Buchpreis – Wortlichter https://wortlichter.com Literatur. Lesen. Schreiben. Tue, 25 Sep 2018 09:26:44 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 /i2.wp.com/wortlichter.com/wp-content/uploads/2017/08/cropped-20750705_1387240721365761_1860346035_n.jpg?fit=32%2C32&ssl=1 Buchpreis – Wortlichter https://wortlichter.com 32 32 114456990 [Kommentar] der österreichische Buchpreis 2018 https://wortlichter.com/kommentarbuchpreis https://wortlichter.com/kommentarbuchpreis#comments Tue, 25 Sep 2018 09:23:06 +0000 https://wortlichter.com/?p=869 Wie ihr wisst, macht es mir immer mehr Spaß den österreichischen Buchpreis zu beobachten, als den deutschen Buchpreis, natürlich weil ich in Österreich lebe, aber auch weil ich denke, dass man hier tolle Entdeckungen machen kann, da österreichische Literatur nicht so bekannt ist. Dieses Jahr ist die Longlist richtig interessant für mich. Ich lasse euch …

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Wie ihr wisst, macht es mir immer mehr Spaß den österreichischen Buchpreis zu beobachten, als den deutschen Buchpreis, natürlich weil ich in Österreich lebe, aber auch weil ich denke, dass man hier tolle Entdeckungen machen kann, da österreichische Literatur nicht so bekannt ist. Dieses Jahr ist die Longlist richtig interessant für mich. Ich lasse euch an meiner Meinung zu den nominierten Titeln gerne teilhaben. Bitte beachtet, dass meine Einschätzung meine persönliche Meinung ist und auf den Klappentexten und Leseproben beruht, keinesfalls auf der Lektüre der ganzen Werke. Ich habe natürlich meine persönlichen Favoriten und ihr werdet sicher merken, welche das sind.

Nominiert für den österreichischen Buchpreis:

Mareike Fallwickl: Dunkelgrün fast schwarz (Frankfurter Verlagsanstalt)*

Mareike schreibt in einem wundervoll poetischen Schreibstil über Freundschaft, Verrat und Liebe. Schon in der Kindheit, ist die Freundschaft zwischen Moritz und Raffael nicht ausgeglichen. Raffael ist die treibende manipulative Kraft und scheint eine bösartige Ader zu besitzen. Moritz ist Rafael jedoch treu ergeben. Außerdem hat Moritz eine besondere Fähigkeit. Er ist Synästhet und kann Farben in Auren um die Menschen wahrnehmen: Raffaels Aura ist grün. Nach der Schule trennen sich ihre Wege, doch 16 Jahre später, steht Rafael wieder vor Moritz seiner Tür und diesmal ist seine Aura dunkelgrün, fast schwarz.

Gleich eine Überraschung zu Beginn. Ich war zwar fest davon überzeugt, dass der Roman der großartigen Mareike (die übrigens auch Buchbloggerin ist) auf der Liste auftaucht, aber da es ihr Debüt ist, hatte ich ihn eher beim Debütpreis vermutet. Umso mehr freut es mich, dass sie gleich ins Rennen um “den großen Preis” geht. Und wisst ihr was? Ich denke, dass Mareike gute Chancen hat. Ich würde ihr den Sieg auf jeden Fall wünschen.

Lesen? Definitiv ja.

Milena Michiko Flašar: Herr Katō spielt Familie (Verlag Klaus Wagenbach)*

Herr Kato ist ein japanischer Rentner, der nun mit seiner überschwänglichen Freizeit, nicht viel anzufangen weiß. Sein ganzes Leben harter Arbeit gewidmet und ständig unter Strom gewesen, ist Herr Kato nun ganz plötzlich mit der Situation überfordert nicht mehr gebraucht zu werden.

Pluspunkte gibt es von mir für die poetische Sprache, aber leider kann mich das Grundthema nicht so ganz reizen.

Lesen? Jein. Vielleicht an einem Regentag.

Arno Geiger: Unter der Drachenwand (Carl Hanser Verlag)*

Bereits für den deutschen Buchpreis nominiert, taucht Arno Geiger wie bereits erwartet, nun auch auf der Liste des österreichischen Buchpreises auf. Auf die Shortlist in Deutschland hat er es leider nicht geschafft, aber in Österreich ist er meiner Meinung nach, bestimmt mit dabei. Dazu trägt sicher auch der Handlungsort am Mondsee bei, der ein absolut gelungener Schauplatz für dieses Szenario ist. Ein geradezu mythisch und heil anmutender Fleck Erde, an den der Protagonist 1944 zurückkehrt um sich von seinen Kriegsverletzungen zu erholen, ein trügerischer Gedanke, denn im Krieg ist leider gar nichts heil…

Lesen? Unbedingt. Gerne auch an Schulen oder mit Jugendlichen.

Gerhard Jäger: All die Nacht über uns (Picus Verlag)*

Ein Soldat, eine Grenze, ein Wachzaun und ein Mann auf der Flucht in der tiefen Nacht. Stundenlang im Dunkeln auf die Grenze starren, auf Bewegung und Abwechslung hoffen, aber auch gleichzeitig Bewegung fürchten. Das ist der Job eines Grenzsoldaten. Umso mehr Zeit bleibt, für die eigenen Gedanken. Und auf diese Gedanken bin ich wirklich gespannt. Der Klappentext verspricht poetische Reflexionen über die Abgründe der Menschen und das Unrecht dieser Welt. Außerdem bin ich zwar kein Cover-Mensch, aber bei diesem Buch finde ich das Cover großartig gelungen und es spricht mich total an.

