wir die Leistung von dem Zukünftigen anhand dessen bewerten, was bereits etabliert ist. Dann gibt es doch keine Luft für Weiterentwicklung. Und geht es nicht genau darum? Die Poesie ist für mich in der Literatur das spannendste Feld, weil sie so unglaublich vielseitig und innovativ ist.

Lyrik hat einen sehr persönlichen Zugang

Ist es bei all den verschiedenen Themen, Ausdrucksformen und Vorlieben nicht ein sehr individuelles Thema an was Lyrik bewertet wird? Ist es dann nicht ein ganz persönlicher Zugang, den jeder Einzelne hat? Ich denke dass genau das es ist, was uns vom Lesen von Gedichten abhält. Es wird alles verkompliziert. Bereits in der Schule wird uns die Lust auf das freie Lesen genommen. Dabei ist Lyrik überhaupt nicht schwer oder kompliziert- im Gegenteil.

Für mich ist es das Einfachste am Lesen überhaupt, weil man einfach seine Seele von den Worten tragen lassen kann.

Da scheint man im englischen Bereich bereits viel weiter zu sein und auch die Wahrnehmung von Poesie im öffentlichen Bereich ist scheinbar eine Andere. Da brauch man keine Erlaubnis um Dichter zu sein und kann auch einfach schreiben, was aus dem Herzen kommt, ohne viele Gedanken an Reime und Stil zu verschwenden. In der neuen Instagram-Poesie am englischen Markt geht das alles.

Kein Richtig und kein Falsch in der Kunst

Hier scheint man irgendwie festzustecken in diesen alten Denkmustern von Eliten, Stilistik und Lyrikern, denen man nacheifern sollte. Doch die heutige Generation wird keinen neuen Celan hervorbringen. Genauso wenig wie dessen Generation einen neuen Schiller hervorgebracht hätte. Denn jede Generation hat ihre ganz eigene Geschichte, ihren eigenen Zugang, ihre eigenen Lebensrealitäten. Denn dabei wird schnell vergessen, dass sich die Zeiten ändern, dass Lyrik einem ständigen Wandel unterworfen ist und dass es kein Richtig und Falsch in der Kunst gibt.

Und irgendwie ist es doch schade, dass gerade in Deutschland, die Dichtkunst derzeit einen solch schlechten Stand hat. Denn was ist geworden aus dem Land der Dichter und Denker? Ich glaube dass wir uns in unserem eigenen hohen Anspruch verloren haben.

Es muss nicht immer alles perfekt sein.

—-> Lest doch mal wieder Lyrik.

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Indiebookday: 3 Verlage und Bücher aus Österreich https://wortlichter.com/indiebookday-3-verlage-und-buecher-aus-oesterreich https://wortlichter.com/indiebookday-3-verlage-und-buecher-aus-oesterreich#comments Sat, 24 Mar 2018 15:28:42 +0000 https://wortlichter.com/?p=782 Meine Lieben, heute ist Indiebookday! Anstatt euch ein spezielles Buch vorzustellen, möchte ich euch gerne meine drei liebsten unabhängigen Verlage aus Österreich vorstellen. Denn ich denke, da besonders die deutschen Verlage ihre Aufmerksamkeit bekommen, sollte nicht vergessen werden, dass auch Österreich oder die Schweiz einige interessante Verlage zu bieten haben. Ich habe mir dazu jeweils …

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Meine Lieben, heute ist Indiebookday!

Anstatt euch ein spezielles Buch vorzustellen, möchte ich euch gerne meine drei liebsten unabhängigen Verlage aus Österreich vorstellen. Denn ich denke, da besonders die deutschen Verlage ihre Aufmerksamkeit bekommen, sollte nicht vergessen werden, dass auch Österreich oder die Schweiz einige interessante Verlage zu bieten haben.
Ich habe mir dazu jeweils ein Buch als Stellvertreter des Verlagsprogramm ausgesucht und stelle euch kurz meine Auswahl vor.

Alle drei vorgestellten Bücher, gehören zur weiblichen Zwischenkriegszeit-Literatur. Die österreichischen Verlage sind echt stark auf diesem Gebiet und Österreich hat so einige wundervolle und fast vergessene Autorinnen aus dieser Zeit zu bieten. Ich finde, diese starken und vergessenen Frauenstimmen sollten gehört werden.

Edition Atelier

mit Else Feldmann- Travestie der Liebe (Erzählungen)

Hallo, ich möchte bitte einmal das komplette Verlagsprogramm- zum Mitnehmen! Der Verlag Edition Atelier ist einer der wenigen Verlage, wo ich wirklich fast alle Bücher lesen würde. Denn ich weiß, dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit meinen Geschmack treffen. Leider habe ich dafür viel zu wenig Zeit.

Else Feldmann schreibt in Travestie der Liebe kurze Erzählungen über den Alltag, hat dabei jedoch eine ausgeprägte Beobachtungsgabe. Sie beschreibt das Leben in der Großstadt aus dem Wien der 1920er und erzählt von den hellen und dunklen Seiten der Stadt. Ihr Sujet sind die einfachen Bürger, in ihrem Leben zwischen Elend, Sehnsucht und Hoffnung.

Else Feldmann lebte von 1884 bis 1942 und starb in einem polnischen Vernichtungslager. 1934 wurde ihr gesamtes Werk vom Nationalsozialismus verboten und vernichtet.

Travestie der Liebe ist in der Edition Wiener Literaturen erschienen.

Lieber Lust auf etwas Aktuelles von Edition Atelier? Hier findet ihr meine Rezension zu Reibungsverluste von Mascha Dabić.

Links: Verlag und Amazon*

DvB- Das vergessene Buch

mit Maria Lazar- Die Eingeborenen von Maria Blut (Roman)

Mein absoluter Lieblings-Geheimtipp. Der Verlag “Das vergessene Buch”, hat es sich zur Aufgabe gemacht, alte Bücher neu zu entdecken. Das besondere dabei: Es handelt sich dabei um vergessene Literatur, vor allem aus der Zwischenkriegszeit. Alle Bücher wurden von Frauen geschrieben und dann durch den zweiten Weltkrieg verbannt und vergessen.