Lesen? Unbedingt. Bin sehr neugierig auf die Umsetzung.

Hanno Millesi: Die vier Weltteile (Edition Atelier)*

Ein Anschlag im Foyer eines Museums und der Versuch für die Kinder Normalität vorzutäuschen. Kunstmuseum trifft Kinderfragen und Kulturgeschichte und aktuelle politische/ gesellschaftliche Auseinandersetzung. Ob diese Mischung überzeugen kann? Ich bin etwas skeptisch. Allerdings war ich von den Büchern von Edition Atelier bisher nie enttäuscht.

Lesen? Mal sehen.

Margit Schreiner: Kein Platz mehr (Schöffling & Co.)*

Ein Buch über Platzprobleme. Wir haben zu viel Zeugs. Überall. Margit Schreiner nährt sich literarisch dem Thema Überfluss und Platzmangel an.

Für den Buchpreis erscheint mir das Thema ein bisschen zu lapidar. Oder ist es gerade deswegen nominiert? Das Literarische im Alltäglichen, eigentlich ganz nett. Aber ganz nett und ein bisschen amüsant- für mich reicht das leider nicht.

Lesen? Nein.

Robert Seethaler: Das Feld (Hanser Berlin)*

Robert Seethaler ist spätestens seit “Der Trafikant” nicht mehr aus der österreichischen Literatur wegzudenken und sogar international erfolgreich. Sein Erfolgsgeheimnis? Schwere Themen so einfach und mitreißend erzählen, dass man sie nicht wieder vergisst und jeder sie versteht. So dass man sich beim Lesen denkt: Ja genau so könnte das theoretisch passiert sein. Ich finde das ist wahre Kunst und Literatur.

In seinem neuem Werk, beleuchtet er das Leben von 29 Toten, die von ihren vergangen Erfahrungen erzählen und lässt so fast eine ganze Stadt lebendig werden. 29 verschiedene Leben auf 240 Seiten? Könnte vielleicht ein bisschen viel des Guten sein, aber ich bin gespannt wie Robert Seethaler das umgesetzt hat.

Lesen? Vielleicht.

Heinrich Steinfest: Die Büglerin (Piper Verlag)*

Die Büglerin- Ich mag den Titel, mal etwas ganz anderes. Tonia büßt ihr vorheriges reiches und privilegiertes Leben, durch selbstauferlegte Armut und der Arbeit als Büglerin. Denn als ihre Nichte, die sie zusammen mit ihrer Schwester aufzog starb, nahm ihr ganzes Leben eine Wendung und Tonia lies alles hinter sich. Die Presse verspricht ein skurriles Buch mit einem außergewöhnlichen und humorvollen Schreibstil. Ich bin mir nicht sicher, wie das mit der Grundgeschichte zusammenpassen soll. Ich habe die Vermutung dass der Autor eine andere Auffassung von Humor hat, als ich.
Trotzdem gibt es von mir Pluspunkte für die originelle Berufung der Protagonistin. Ein Roman über das Bügeln? Das macht so schnell keiner nach.

Lesen? Trotzdem eher nicht.

Josef Winkler: Laß dich heimgeigen, Vater, oder Den Tod ins Herz mir schreibe (Suhrkamp)*

Da ich bereits das Buch mit dem besten Cover gelobt habe, kann ich an dieser Stelle auch festhalten, dass dies das Cover ist, was mir am wenigsten zusagt. Winkler schreibt hier über den Umstand, dass ein SS-Massenmörder auf einem Feld in dem Heimatdorf des Autors (Kamering) verscharrt wurde. Auf dem selben Feld, wo sein Großvater und sein Vater Getreide anbauten, welches als Nahrung für die Bevölkerung dient. Das Buch befasst sich  mit unbequemen Wahrheiten und dem kollektiven Schweigen.

Ich habe die Leseprobe überflogen und was mir sofort auffiel: es gibt keine Absätze. Etwas was ich ganz persönlich leider überhaupt nicht leiden kann. Ansonsten ist der Schreibstil wütend, anklagend und persönlich. Sprachgewaltig, aber leider auch anstrengend zu lesen. Und damit meine ich nicht die schöne Art von poetisch anstrengend. Keine Absätze und Sätze die über 18 Zeilen gehen….dazu muss man in der passenden Stimmung sein. Josef Winkler stand einmal auf meiner Liste als Uni-Pflichtlektüre. Und genau so liest sich das Ganze auch.

Lesen? Wichtiges Thema mit schwieriger anspruchsvoller literarischer Umsetzung. Sicher super fürs Analysieren, wenn man Spaß daran hat.

Daniel Wisser: Königin der Berge (Jung und Jung)*

Das letzte Buch auf der Longlist gehört auch zur schweren Kost. Der Protagonist ist MItte 40 und leidet unter Multiple Sklerose. Um niemanden zur Last zu fallen, weist er sich selbst in ein Heim ein und plant bereits das Sterben. Nur leider will ihm niemand dabei helfen, weshalb er vor hat, in die Schweiz zu fahren, da er dort selbst bestimmen kann, wann er sterben will. Doch leider schafft er es ohne fremde Hilfe mittlerweile nirgendwo hin.

Der Text ist wie eine Mischung aus Roman und Drama gestaltet. Es gibt viel Dialoge und zusätzlich noch die inneren Gedanken des Protagonisten. Eine Form, die ich so auch noch nicht gesehen habe.

Lesen? Ich persönlich nicht.

 

Nominiert für den Debüt-Preis:

 

Ljuba Arnautović: Im Verborgenen (Picus Verlag)*

Noch ein Kriegsroman, welcher ebenso wie Arno Geigers Roman, im Jahre 1944 angesiedelt ist, aber dieses Mal in Wien. Genofeva führt ein einsames und vollkommen normales und unscheinbares Leben. Ihre Söhne sind bereits in die UDSSR ausgewandert, der Ehemann lebt in Australien.  Doch Genofeva ist nicht so unscheinbar, wie es scheint, denn sie tut etwas, was sich viele Menschen nicht trauen würden: sie versteckt verfolgte Menschen in ihrer Wohnung. Eine Geschichte von einer vergessenen und verborgenen Heldin.

Lesen? Ja, ich denke dass hier ein Aspekt vom geheimen Widerstand behandelt wird, der oft vergessen wird und von dem jeder sich ein bisschen Mut und Courage abschauen kann.

David Fuchs: Bevor wir verschwinden (Haymon Verlag)*

Der angehende Mediziner Benjamin macht ein Praktikum auf einer Krebsstation und begegnet dort ausgerechnet seiner Jugendliebe. Eine Annäherung unter den Vorzeichen des Abschieds. Noch einmal schwere Kost und eine schwere Thematik. Besonders erwähnenswert: der Autor ist selbst Onkologe und Palliativmediziner.

Lesen? Generelle Leseempfehlung: Ja. Für mich: Nein, da bin ich leider zu nah am Wasser gebaut. Auch wenn die Presse dazu schreibt, dass das Buch wahnsinnig intelligent geschrieben hat, denke ich dass allein die Thematik schon schwer verdaulich ist.

Marie Gamillscheg: Alles was glänzt (Luchterhand Literaturverlag)*

Der Roman handelt von einem kleinen Dorf an einem großen Berg, welches langsam ausstirbt. Die einzige Bewegung kommt vom Stollen des alten Bergwerks, der einzubrechen droht. Was gibt es schon noch in diesem Dorf zu retten? Marie Gamillschegs Buch dreht sich darum, was die Menschen in der Einöde hält. Gehen oder Bleiben? Es geht um Veränderung und Stillstand und all die menschlichen Gefühle die daran geknüpft sind.

Lesen? Da ich auch aus so einem kleinen Dorf stamme: Ja. Ich werde sicher viel wiederkennen können

 

Und wie gefallen euch die beiden Listen für den österreichischen Buchpreis? Ist für euch etwas interessantes dabei?
Findet ihr dieses Jahr die Liste vom deutschen Buchpreis oder vom österreichischen Buchpreis gelungener?

 

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Sommerrückblick https://wortlichter.com/sommerrueckblick https://wortlichter.com/sommerrueckblick#respond Thu, 30 Aug 2018 11:14:08 +0000 https://wortlichter.com/?p=861 Pünktlich zum Ende der Sommermonate, melde ich mich wieder aus meiner Sommerpause zurück. Ich habe leider über den Sommer sehr wenig gelesen und dafür an meinen Projekten gearbeitet. Trotzdem hat es sich genau richtig angefühlt. Jetzt freue ich mich dafür umso mehr auf einen richtig schön bücherlastigen Herbst. Immerhin ist der Herbst zumindest für mich literarisch …

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Pünktlich zum Ende der Sommermonate, melde ich mich wieder aus meiner Sommerpause zurück. Ich habe leider über den Sommer sehr wenig gelesen und dafür an meinen Projekten gearbeitet. Trotzdem hat es sich genau richtig angefühlt. Jetzt freue ich mich dafür umso mehr auf einen richtig schön bücherlastigen Herbst. Immerhin ist der Herbst zumindest für mich literarisch immer ein Highlight: das neue Herbstprogramm, die Buchpreise und die anstehenden Messen, lassen das Herz aller Buchliebhaber höher schlagen.

Was gibt es Neues?

SSL Verschlüsselung auf Wortlichter

Ich habe die Zeit genutzt um meinen Blog auf SSL umzustellen. Das war gar nicht so schwer wie gedacht. Außerdem habe ich noch ein paar andere kleine Anpassungen gemacht.

Gedichte auf Instagram ausgelagert auf Ajaou.Poetry

Mich hat es irgendwie genervt, dass ich auf Instagram deutsche und englische Sachen gemeinsam bunt durcheinander bei Wortlichter hatte. Darum habe ich nun meine experimentellen Gedichte auf Englisch auf einen eigenen Account ausgelagert. Ihr findet also meine englischen Gedichte und auch ein bisschen  Reisen, Fotografie und Smalltalk auf Ajaou.Poetry (was natürlich eine Abkürzung für meinen richtigen Namen ist).

Der deutsche und der österreichische Buchpreis

Der deutsche Buchpreis ist wieder gestartet. Ich finde die Buchpreiszeit immer ganz besonders schön und liebe die ganzen Diskussionen und Auseinandersetzungen mit Literatur. Aber wie ihr wisst, gilt mein Interesse ja mehr dem österreichischen Buchpreis, da ich in Österreich lebe und auch denke, dass dieser Preis medial viel zu wenig wahrgenommen wird. Die Longlist für Österreich kommt Anfang September. Ich bin schon gespannt.

Bis dahin lese ich ein paar Leseproben zum deutschen Buchpreis um die Wartezeit zu überbrücken. Ich bin dieses Jahr besonders erfreut, dass es so viele Frauen auf die Longlist geschafft habe. Endlich mal eine ordentlich Portion Frauenpower beim Buchpreis!