Meine Lieblingsschriftstellerin aus dieser Zeit ist Maria Lazar. Sie hat wirklich eine ganz besondere Art zu schreiben und nicht nur eine scharfe Schreibfeder, sondern auch einen scharfen Verstand. So schreibt Sie in ihrem Roman: Die Eingeborenen von Maria Blut- einen Widerstandsroman, der seines Gleichen sucht.

Man kann kaum glauben, dass die erste Fassung bereits 1935 publiziert wurde (und sie muss ja bereits vorher daran geschrieben haben). Ich habe selten ein Buch gelesen, was so dermaßen gut konstruiert war. Es enthält  lauter Anspielungen, eine ganz starker Symbolik und erschreckende Beobachtungen der menschlichen Psyche. Und leider ist das Buch so aktuell wie nie.

Wer also einen scharfsinnigen literarischen Roman darüber lesen möchte, wie es dazu kommen konnte, dass sich der Fachismus in die Herzen der Menschen eingeschlichen hat, sollte unbedingt zu diesem Buch greifen. Dazu ist Maria Lazars scharf durchdachter und satirischer Schreibstil bereits alleine einen Blick wert.

Links: Verlag und Amazon*

 

Literaturverlag Droschl

mit Mela Hartwig- Das Verbrechen (Novellen und Erzählungen)

Mela Hartwig war ihrer Zeit weit voraus. In ihren Novellen und Erzählungen, welche alle zwischen 1928 und 1945 erschienen sind, geht es um sehr kritische Themen, wie Konsumkultur, schlechte Arbeitsverhältnisse, Sexualität, Antisemitismus und vielem mehr.

Zwischen Expressionismus und Neuer Sachlichkeit macht sie einen literarischen Spagat und verbindet diese beiden Epochen in kunstvoller Literatur mit außergewöhnlich kraftvollen Frauenfiguren.

Der Droschl Verlag verlegt auch moderne Literatur. Hier findet ihr zb. meine Rezension zu Traurige Freiheit von Friederike Gösweiner.

Links: Verlag und Amazon*

 

 

*enthält Afiliate Links

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[Rezension] Fast Dumm von Ann Cotten https://wortlichter.com/rezension-fast-dumm-von-ann-cotten https://wortlichter.com/rezension-fast-dumm-von-ann-cotten#respond Wed, 28 Feb 2018 18:43:16 +0000 https://wortlichter.com/?p=752 Für einen Road-Trip bin ich ja immer zu haben. Und seit der Lektüre von “On the Road” träume ich davon, dass Schreiben und das Reisen zu verbinden. Ann Cotten hält das auch so und schreibt in ihrem Buch “Fast dumm”, Essays von Unterwegs. Das Buch enthält ihre gesammelten Essays von ihren Erkundungen in Amerika nach …

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Für einen Road-Trip bin ich ja immer zu haben. Und seit der Lektüre von “On the Road” träume ich davon, dass Schreiben und das Reisen zu verbinden.

Ann Cotten hält das auch so und schreibt in ihrem Buch “Fast dumm”, Essays von Unterwegs. Das Buch enthält ihre gesammelten Essays von ihren Erkundungen in Amerika nach den Trump-Wahlen und auch Fotos, sowie Gedichte von seelenverwandten Autoren. Was für den Zusammenhang sehr interessant ist, ist dass Ann Cotten amerikanische Wurzeln hat und deshalb die amerikanische Gesellschaft aus einer ganz eigenen Perspektive beleuchtet und analysiert.

Sprachkünstlerin mit Hang zur Intellektualität und Herausforderung

Die Autorin hat einen ganz eigenen Schreibstil, das wird bereits in ihren anderen Werken sichtbar. Ich sehe Ann Cotten als eine Art Sprachkünstlerin. Denn das was sie macht, ist nicht unbedingt Literatur die unterhält, ich würde eher sagen, sie macht unbequeme und herausfordernde Literatur.

Ann Cottens Sinn für Sprache zeigt sich schon in der Art und Weise wie sie gendert. Tatsächlich gendert sie konsequent ihr komplettes Buch in Anlehnung an die polnischen Weise: Man nimmt einfach alle Buchstaben des Wortes, die in den weiblichen und männlichen Formen vorkommen würden und reiht sie hintereinander. Kommt mir fast schon satirisch vor, gefällt mir aber von der Idee fast besser als die deutsche Variante, auch wenn das natürlich ziemlich gewöhnungsbedürftig klingt.

Das Buch hat einen ganz eigenen Schreibstil. Fach- und Fremdwörter hat die Autorin sehr gerne. Man findet in ihren Texten eine gewisse Intellektualität und Komplexität, die im nächsten Absatz wieder dekonstruiert und zersetzt wird. Und zwischen den Zeilen meine ich den Titel zu erkennen: Wir Menschen könnten so schlau sein, aber wir sind fast dumm. (Der Titel ist übrigens an ein Gedicht von Majakowskij angelehnt, welches man auch im Buch findet.) Wir analysieren und pressen die Welt in ein Muster, um dann doch ganz absurd zu handeln. Das gilt wohl für die amerikanische Gesellschaft, genauso wie für unsere eigene. Ob Ann Cotten das so angedacht hat? Ich weiß es natürlich nicht, aber mir kommt es so vor, als ob sie bei ihren Beobachtungen ein besonderes Auge für Zusammenhänge aber auch gleichzeitig für die Absurdität der Situation hat.

Road Trip in das Trump- Amerika, kurz nach den Wahlen

Doch zu Beginn sind wir erst einmal in Russland und begleiten die Autorin auf ein Festival für Dichtkunst. Schon dort scheint sie Vorboten ihrer USA Reise magisch anzuziehen und sieht so viele Gemeinsamkeiten und Zufälle, die mit den USA in Verbindung stehen.

Dann geht es weiter nach Amerika und wir begleiten sie sogar nach Mexiko. Die stärksten Essays sind jedoch die aus den USA, wo sie offen, kritisch und ganz persönlich über das Land, die Menschen und die Entwicklungen reflektiert.

Ich muss sagen, dass mich Ann Cotten erst ab den Amerika-Essays wirklich begeistern konnte. Der Einstieg war doch ein bisschen zäh, was vielleicht auch daraus resultierte, dass man sich erst an ihren ganz eigenen Stil gewöhnen muss. Das wir uns zu Beginn in Russland wiederfinden, hatte ich auch gar nicht erwartet. Außerdem ist Ann Cotten überaus politisch, was ich zwar begrüße, mir aber direkt zum Einstieg ein bisschen zu viel war. Ich hätte es begrüßt noch ein bisschen mehr aus Amerika zu lesen, denn ab diesem Punkt las es sich weg, wie nichts.