Besonders gefreut habe ich mich über die Nominierung von Anja Kampmann. Denn sie ist bereits seit dem Erscheinen ihres Buches „Wie hoch die Wasser steigen*“, meine Favoritin auf den Preis.

Außerdem bin ich davon überzeugt, dass Arno Geiger mit „Unter der Drachenwand*“ auf jeden Fall auch auf der österreichischen Buchpreis-Liste auftauchen wird.

Meine weiteren Tipps für Österreich sind übrigens: Robert Seethaler mit „Das Feld*“,  Peter Henisch mit „Siebenhalb Leben*“ und Milena Michiko Flašar mit „Herr Kato spielt Familie*”. Außerdem sehe ich „Dunkelgrün fast Schwarz*“ von Mareike Fallwickl und „Die Unversehrten*“ von Tanja Paar als gute Kandidaten für den österreichischen Debütpreis.  Ich bin ja gespannt wieviele Treffer meine Schätzung ergibt.

Da beim österreichischen Buchpreis auch Lyrik als Einreichung zugelassen ist und ich ja Gedichte liebe, hoffe ich ganz stark, dass es auch ein Lyrik Titel auf die Longlist schafft. Ob Ann Cottens „Fast Dumm- Essays von on the road*“ mit dabei ist? Immerhin hat es Ann Cotten schon einmal auf die Buchpreisliste geschafft.

Gelesen im Sommer:

Angela Carter- Heroes and Villains*

Die Grundstory ist schnell erzählt: In einer dystopischen Zukunft leben die gut situierten Wissenschaftler buchstäblich in Elfenbeintürmen, bewacht von Soldaten, während in der postapoklyptischen Wildnis die Barbaren hausen. Außerdem gibt es da draußen noch jede Menge Bestien, die wohl durch atomare Verstrahlung entstanden sind. Schnell wird ein einfaches Schwarz-Weiß-Szenario aufgebaut: Die Barbaren sind die Feinde der Wissenschaftler, unzivilisiert, aufs nackte Überleben konzentriert und plündern regelmäßig deren Wohlstand.

Die Protagonistin ist noch ein Kind, als sie sieht wie einer der Barbaren ihren Bruder tötet. Und 10 Jahre später, ist es ausgerechnet genau dieser Mann, der Mörder ihres Bruders, dem sie zur Flucht verhilft. Ihr mädchenhafter Traum von Wildnis, Freiheit und Interesse an dem wilden Fremden, wird schnell zum Alptraum.

Dieses Buch hat mich wirklich überrascht. Als ich mit diesem Buch durch war, musste ich erst einmal durchatmen. Mein erster Gedanke war: Was habe ich da gerade gelesen? Ehrlich gesagt, passiert es nicht oft, dass ich mir diese Frage stelle. Dieses Buch hat nachgehallt.

Es war vor allem Carters ästhetischer, fast märchenhafter Schreibstil, im dem jedoch jede Menge Grausamkeit und Gewalt steckte. Auf eine ganz seltsam hinterlistige Art und Weise in schöne Worte verpackt. Carter kann schreiben- und wie sie es kann. Ihr Schreibstil gehört übrigens zum magischen Realismus und das war das erste Mal, dass ich in diesem Bereich etwas gelesen habe.

Dann die Liebesgeschichte, die keine ist, sondern eine abgrundtief missbräuchliche Beziehung. Dieses Buch benötigt definitiv eine Triggerwarnung. Als ich erfahren habe, dass Carter jedoch Feministin ist, stand mir ziemlich der Mund offen. Ich habe mich dann wirklich gefragt, wie das zusammen passen kann. Diese Frage hat mich so beschäftigt, dass ich mich viel mit der Autorin auseinander gesetzt habe und mittlerweile auch ihr Werk viel differenzierter und offener sehe. Ich habe auch schon ein weiteres Buch von ihr angefangen und lese parallel dazu einen Lektüre-Schlüssel. Tatsächlich steckt in ihren Werken unheimlich viel drinnen und ich werde sicher nochmal genauer darauf eingehen.

Kelsey Horton – Robot Coconuts Trees*

Ein kleiner Schreibratgeber, den die Autorin im Self-Publishing rausgebracht hat. Es geht hauptsächlich um die Schreibmotivation und Kreativität. Der Schreibstil und auch die Autorin selbst, waren mir sofort sympathisch. Da das Buch nur 160 Seiten hat, war es schnell gelesen. Und es hat seinen Zweck, nämlich zum Schreiben zu motivieren, bei mir auch total erfüllt. Danach hatte ich richtig viel Lust, endlich mal einen ganzen Haufen Gedichte zu verfassen und online zu stellen. Hier findet man zwar keine tiefgründige Abhandlung über das Schreiben, aber dafür kann man die Liebe der Autorin zum Schreiben auf jeder Seite spüren.

Ihr fünf-jähriger Neffe hat übrigens den Namensvorschlag für diesen ungewöhnlichen Titel gemacht. Das fand ich richtig süß, denn diese kindliche Kreativität, Neugier und Freiheit, ist etwas was wir uns unbedingt bewahren sollten.

Neal Cassidy- Der Flügel des Engels*

Leider eine riesige Enttäuschung war für mich die Lektüre von Neal Cassidys „Der Flügel des Engels“. Der Held der Beat Generation aus Jack Kerouacs „Unterwegs*“, schreibt hier seine eigene Geschichte.  Doch irgendwie wollte der Funke nicht überspringen. Ich habe die Atmosphäre und die treibenden Rythmen der Beat Generation vermisst. Dabei waren es Neals Briefe, die Jack Kerouac erst zu diesem Schreibstil inspirierten.

Vielleicht lag das an der deutschen Übersetzung? Da ich bisher noch nichts von den Beats auf Deutsch gelesen habe, kann es durchaus sein, dass mich der Sprachrythmus deshalb verwirrt hat. Es hat irgendwie nicht gepasst. Vielleicht gebe ich Neal Cassidy nochmal auf Englisch eine Chance. Und ich werde auch in Zukunft lieber die englischen Bücher im Original lesen.

 

Wie habt ihr den Sommer verbracht? Verfolgt ihr auch den deutschen oder österreichischen Buchpreis?

 

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[Rezension] Autolyse Wien- Karin Peschka https://wortlichter.com/rezension-autolyse-wien-karin-peschka https://wortlichter.com/rezension-autolyse-wien-karin-peschka#respond Sun, 19 Nov 2017 19:17:35 +0000 https://wortlichter.com/?p=682 Was bleibt wenn die Welt, die wir kennen untergeht oder sich aus den Angeln hebt? Autolyse Wien geht der Frage nach, wie es wohl wäre, wenn eine riesige Katastrophe eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Dabei ist es für das Buch vollkommen nebensächlich, was genau diesen Untergang verursacht hat. Viel mehr geht es …

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Was bleibt wenn die Welt, die wir kennen untergeht oder sich aus den Angeln hebt? Autolyse Wien geht der Frage nach, wie es wohl wäre, wenn eine riesige Katastrophe eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Dabei ist es für das Buch vollkommen nebensächlich, was genau diesen Untergang verursacht hat. Viel mehr geht es darum, was die einzelnen Überleben nun tun und wie sie sich mit diesen Ereignissen arrangieren.

In vielen kurzen Fragmenten, die oft nur einige Seiten lang sind, werden die verschiedensten Menschen vorgestellt und man lernt, wie sie mit der Katastrophe umgehen.

Autolyse- Selbstauflösung

Das Wort Autolyse scheint erst einmal ungewöhnlich für einen Roman-Titel. Bei näherer Betrachtung, merkt man jedoch, dass das Wort sehr passend und keinesfalls zufällig gewählt ist. Die Autolyse bezeichnet nämlich einen Verwesungsprozess und die eigene Auflösung von abgestorbenen Zellen. Metaphorisch gesehen, steht das für den Prozess, welcher nach der Zerstörung der Stadt eintritt. Ich muss jedoch zugeben, dass Autolyse Wien leider kein Buchtitel ist, der mich im Buchladen ansprechen würde. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch den österreichischen Buchpreis, wo das Buch auf der Longlist stand.

Außerdem hat Karin Peschka beim Bachmann-Wettbewerb den Publikumspreis gewonnen.

Wien von seiner hässlichsten Seite

Als Wienerin bin ich natürlich beim Lesen sehr aufmerksam.. Ich versuche die beschriebene Orte wiederzuerkennen und muss schmunzeln, wenn aus dem Graben, einer der luxuriösesten Flaniermeilen in Wien, tatsächlich ein echter Graben wird.

Das Karin Peschka ausgerechnet Wien für ihr Szenario gewählt hat, ist denke ich zumindest, kein Zufall. Man sagt der Stadt schon immer einen etwas morbiden Charakter nach. Der Zentralfriedhof als Ausflugsort (welcher übrigens neuerdings das Motto hat “hier liegen sie richtig” – man kann den Wiener Humor und Umgang mit dem Tod gut erkennen.), Bestattungsmuseum, Kapuzinergruft etc. In Wien hat man viele Möglichkeiten sich an dem Tod zu erfreuen. Umso mehr wundert es mich, dass scheinbar sonst noch niemand von dieser Idee Gebrauch gemacht hat und Wien in ein apokalyptisches Schlachtfeld verwandelt hat.

Außerdem bildet Wien, wie kaum eine andere Stadt, einen solchen Kontrast zwischen Schönheit, ewigen Leben und Zerstörung. Allein von der Architektur her, fühlt man sich in der Stadt, als ob die Zeit stehen geblieben ist, irgendwo in der Habsburgermonarchie und dann plötzlich einen Sprung in die Moderne gemacht hat. Ein bisschen Dekadenz, ein bisschen träumerische Historie, ein bisschen Moderne und der typische Wiener Charakter. All das wird im Buch in sein Gegenteil verwandelt. Aus Überfluss wird Mangel, aus Schönheit wird Zerstörung und aus Träumerei bittere Realität.

Die Katastrophen sind weit weg

Trotzdem bleibt es ein Buch, an dem ich sehr lange gelesen habe, da es kein Roman ist und ein Spannungsaufbau mit den ganzen Fragmenten ausbleibt. Es ist ein Buch, in welchem ich meist nur ein paar Abschnitte lese und dann wieder zur Seite legt, ohne den Anschluss zu verpassen. Es ist ein düsteres Szenario, welches zur Abwechslung mal in unserer eigenen europäischen Stadt spielt. Anstatt die Zerstörung und das Leid in den Nachrichten abgestumpft zu verfolgen, regt es hier zum Nachdenken an, da es in unsere eigene Wirklichkeit versetzt wird. Solche Katastrophen- betreffen uns Europäer meist nicht, doch was wäre wenn?