War Spaß an komplexer Sprache und fazinierenden Beobachtungen hat, ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut beraten. Wer auf der Suche nach Unterhaltungslektüre ist, eher weniger, denn Ann Cottens Essays fordern geradezu zum Mitdenken und Mitreflektieren heraus.

Sehr gut gefallen haben mir auch ihre Fotos, die ganz abseits von heutigen Digitalfotografie, die ganze Reise entschleunigen. Ihre dunklen unspektakulären Polaroid Fotos haben etwas künstlerischen und etwas Beruhigendes. Wie das Erinnern an eine Zeit, wo alles noch unkomplizierter war. Wo nicht alle Bilder perfekt waren, aber zu tiefst menschlich und persönlich.

Zusammenfassung

Titel: Ann Cotten. FAST DUMM Essays von on the road*.

Autorin: Ann Cotten

Herausgeber: Starfruit Publications

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover, ISBN 978-3922895329

Seitenzahl: 248

 

* Titel und Cover enthalten Afiliate-Links

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[Rezension] Autolyse Wien- Karin Peschka https://wortlichter.com/rezension-autolyse-wien-karin-peschka https://wortlichter.com/rezension-autolyse-wien-karin-peschka#respond Sun, 19 Nov 2017 19:17:35 +0000 https://wortlichter.com/?p=682 Was bleibt wenn die Welt, die wir kennen untergeht oder sich aus den Angeln hebt? Autolyse Wien geht der Frage nach, wie es wohl wäre, wenn eine riesige Katastrophe eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Dabei ist es für das Buch vollkommen nebensächlich, was genau diesen Untergang verursacht hat. Viel mehr geht es …

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Was bleibt wenn die Welt, die wir kennen untergeht oder sich aus den Angeln hebt? Autolyse Wien geht der Frage nach, wie es wohl wäre, wenn eine riesige Katastrophe eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Dabei ist es für das Buch vollkommen nebensächlich, was genau diesen Untergang verursacht hat. Viel mehr geht es darum, was die einzelnen Überleben nun tun und wie sie sich mit diesen Ereignissen arrangieren.

In vielen kurzen Fragmenten, die oft nur einige Seiten lang sind, werden die verschiedensten Menschen vorgestellt und man lernt, wie sie mit der Katastrophe umgehen.

Autolyse- Selbstauflösung

Das Wort Autolyse scheint erst einmal ungewöhnlich für einen Roman-Titel. Bei näherer Betrachtung, merkt man jedoch, dass das Wort sehr passend und keinesfalls zufällig gewählt ist. Die Autolyse bezeichnet nämlich einen Verwesungsprozess und die eigene Auflösung von abgestorbenen Zellen. Metaphorisch gesehen, steht das für den Prozess, welcher nach der Zerstörung der Stadt eintritt. Ich muss jedoch zugeben, dass Autolyse Wien leider kein Buchtitel ist, der mich im Buchladen ansprechen würde. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch den österreichischen Buchpreis, wo das Buch auf der Longlist stand.

Außerdem hat Karin Peschka beim Bachmann-Wettbewerb den Publikumspreis gewonnen.

Wien von seiner hässlichsten Seite

Als Wienerin bin ich natürlich beim Lesen sehr aufmerksam.. Ich versuche die beschriebene Orte wiederzuerkennen und muss schmunzeln, wenn aus dem Graben, einer der luxuriösesten Flaniermeilen in Wien, tatsächlich ein echter Graben wird.

Das Karin Peschka ausgerechnet Wien für ihr Szenario gewählt hat, ist denke ich zumindest, kein Zufall. Man sagt der Stadt schon immer einen etwas morbiden Charakter nach. Der Zentralfriedhof als Ausflugsort (welcher übrigens neuerdings das Motto hat “hier liegen sie richtig” – man kann den Wiener Humor und Umgang mit dem Tod gut erkennen.), Bestattungsmuseum, Kapuzinergruft etc. In Wien hat man viele Möglichkeiten sich an dem Tod zu erfreuen. Umso mehr wundert es mich, dass scheinbar sonst noch niemand von dieser Idee Gebrauch gemacht hat und Wien in ein apokalyptisches Schlachtfeld verwandelt hat.

Außerdem bildet Wien, wie kaum eine andere Stadt, einen solchen Kontrast zwischen Schönheit, ewigen Leben und Zerstörung. Allein von der Architektur her, fühlt man sich in der Stadt, als ob die Zeit stehen geblieben ist, irgendwo in der Habsburgermonarchie und dann plötzlich einen Sprung in die Moderne gemacht hat. Ein bisschen Dekadenz, ein bisschen träumerische Historie, ein bisschen Moderne und der typische Wiener Charakter. All das wird im Buch in sein Gegenteil verwandelt. Aus Überfluss wird Mangel, aus Schönheit wird Zerstörung und aus Träumerei bittere Realität.

Die Katastrophen sind weit weg

Trotzdem bleibt es ein Buch, an dem ich sehr lange gelesen habe, da es kein Roman ist und ein Spannungsaufbau mit den ganzen Fragmenten ausbleibt. Es ist ein Buch, in welchem ich meist nur ein paar Abschnitte lese und dann wieder zur Seite legt, ohne den Anschluss zu verpassen. Es ist ein düsteres Szenario, welches zur Abwechslung mal in unserer eigenen europäischen Stadt spielt. Anstatt die Zerstörung und das Leid in den Nachrichten abgestumpft zu verfolgen, regt es hier zum Nachdenken an, da es in unsere eigene Wirklichkeit versetzt wird. Solche Katastrophen- betreffen uns Europäer meist nicht, doch was wäre wenn?