Zusammenfassung

Titel: Autolyse Wien

Autorin: Karin Peschka

Herausgeber: Verlag Otto Müller

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover, ISBN 978-3701312535

Seitenzahl: 180

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[Kommentar] Der österreichische Buchpreis 2017 https://wortlichter.com/kommentar-der-oesterreichische-buchpreis-2017 https://wortlichter.com/kommentar-der-oesterreichische-buchpreis-2017#comments Tue, 05 Sep 2017 21:20:05 +0000 https://wortlichter.com/?p=653 Der Herbst ist für mich Buchpreis-Zeit. Passend dazu, dass mittlerweile die ersten Blätter fallen, wurde die Longlist des österreichischen Buchpreises bekannt gegeben. Nachdem ich immer etwas argwöhnisch den deutschen Buchpreis beobachte, freue ich mich seit dem letzten Jahr besonders auf die heimische Buchpreis-Liste. Dieses Jahr wird der österreichische Buchpreis zum zweiten Mal vergeben. 10 Titel …

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Der Herbst ist für mich Buchpreis-Zeit. Passend dazu, dass mittlerweile die ersten Blätter fallen, wurde die Longlist des österreichischen Buchpreises bekannt gegeben. Nachdem ich immer etwas argwöhnisch den deutschen Buchpreis beobachte, freue ich mich seit dem letzten Jahr besonders auf die heimische Buchpreis-Liste. Dieses Jahr wird der österreichische Buchpreis zum zweiten Mal vergeben. 10 Titel sind für die Longlist nominiert und 3 Titel für den Debütpreis. Im Gegensatz zum deutschen Buchpreis, finde ich die Liste auch dieses Jahr wieder etwas wagemutiger und durchmischter. Wie auch im letzten Jahr, möchte ich euch kurz an meinen ersten Eindrücken (beim Lesen des Klappentextes) teilhaben lassen.

Der österreichische Buchpreis- Longlist 2017:

Oswald Egger: Val Di Non


Das Buch erinnert mich an “Die Auswandernden”, welches ich letztes Jahr von der Longlist gelesen habe. Es verbindet komplexe Poesie mit Illustrationen. Was uns erwartet, kann man schlecht aus dem Klappentext herauslesen, aber auf jeden Fall wird es wohl wunderschön poetisch.

“Wie das wohl sein wird – gelebt zu haben, ohne gewesen zu sein”  Oswald Egger: Val Di Non

Brigitta Falkner: Strategien der Wirtsfindung


Hier verspricht der Klappentext eine Verschmelzung aus Poesie und Graphic Novel, mit Elementen der Naturkunde. Interessant. Ich finde es toll, dass der österreichische Buchpreis nicht nur reine Romane als Nominierungen zulässt. Solche poetische Mischformen finde ich ganz besonders ansprechend. In diesem Buch geht es übrigens um Parasiten – mal etwas ganz anderes.

Olga Flor: Klartraum


Ein Liebesroman im Zeitalter der Ökonomie, der Klappentext verspricht ein nüchternes und schmerzhaft klares Buch. Worum es genau geht, kann man dem Text kaum entnehmen. Ich bin aber neugierig geworden, welche Art von Story sich wohl hinter so einer Beschreibung versteckt. Das könnte richtig gut werden- einmal ganz abseits vom Liebeskitsch, oder aber das Buch enthält doch zu viel von der Nüchternheit und wird dann langweilig. Ich würde gerne herausfinden, welche der beiden Varianten der Fall ist.

Paulus Hochgatterer: Der Tag, an dem mein Großvater ein Held war


Von Paulus Hochgatterrer habe ich letztens seinen Roman Wildwasser gelesen und war ziemlich angetan von seiner Sprache, die so perfekt konstruiert wirkt, als ob ein Architekt am Werke war. Hochgatterer schreibt kurz, auch dieses Buch hat nur 112 Seiten- aber er überlässt keinen Satz dem Zufall und seine Storys sind psychologisch absolut tiefgehend, was daran liegt, dass er Psychiater ist. Ich erwarte mir also auch viel von seinem neuem Buch.

Doris Knecht: Alles über Beziehungen


Ein erfolgreicher Mann um die 50, welcher seine Freizeit damit verbringt, mit vielen verschiedenen Frauen ins Bett zu gehen, obwohl er bereits eine Frau zu Hause hat- eine moderne Geschichte über Treue, Betrug und das Entlieben. Für mich wohl nicht unbedingt ein Buch was ich gelesen haben muss- mich spricht die Grundthematik nicht an. Sie wird aber wahrscheinlich (leider) gut unsere Gesellschaft in Beziehungsdingen abbilden.

Eva Menasse: Tiere für Fortgeschrittene


Mit Eva Menasse geht ein Erzählband an den Start, welcher verschiedene Geschichten enthält, denen zu Grunde liegt, dass sie Meldungen über Tiere enthalten. Diese eignen sich jedoch scheinbar perfekt, um über unsere eigene Gesellschaft zu erzählen. Eva Menasse spürt dabei tierischen Verhaltensmustern nach und bildet sie bei uns Menschen literarisch ab.

Interessant finde ich übrigens auch den Fakt, dass Eva Menasse die Halbschwester von Robert Menasse ist, welcher auch vertreten ist. Das literarische Talent scheint also in der Familie zu liegen. Der Vater der Beiden war aber nicht etwa ein berühmter Schriftsteller, wie man erwarten würde, sondern Fußballspieler im Nationalteam.