Zusammenfassung

Titel: Autolyse Wien

Autorin: Karin Peschka

Herausgeber: Verlag Otto Müller

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover, ISBN 978-3701312535

Seitenzahl: 180

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[Rezension] Die Flügel meines schweren Herzens: Lyrik arabischer Dichterinnen vom 5. Jahrhundert bis heute https://wortlichter.com/rezension-die-fluegel-meines-schweren-herzens-lyrik-arabischer-dichterinnen-vom-5-jahrhundert-bis-heute https://wortlichter.com/rezension-die-fluegel-meines-schweren-herzens-lyrik-arabischer-dichterinnen-vom-5-jahrhundert-bis-heute#comments Mon, 16 Oct 2017 13:22:09 +0000 https://wortlichter.com/?p=668   Die Flügel meines schweren Herzens* vom Herausgeber Khalid Al Maaly stand schon lange unter meiner Beobachtung. Ich hatte bereits die Erstauflage von 2008 entdeckt, die jedoch bereits vergriffen ist. Ich habe mich riesig gefreut, als ich gesehen habe, dass der Verlag Manesse das Buch neu auflegt. Und was für eine tolle Auflage es geworden ist! …

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Die Flügel meines schweren Herzens* vom Herausgeber Khalid Al Maaly stand schon lange unter meiner Beobachtung. Ich hatte bereits die Erstauflage von 2008 entdeckt, die jedoch bereits vergriffen ist. Ich habe mich riesig gefreut, als ich gesehen habe, dass der Verlag Manesse das Buch neu auflegt. Und was für eine tolle Auflage es geworden ist! Das Buch hat mich optisch umgehauen. Nicht nur dass mich das goldene Mosaik-Muster auf dem Umschlag begeistert, das Buch hat auch einen blauen Seideneinband und im inneren des Buches findet sich sowohl der arabische Text, als auch die deutsche Übersetzung. Ich glaube dass sich das Buch auch ganz wunderbar zum Verschenken eignet.

Die Stimme arabischer Dichterinnen

Wesentlich interessanter als die hübsche Aufmachung, ist jedoch der Inhalt.  Die westliche Welt assoziert arabische Frauen oft als unterdrückte Frauen, welche nicht viel zu sagen haben und auch in der Literatur keine Rolle spielen. Dieser Band mit arabischen Dichterinnen zeigt jedoch, dass das ein Vorurteil ist. Das Buch macht die vielfältigen und starken Stimmen arabischer Frauen, quer durch die Zeit sichtbar. In dem Buch finden sich Dichterinnen aus verschiedenen Zeitepochen. Von vor-islamischer Zeit (ab dem 5. Jahrhundert) bis in die heutige moderne Welt.

Das man hier wenig von der Literatur arabischer Frauen hört, liegt also nicht daran, dass keine existieren würde, sondern viel mehr daran, dass sie besonders im Westen schwer zugänglich ist und wenig übersetzt wird. So wird im Nachwort auch erklärt, dass das Fehlen von Texten aus einigen Jahrhunderten damit zu tun hat, dass die verschiedenen Dialekte nur schwer übersetzt werden können. Generell ist die arabische Literatur in Deutschland ein Nischenbereich und die Literatur von arabischen Frauen ist leider so gut wie gar nicht vertreten. Umso schöner ist diese Zusammenstellung, die gleich dutzende Frauen zu Wort kommen lässt und einen wundervollen Einblick in das dichterische Schaffen gibt.

Überraschende Einblicke in die orientalische Dichtkunst

Ein großer Schwerpunkt liegt in den Gedichten auf der Liebe und der Erotik. Aber auch Themen wie Krieg, Trauer und das Beduinen-Leben kommen vor. Insgesamt findet sich eine große Themenvielfalt und Offenheit in den Gedichten. Manchmal bekommt man schon fast rote Ohren, wenn man den genauen Ausführungen der Liebe und ihren Zärtlichkeiten folgt. Sicherlich hatte ich weniger Erotik erwartet, allerdings war die Liebe schon immer ein großer Schwerpunkt in der arabischen Dichtkunst.

Besonders gefallen hat mir, dass es sowohl ein Nachwort gibt, als auch eine Auflistung aller Dichterinnen mit ihren kurzen Biographien. Besonders interessant war dabei der Zusammenhang von den Inhalten der Gedichte und den Biografien der Autorinnen. Mein Lieblingsgedicht war zum Beispiel ein Gedicht einer Beduinin, die einen reichen Kalifen heiratete und in ihrem Gedicht ihr unendliches Heimweh zum einfachen Leben beklagte. Der Kalif schickte sie, nach dem er ihre Gedichte gehört hat, zurück in die Heimat.

Die Übersetzung der Gedichte legt den Schwerpunkt auf die inhaltliche Übersetzung. Die Metrik und Reime gehen dadurch leider verloren, aber das Verständnis um die Inhalte und was die Autorinnen ausdrücken wollten, ist dadurch höher. Schön finde ich auch, dass spezielle Wörter und Anspielungen noch genauer in den Anmerkungen erklärt werden.

Was mir bei dem Buch gefehlt hat, war eine Sortierung. Die Biographien hätte ich lieber bei den Gedichten verortet gesehen, so war ich nach jedem Gedicht am Blättern, um über die Verfasserin und die historische Einordnung zu lesen. Außerdem finde ich, dass das Nachwort eher als Einleitung geeignet gewesen wäre. Oder aber man liest das Buch danach einfach nochmal, was natürlich auch sehr bereichernd ist.

Zusammenfassung

Titel: Die Flügel meines schweren Herzens

Autorinnen:  verschiedene arabische Autorinnen

Herausgeber: Khalid Al-Maaly

Erschienen:  (erstmals in Deutsch: 2008), 2017 Neuauflage bei Manesse

Besprochene Ausgabe: Hardcover Manesse ISBN: 978-3-579-08534-0

Seitenzahl: 207

 

 

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[Rezension] Reibungsverluste- Mascha Dabić https://wortlichter.com/rezension-reibungsverluste-mascha-dabic https://wortlichter.com/rezension-reibungsverluste-mascha-dabic#comments Sat, 29 Jul 2017 18:33:11 +0000 https://wortlichter.com/?p=608 Die Flüchtlingskrise aus der Sicht einer Dolmetscherin Viele Bücher erscheinen derzeit, die das Thema Flucht behandeln. Mascha Dabićs neuer Roman “Reibungsverluste*” behandelt das Thema aus einer kaum behandelten Perspektive: die Sicht der Dolmetscherin. Es geht nicht primär um die Erfahrungen der Flüchtlinge sondern darum, wie jemand aus unserer Gesellschaft,  diese Begegnungen erlebt. Als Dolmetscherin ist …

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Die Flüchtlingskrise aus der Sicht einer Dolmetscherin

Viele Bücher erscheinen derzeit, die das Thema Flucht behandeln. Mascha Dabićs neuer Roman “Reibungsverluste*” behandelt das Thema aus einer kaum behandelten Perspektive: die Sicht der Dolmetscherin.
Es geht nicht primär um die Erfahrungen der Flüchtlinge sondern darum, wie jemand aus unserer Gesellschaft,  diese Begegnungen erlebt. Als Dolmetscherin ist die Protagonistin Sprachrohr für diese Menschen, ohne Selbst jedoch am Geschehen beteiligt zu sein. Sie vermittelt das Gesagte zwischen zwei Parteien und versucht dabei möglichst wenig Verluste zwischen der Bedeutung der Sprache zu erzeugen. Sie Selbst hat auch kaum Möglichkeit einen eigenen Kontakt herzustellen. Es sind die Anderen, die durch sie sprechen. Doch was macht das mit ihrer Person?

Die Sprache ohne Reibungsverluste fließen lassen

Die Protagonistin bewegt sich zwischen Ohnmacht und Perfektionismus. Während einer Beratung, bleibt sie professionell, distanziert. Doch wenn sie schriftliche Berichte über Folterungen übersetzen muss, kommt ihr das Geschehen zu nahe. Sie ist nicht mehr die unbeteiligte Dritte, sondern steht allein dem Text gegenüber und wird von seiner Gewalt erfasst.

Der Roman behandelt das seltene Thema, wie es Menschen ergeht, die täglich mit Gewalt und Traumata im Rahmen ihrer Arbeit zu tun haben. Hier steht nicht der Traumatisierte, sondern der Helfende im Mittelpunkt. Von indirekter Traumatisierung sind besonders Berufsgruppen im sozialen Bereich betroffen, aber auch Polizisten, Sanitäter und andere helfende Berufe, finden sich in diesem Kontext wieder. Es ist ein täglicher Kampf zwischen Abgrenzung und Burn Out. Mascha Dabić ist eine sehr reflektierende Erzählerin. Wie ergeht es einer jungen Dolmetscherin mit diesen Erfahrungen, die jeden Tag durch sie hindurchlaufen, wie durch ein Sprachrohr?

Mascha Dabić ist selbst Dolmetscherin für Flüchtlinge, allerdings ist ihr Roman nicht autobiographisch. Die Abläufe, Geschichten und Schwierigkeiten des Dolmetschens, werden jedoch sehr authentisch vermittelt. Als Übersetzerin hat sie schon mehrere Werke übersetzt, dies ist ihr erster eigener Roman.

Eigenes Fazit

Ich musste beim Lesen oft Schmunzeln, da ich Selbst im Flüchtlingsbereich arbeite und mir viele Szenen bekannt vorkamen. Ich bin allerdings diejenige, in deren Beratung die Dolmetscherin sitzen würde. Durch den Roman, habe ich sicher unsere Dolmetscher ein bisschen besser verstanden, denn es muss wirklich ziemlich anstrengend sein, so gar keinen Handlungsspielraum zu haben. An vielen Stellen hat mich der Roman schon fast gelangweilt, weil es einfach so genau meinen Berufsalltag wiedergibt, den ich jeden Tag erlebe. Aber für Menschen, die damit nichts zu tun haben, ist es sicherlich sehr spannend zu lesen.
Manchmal hatte ich auch sofort Bilder  und Personen im Kopf, die ähnliche oder sogar die gleichen Erlebnisse hatten. Die Authentizität des Romans ist also sehr hoch. Dabei habe ich mich natürlich automatisch gefragt, ob es sich nicht vielleicht sogar um die selben Personen handelt. Das wäre angesichts der Tatsache, dass Mascha Dabić auch in Wien wohnt, vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich. Allerdings glaube ich viel mehr, dass einfach die Erlebnisse und Traumata der Geflüchteten oft sehr Ähnlich sind. Da es auch kein autobiographischer Roman ist, denke ich nicht, dass die Autorin diese Geschichten eins zu eins übernommen hat und darum Ähnlichkeiten, wahrscheinlich eher zufällig sind.

Der Roman hat zwar nur 150 Seiten, aber die Autorin schreibt sehr dicht und ich fand die Länge genau richtig um nicht zu sehr in die einzelnen Szenen abzuschweifen. Somit ergibt sich ein schönes passendes Gesamtbild.

PS. Ich glaub dass dieses Buch auch ein guter Tipp für die Debüt-Preis-Shortlist des österreichischen Buchpreises ist. Ich bin dann im Herbst gespannt, ob diese Einschätzung zutreffend war.

Zusammenfassung

Titel: Reibungsverluste

Autorin: Mascha Dabić

Herausgeber: Edition Atelier

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover  978-3-903005-26-6

Seitenzahl: 152

 

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[Rezension] Wie Dramen entstehen- John von Düffel, Klaus Siblewski https://wortlichter.com/rezension-wie-dramen-entstehen-john-von-dueffel-klaus-siblewski https://wortlichter.com/rezension-wie-dramen-entstehen-john-von-dueffel-klaus-siblewski#comments Tue, 20 Jun 2017 17:51:26 +0000 https://wortlichter.com/?p=578 Kennt ihr das Phänomen, dass ihr einem Thema immer und überall wiederbegegnet? Und es geradezu danach schreit, dass man sich damit beschäftigen soll? Mir ging es so mit dem Thema Theater, dass plötzlich überall aufgetaucht ist. Es fing damit an, dass ich viele dramatische Werke gelesen habe, aber auch sonst bin ich dem Thema überall …

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Kennt ihr das Phänomen, dass ihr einem Thema immer und überall wiederbegegnet? Und es geradezu danach schreit, dass man sich damit beschäftigen soll? Mir ging es so mit dem Thema Theater, dass plötzlich überall aufgetaucht ist. Es fing damit an, dass ich viele dramatische Werke gelesen habe, aber auch sonst bin ich dem Thema überall begegnet.
Ich fand also Interesse daran mich näher mit dem Thema zu beschäftigen und war mir sicher: das ist ein Thema was vielleicht nicht unbedingt nahe liegt, aber von dem ich viel lernen kann, besonders bezüglich des Schreibens. Ich wollte also wissen, wie Theaterstücke entstehen und wie man dramatische Texte schreibt.