Robert Menasse: Die Hauptstadt


Robert Menasse ist dieses Jahr sowohl für den deutschen, als auch für den österreichischen Buchpreis nominiert. Ich glaube sogar, dass er gute Chancen hat. Sein Werk “Die Hauptstadt” ist ein buntes Panorama der Gesellschaft, geschrieben mit viel gesellschaftlichen und geschichtlichen Einflüssen. Robert Menasse ist ein politischer Autor, der etwas zu sagen hat. Ein Autor, welcher nicht nur einfach eine nette Geschichte schreibt, sondern sich ganz genau der Macht der Sprache bewusst ist. Darum ist es sicher auch kein Zufall, dass sein Roman in Brüssel spielt- Brüssel, als Zentrum Europas. Man kann also viel Tiefgang und auch eine politisch-gesellschaftliche Ebene erwarten.

Karin Peschka: Autolyse Wien


In diesem Erzählband wird es dystopisch und düster- denn der Ausgangspunkt ist der Untergang von Wien. Es geht darum, einen neuen Blickwinkel einzunehmen, wenn das Ende da ist und Zerstörung nicht mehr in der Ferne liegt, sondern bereits in der eigenen Stadt stattgefunden hat- wie wird man leben, wie wird man damit umgehen? Was machen die Überlebenden und kann eine solche Realität normal werden? Hier geht es nicht um eine Fantasy-Dystopie, sondern um das Ausloten der Geschehnisse, falls uns tatsächlich eine solche Katastrophe ereignen würde. Das Buch macht mich auf jeden Fall neugierig. Welche Art von Katastrophe den Untergang der Stadt verschuldet hat, bleibt laut Klappentext unwichtig, im Mittelpunkt steht das Leben danach.

Doron Rabinovici: Die Außerirdischen


Dafür wird bei diesem Buch, die Art des “Weltuntergangs” konkreter. Außerirdische haben laut den Medien, auf der Erde die Macht übernommen. Sie bringen jedoch Frieden und Aufschwung, keinen Untergang. Es könnte also ziemlich gut laufen, wäre da nur nicht, dass sie freiwillige Menschenopfer erwarten, oder sind das etwa nur Gerüchte? Denn die Außerirdischen meiden den Kontakt- gibt es sie überhaupt? Potentielle Freiwillige für die Opferung, sind jedoch schnell gefunden. Richtig gut ist der folgende Satz aus der Beschreibung:

 “Doron Rabinovici, […] erzählt […] von einer Gesellschaft, die keine Außerirdischen braucht, um sich selbst unheimlich zu werden.“ (Suhrkamp)

Vom Potential einer Massenhysterie durch die Medien, bin ich überzeugt. Darum scheint mir das ein Buch zu sein, welches wohl durch seine Satire besticht, aber am Ende wohl leider näher an der Wahrheit liegt, als es vielleicht beabsichtigt.

Franz Schuh: Fortuna. Aus dem Magazin des Glücks


Franz Schuh schreibt über das Glück- mal als Gedichte, mal als Fragmente, Erinnerungen oder kurze Geschichten. Mir gefällt die Vielfalt an Texten in diesem Buch. Im Thema Glück steckt natürlich einiges drin und ich bin gespannt aus welchen Blickwinkeln der Autor das Glück betrachtet. Ich finde ja, dass wir uns viel öfter glücklich schätzen sollten.

Shortlist für den Debütpreis:

Mascha Dabić: Reibungsverluste


Als ich das Buch gelesen habe, habe ich gleich gewusst, dass es auf der Debütpreis-Shotlist landen würde. Es passt einfach so perfekt. Hier findet ihr bereits meine Rezension. Es geht um das Spannungsverhältnis zwischen Sprache und Realität, vor dem Hintergrund des Dolmetschens im Flüchtlingsbereich. Die Autorin ist selbst Dolmetscherin und hat sich in diesem Buch mit ihrer Arbeit und den Grenzen von Sprache und dem Übersetzen beschäftigt.

Irene Diwiak: Liebwies


Irene Diwiak schreibt eine Geschichte über Ruhm und Glanz, in den goldenen 20ern. Da ich sehr viele Bücher von weiblichen Autorinnen der Zwischenkriegszeit gelesen habe, sind meine Erwartungen wahrscheinlich ziemlich hoch. Ich bin gespannt ob der Autorin die Auseinandersetzung mit dieser Epoche gelingt. Ansonsten empfehle ich auch ruhig einen Blick auf die damaligen Autorinnen, die leider kaum bekannt und in Vergessenheit geraten sind. (zb. Mela Hartwig, Marta Karlweis, Maria Lazar etc. Ganz viele Bücher von Autorinnen zu dieser Zeit sind auch im Aviva Verlag zu finden)

Nava Ebrahimi: Sechzehn Wörter


Als ihre Großmutter stirbt, fliegt die 34-jährige Mona zusammen mit ihrer Mutter in den Iran. Es beginnt die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität und Herkunft. Wahrscheinlich gibt es auch eine Verknüpfung von den drei Generationen und deren unterschiedlichen Hintergründen und Herangehensweisen an ihre Identität, das würde sich auf jeden Fall für dieses Szenario anbieten.

Mein kleines persönliches Fazit:

3 von 3 Frauen auf der Debütpreis-Shortlist und 5 Frauen von insgesamt 10 Nominierungen auf der Longlist – da beim deutschen Buchpreis jedes Jahr über die geringe Frauenquote diskutiert wird, kann man nur sagen, dass der österreichische Buchpreis dieses Jahr die Quote mehr als erfüllt hat. Sie sind sogar in der Überzahl vertreten, was ich auf jeden Fall begrüße.