Schreiben für das Theater:

Das Schreiben für das Theater ist natürlich ganz anders, als einen Roman zu schreiben. Man denkt dabei nicht nur an einen stimmigen Handlungsverlauf, sondern hat gleichzeitig sowohl Schauspieler, Bühne und Publikum im Hinterkopf. Man schreibt nicht, um gelesen zu werden, sondern man schreibt, damit das Stück aufgeführt wird. Ein Theaterstück besteht dazu nur aus Dialogen und Monologen und allein das ist eine ziemliche Herausforderung. Man achtet beim Schreiben besonders auf den Spannungsbogen und auf die Sprache.

Im Buch “Wie Dramen entstehen” geht es aber nicht direkt um das handwerkliche Schreiben. Vielmehr geht das Buch der Frage nach, was alles dazugehört und wie der Entstehungsprozess eines Theaterstücks abläuft. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil schreibt John von Düffel über Schauspieler, Inhalte, Spannungsaufbau und Schreibprozess. Im zweiten Teil von Klaus Sibleweski, geht es dann um Aufführung, Inszenierung und Publikum.

Dramen und Dramatik:

Was ich an der Lektüre des Buches besonders interessant fand, war dass ich viel über Dramatik und Spannungserzeugung lernen konnte. Natürlich ist die Perspektive auf das Theater gelegt, welches eine ganz eigene Dynamik hat. Trotzdem fand ich gerade diese Dynamik unheimlich lehrreich und ich habe viele Anknüpfungspunkte gefunden, die man auch beim normalen Schreiben umsetzen kann.
Mir ist klar geworden, dass der Stil, der eigentlich für Dramen gedacht ist, zu einem großen Ausmaß meiner Vorstellung vom idealen Schreibstil entspricht. Ich bin ein großer Fan von Verdichtung, Dramatik und Spannung.

Wir haben bestimmte Erwartungen, an ein Theaterstück, aber auch an Romane. Spannend wird es, wenn diese Erwartungen differenziert werden und nicht alles vorhersehbar ist. Theater ist ein Spiel mit den Möglichkeiten, mit Denkweisen und mit den tiefsten und schrecklichsten Krisen der Menschlichkeit. Theaterstücke verlangen den Figuren meist alles ab. Und das finde ich sehr faszinierend. Die Erfahrungsräume beim Theater reichen oftmals viel tiefer als in Romanen. Das Theater stellt die großen Fragen des Lebens, wie im Faust, oder wagt sich in ganze neue, durchaus auch abstrakte, performative und künstlerische Gefielde.

Figurenentwicklung und Hintergrund:

Die vielen Beispiele von Theaterstücken und ihren Besonderheiten, fand ich auch sehr spannend. Die Vorstellung, dass meine Figuren wie die Schauspieler auf der Bühne, ihr volles Potential nutzen sollten und ihren Charakter durch ihre Handlung und ihre Dialoge voll zum Ausdruck bringen sollten, ist auch eine gute Erinnerung, für mein Romanprojekt. Besonders schön fand ich die Beschreibung, dass man mit jedem Dialog vollkommen in dem Charakter aufgeht und dann wie beim Ping Pong, den größtmöglichen Einfluss ausspielt und wieder beim nächsten Satz, beim nächsten Charakter ansetzt und man als Autor nun das Geschehen plötzlich wieder aus der gegnerischen Perspektive betrachtet, um wiederum das größtmögliche Potential des anderen Charakters zu nutzen.
Kenne deine Figuren- ich ertappe mich auch oft dabei, im Kopf meine Figuren in imaginären Dialogen aufeinander treffen zu lassen, um zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt und wie die einzelnen Charaktere wohl aufeinander reagieren würden, auch wenn diese Stellen im Buch vielleicht gar nicht vorkommen.

Ich denke dass besonders Autoren und Schriftsteller viel vom Theater lernen können. Vielleicht bekommt ja auch der ein oder andere Autor Lust darauf ein Theaterstück zu schreiben. Für mich wäre das auf jeden Fall ein sehr reizvoller Gedanke für die Zukunft, weil Theater einfach um so viele Ebenen weiter geht als nur ein Buch. Es hat für mich so viel mehr Potential für künstlerischen Ausdruck. Ich denke auch Inszenierungen mit verschiedenen Menschen, die an einem solchen Projekt mitarbeiten, sind sicher sehr spannend.

Zusammenfassung

Titel: Wie Dramen entstehen

Autor: John von Düffel, Klaus Siblewski

Herausgeber: Luchterhand

Erschienen: 2012

Besprochene Ausgabe: Softcover ISBN: 978-3630873640

Seitenzahl: 288

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[Rezension] Die Frauen von Algier – Assia Djebar https://wortlichter.com/rezension-die-frauen-von-algier-assia-djebar https://wortlichter.com/rezension-die-frauen-von-algier-assia-djebar#comments Sun, 04 Jun 2017 16:50:13 +0000 https://wortlichter.com/?p=549 Für meine Frauen-Lese-Challenge habe ich mir dieses Mal ein Buch herausgesucht, was mit einem Nicht-Westlichen Hintergrund geschrieben wurde. Assia Djebar hat “Die Frauen von Algier: Erzählungen*” bereits 1980 geschrieben und stützt sich auf das Algerien der späten 50er bis 70er Jahre. Das Buch beruht auf ihren eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Einen Roman über algerische Frauen zu …

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Für meine Frauen-Lese-Challenge habe ich mir dieses Mal ein Buch herausgesucht, was mit einem Nicht-Westlichen Hintergrund geschrieben wurde.

Assia Djebar hat “Die Frauen von Algier: Erzählungen*” bereits 1980 geschrieben und stützt sich auf das Algerien der späten 50er bis 70er Jahre. Das Buch beruht auf ihren eigenen Beobachtungen und Erfahrungen. Einen Roman über algerische Frauen zu lesen, war für mich sehr interessant. Es ist auch das einzige Buch einer algerischen Autorin, welches mir einfällt- zumindest auf Deutsch. Wer jetzt aber nette orientalische Geschichten erwartet, den muss ich leider enttäuschen, denn dieses Buch ist ziemlich heftig in seiner Intensität.

Hintergrund:

Algerien wurde im letzten Jahrhundert durch mehrere schwere Kriege geprägt. Da ist zum einen die lange französische Kolonialherrschaft, die im algerische Unabhängigkeitskrieg mündete, die tiefe Narben in der algerischen Bevölkerung hinterlassen hat und der später herrschende Bürgerkrieg in den 90ern. Diese Informationen sollte man bei jeder Lektüre über Algerien auf jeden Fall im Hinterkopf haben, denn im Gegensatz zu anderen Ländern, die nach dem zweiten Weltkrieg und der Unabhängigkeit relativ stabil blieben, litt Algerien Jahrzehnte unter Krieg und Instabilität. Somit haben diese Erlebnisse natürlich das Land geprägt und mehrere Generationen haben unter Gewaltherrschaften gelitten. Während die älteren Generationen den Algierienkrieg mit Frankreich erlebten (1950 bis 1962), wo Frankreich Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen begangen hat, erlebte die junge Generation dafür den algerischen Bürgerkrieg, welcher 1991 begann und bis in die 2000er stark ausgeprägt war und bis heute in abgelegenen Regionen weiterbrodelt.

Ich finde dieser kleine geschichtliche Exkurs, ist wichtig beim Verständnis der Lektüre, die nämlich genau in der Zeit dazwischen angesiedelt ist. Das Buch ist geprägt von alten Wunden und Erfahrungen aus dem Unabhängigkeitskrieg und der algerischen Kultur. Das Augenmerk liegt vor allem auf den Frauen und wir lernen in mehreren Erzählungen verschiedene Frauen und ihre Leben kennen.

Frauen im Krieg und danach:

Das Buch besteht aus zwei Teilen: Heute und Gestern, die jeweils Erzählungen von Frauen nach dem Krieg und während des Krieges enthalten.

Die Erinnerungen der Figuren wirken an manchen Stellen, fast wie Halluzinationen. Träume, Fieberwahn, traumatische Erinnerungen und Klagelieder werden in den Erzählungen verwoben. Der Stil ist ganz anders, als man es gewöhnt ist.

“Wo seid ihr, Feuerträgerinnen, ihr meine Schwestern, die ihr die Stadt hättet befreien müssen” (Assia Djebar: Die Frauen von Algier, S.65)

Immer steht die Frau im Mittelpunkt: Frauen zwischen idealisierten Frauenkörpern, dem Traum des Orients und Folter, Vergewaltigung und Widerstand. Das Buch ist sicher keine Unterhaltungslektüre und liegt schwer im Magen. Nachts lag ich noch wach um über die Sätze und Erfahrungen dieser Frauen nachzudenken. Manche Sätze musste ich mehrfach lesen und fand darin mehrere Bedeutungsebenen.

Es ist auch eines der wenigen Bücher, welches sich explizit den weiblichen Erfahrungen des Krieges widmet. Bücher über den Krieg, das bedeutet meist Geschichten von Sieg und Niederlage, Geschichten von Soldaten, von Männern und ihren Schicksalen. Doch selten wird das Schicksal der Frauen im Krieg thematisiert. Frauen schweigen auch sehr oft über ihre Erfahrungen, doch hier nicht.

“Und jene Frauen, die schließlich am Leben geblieben sind, wie es so schön heißt, die vergitterte Gefängnisse durchlebt haben, dann die Käfige der Erinnerung, dann…(sie weint) dann wie ich die Fieberphantasien […] -sind sie wirklich am Leben geblieben?” (Assia Djebar: Die Frauen von Algier, S.66)

Worte und Sprache, unverschleiert:

Auch die Frauenkörper nehmen einen großen Teil der Auseinandersetzung ein, Einblicke ins Hamam, verschleiert, unverschleiert. Und am Ende habe ich jedoch das Gefühl, dass es gar nicht um den Schleier an sich geht, sondern in diesem Zusammenhang ein Sinnbild dafür ist, die schrecklichen Erlebnisse zu verarbeiten und ablegen zu können und endlich wieder klar zu sehen und zu leben.

Dieses Buch hat eine ganz besondere Art zu erzählen, fast schon als würde die Autorin diese Geschichten über die algerischen Frauen, nur mir erzählen.  Als sitze sie in meinem Raum und bringt mir Vertrauen, Schwesterlichkeit und eine Offenheit entgegen, wie man sie nur unter Frauen vorfinden kann. Es sind Geschichten von Frauen für Frauen, die nach meinem Empfinden sehr intim und weiblich erzählt sind und all die schrecklichen Erfahrungen und Traumata in Worte fasst, die man kaum in Worte fassen kann.

“Ich sehe für uns keinen anderen Ausweg als eine solche Begegnung: eine Frau, sie sich vor einer anderen, sie aufmerksam beobachtet, ausspricht. Die Sprechende- erzählt sie von der anderen mit den glühenden Augen, den düsteren Erinnerungen, oder beschreibt sie ihre eigene Nacht, mit Worten wie Fackeln oder Kerzen, deren Wachs zu schnell schmilzt?  (Assia Djebar: Die Frauen von Algier, Seite 69)

Zusammenfassung

TitelDie Frauen von Algier: Erzählungen*

Autorin:  Assia Djebar

Herausgeber: Fischer

Erschienen: 2011 (erstmals in Deutsch: 1999)

Originalausgabe: erschienen 1980 in Französisch (Paris)

Besprochene Ausgabe: Taschenbuch  ISBN: 978-3-579-08534-0

Seitenzahl: 207

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[Rezension] Geschichten aus dem Wiener Wald- Ödön von Horváth https://wortlichter.com/rezension-geschichten-aus-dem-wiener-wald-oedoen-von-horvath https://wortlichter.com/rezension-geschichten-aus-dem-wiener-wald-oedoen-von-horvath#comments Fri, 17 Feb 2017 17:01:35 +0000 https://wortlichter.com/?p=462 Kennt ihr die Geschichten aus dem Wiener Wald?* Als derzeitige Wahl-Wienerin bin ich an dem Klassiker von Ödön von Horváth einfach nicht vorbeigekommen. Ich habe ihn gelesen, ohne vorher etwas vom Inhalt zu wissen und war wirklich positiv überrascht. Wer jetzt aber bei Wiener Wald an Walzer und klassische Musik denkt, der hat auch nicht …

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Kennt ihr die Geschichten aus dem Wiener Wald?* Als derzeitige Wahl-Wienerin bin ich an dem Klassiker von Ödön von Horváth einfach nicht vorbeigekommen. Ich habe ihn gelesen, ohne vorher etwas vom Inhalt zu wissen und war wirklich positiv überrascht. Wer jetzt aber bei Wiener Wald an Walzer und klassische Musik denkt, der hat auch nicht Unrecht, denn tatsächlich gibt es einen Walzer von Johann Strauß mit dem Namen “Geschichten aus dem Wiener Wald”. Dieser Zusammenhang ist kein Zufall, sondern vom Autor beabsichtigt.
Ich habe euch das Musikstück mit Soundcloud verlinkt. Hier könnt ihr also gleich hineinhören und habt für die weiteren Ausführungen, eine musikalische Untermalung.

Hinter der Fassade des idyllischen Wiener Waldes

Wir haben es bei den “Geschichten aus dem Wiener Wald” mit einem klassischen dramatischen Werk zu tun. Es wurde Ende der 1920er von Ödön von Horváth geschrieben und 1931 erstmalig aufgeführt. Es spielt also zeitlich kurz vor dem zweiten Weltkrieg. Der historische Hintergrund ist zwar zweitrangig bei der Geschichte an sich, allerdings sehr wichtig, wenn man mehr darüber nachdenkt, was diese Darstellung des alltäglichen Lebens, über die damalige Gesellschaft aussagt.

Es geht um eine junge Frau, namens Marianne, aus bürgerlichen Verhältnissen, welche einer Heirat mit einem vom Vater ausgewählten Mann entgehen will, in dem sie ihrem Herzen folgt und mit dem erstbesten Mann durchbrennt, der ihr über den Weg läuft und ihr Avancen macht. Diese Entscheidung war allerdings nicht gut durchdacht und hat schwere Auswirkungen auf ihr Leben, denn der wohlgesinnte Liebhaber, entpuppt sich schnell als heiße Luft. Statt in die Freiheit, rutscht die junge Frau immer tiefer in den Abgrund und wird besonders von den Männern immer schlechter behandelt. Dies nimmt so dermaßen schlimme Ausmaße an, dass man kaum weiter lesen will, da man ahnt, dass gleich noch etwas Schlimmeres passiert. Besonders die Entscheidung für ein selbstbestimmtes Leben lässt Marianne jegliche Unterstützung und Halt verlieren, da sie entgegen den Konventionen gehandelt hat und somit nichts besseres als das Unglück verdient hat.

Ein frau­en­ver­ach­tendes Stück

Besonders aus feministischer Sicht, ist dieses Stück, ein absoluter Horror. Stellenweise war ich echt entsetzt wie viel Missgunst Marianne, welche auf mich sehr liebenswürdig und freundlich wirkte, entgegen gebracht wird.

Allerdings bin ich mir ziemlich sicher, dass genau das auch die Absicht des Autors war, den Abstieg einer jungen lebenslustigen Frau in aller Härte darzustellen, deren komplettes Leben von Männern dominiert und bestimmt wird. Sie selbst wird zum Spielball dieser alten und tief verwurzelten Hierarchien, während die wenigen anderen Frauen, die im Buch vorkommen, bereits deutlich älter sind und scheinbar ihren Platz in diesem Gefüge gefunden haben, in dem sie das Spiel zu ihren Gunsten ausnutzen. Das wogegen Marianne sich aussprechen will, nämlich eine Abkehr von der traditionellen Rolle, wird ihr zum Verhängnis und bringt sie erst Recht in Bedrängnis.

Die Geschichte ist eine Anspielung auf die heile Familienidylle der Vorkriegszeit, in der der gute Schein zählt, allerdings die Realität wenig wert ist. Der Blick hinter die Idylle zeigt die charakterlichen Abgründe der Menschen und ihrer Zeit.

Leserfahrungen

Ich finde, dass dieses Werk einfacher zu lesen ist, als man das vielleicht bei einem Klassiker erwartet. Das liegt sicher auch daran, dass dieses Stück erst im 20.Jahrhundert geschrieben wurde und wesentlich jünger ist, als die Stücke von Schiller und Co. Es gehört übrigens zur Epoche der neuen Sachlichkeit. Ich denke, dass dieses Theaterstück eine gute Gelegenheit ist, einmal etwas aus der Dramatik zu lesen, für Leser, die vielleicht sonst eher abgeschreckt sind.

Die Sprache ist hier sehr lebensnah und einfach verständlich. Das Buch ist auf dem ersten Blick vielleicht etwas übertrieben frauenfeindlich. Aber umso mehr ich darüber nachdenke und umso aufmerksamer ich lese, umso mehr Feinheiten und Anspielungen fallen mir auf. Sowohl auf die Wiener Lebenskultur, als auch auf die politische Stimmung der Vorkriegszeit und vielem mehr. Man bekommt sehr gut das Lebensgefühl dieser Zeit vermittelt. Das Ganze hat jedoch schon etwas von satirischer Überspitzung und Übertreibung ins Negative.

Vielleicht fällt mir die extreme Frauenfeindlichkeit auch nur auf, weil ich mich derzeit soviel mit Feminismus beschäftige. Ich lese gerade alle Bücher automatisch mit diesen ganzen Hintergedanken. Das zeigt mir auch, wie stark die Beschäftigung mit einem Thema in andere Bereiche und Bücher übergreift.
Falls ihr das Buch auch gelesen habt, würde mich interessieren, ob ihr das auch so wahrgenommen habt?

Es ist ein Buch, was in mir nachgehallt hat und mich dazu zwang, darüber nachzudenken. Ich finde es toll, wenn Werke das auslösen können und ich jetzt das Bedürfnis habe, diese Gedanken mit euch zu teilen.

Zusammenfassung

TitelGeschichten aus dem Wiener Wald: Volksstück in drei Teilen*

Genre: Klassiker/ Dramatik

Autor: Ödön von Horváth

Entstanden: Ende des 1920er

Uraufführung: 1931

Besprochene Ausgabe: Anaconda Verlag, Hardcover,  ISBN: 978-3866473843

Seitenzahl:96

Fazit: Die Abgründe hinter der scheinbaren Idylle des Wiener Waldes

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