Als heiße Kandidaten für den Sieg, würde ich auf dem ersten Blick jedoch Robert Menasse und Paulus Hochgatterer sehen, weil sie bereits in der Vergangenheit gezeigt haben, zu welch anspruchsvoller Auseinandersetzung sie in ihrer Literatur fähig sind und die noch dazu eine hohe stilisierte Sprache verwenden.

Ansonsten gefällt mir die Longlist ausgesprochen gut. Der österreichische Buchpreis ist auf jeden Fall für mich spannender als dessen deutsches Pendant. Ich kann mich kaum entscheiden, welche der Bücher ich lesen möchte. Mich spricht auf jeden Fall die Mehrheit an, aber alle zu lesen, werde ich definitiv nicht schaffen. Zur Entscheidungshilfe werde ich mir auf jeden Fall in den nächsten Tagen noch die Leseproben holen.

Habt ihr schon ein Buch von der Liste gelesen? Ist der österreichische Buchpreis überhaupt interessant für euch?

 

*Bilder zu den Büchern enthalten Affiliate-Links

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[Rezension] Traurige Freiheit -Friederike Gösweiner https://wortlichter.com/rezension-traurige-freiheit-friederike-goesweiner https://wortlichter.com/rezension-traurige-freiheit-friederike-goesweiner#comments Fri, 11 Nov 2016 20:51:21 +0000 https://wortlichter.com/?p=218   Ich freue mich, dass ich euch heute das Buch vorstellen kann, welches den österreichischen Debüt-Preis 2016 gewonnen hat. Ich habe mich sehr gefreut, dass das einzige nominierte Buch, was ich von der Debüt-Shortlist gelesen habe, tatsächlich gewonnen hat. Da freut man sich doch gleich doppelt. Generation Praktikum und Leistungsgesellschaft Die Heldin Hannah ist eine …

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Ich freue mich, dass ich euch heute das Buch vorstellen kann, welches den österreichischen Debüt-Preis 2016 gewonnen hat. Ich habe mich sehr gefreut, dass das einzige nominierte Buch, was ich von der Debüt-Shortlist gelesen habe, tatsächlich gewonnen hat. Da freut man sich doch gleich doppelt.

Generation Praktikum und Leistungsgesellschaft

Die Heldin Hannah ist eine typische Vertreterin der heutigen Generation um die 30. Da ich mich Selbst, auch dazu rechne, habe ich gehofft mich mit der Protagonistin identifizieren zu können. Schon am Anfang war klar, dass aus uns keine Freundinnen werden. Die extreme Negativität und Lethargie haben mich fast in den Wahnsinn getrieben. Am liebsten hätte ich die Hauptfigur gepackt und mal richtig durchgeschüttelt. “Wach auf, und werde dir einmal bewusst!”, hätte ich ihr am liebsten gesagt.

Ich lese natürlich auch gerne Geschichten, von Figuren, die ganz anders sind, als ich. Das macht ja auch den Reiz von Geschichten aus, in andere Leben einzutauchen. In diesem Buch tauchen wir also in das Leben von Hannah ein, die von Österreich nach Berlin zieht um ihre Karrierepläne für den Journalismus zu verfolgen, denn sie hat dort einen Volontäriatsplatz bekommen. Doch statt Erfolg zu haben, läuft es immer schlechter und auch ihre Beziehung hat sie mehr oder weniger für ihre Pläne und Vorstellungen vom Leben in Berlin, auf Eis gelegt. Doch konkret wird bei ihr nichts. Sie schafft es nicht, sich auf etwas festzulegen. Weder ihre Beziehungen, noch ihre Karriere verfolgt sie wirklich konsequent. Stattdessen scheint Hannah von den vielen Möglichkeiten des Lebens überfordert zu sein und sich einsam zu fühlen, obwohl sie sich Selbst für diesen Weg entschieden hat.

“Und sonst wartete nichts auf sie und es rief auch niemand an, um zu fragen wo sie blieb.” (Traurige Freiheit, Friederike Gösweiner, S. 28 Ebook)

Scheitern an den vielen Möglichkeiten

Ständig wird sie dabei von Versagensängsten geplagt und ihre Gedanken drehen sich um das Scheitern, oder das was die Protagonistin dafür hält. Denn für wirkliche Probleme, geht es ihr viel zu gut. Was Hannah fehlt ist Lebenserfahrung, Dankbarkeit und eine Portion Siegeswille. Das Thema Fallen kommt immer wieder vor. Die Figur hat Angst vor dem Fallen, vor dem Versagen und der Leere, in die sie stürzt. Von harter Arbeit, ist sie allerdings auch weit entfernt. Selbst beim Vorstellungsgespräch, gibt sie sich zwar Mühe, aber sie versucht zwanghaft, dem Durchschnitt zu entsprechen und traut sich keinerlei Widerspruch oder Einzigartigkeit zu. Das die Ergebnisse ihrer Bemühungen, ebenfalls nur so dahin plätschern und keinen wirklichen Erfolg zeigen, wundert kaum.

“Alles war möglich, immer wieder hatte sie das gehört. Aber nie hatte sie daran gedacht, dass das auch das Scheitern implizierte. Niemand dachte daran, dass auch das Scheitern eine Möglichkeit war. Wenn alles möglich war, war eben auch das Verlieren möglich. Wie konnten das alle nur vergessen? Wie konnte man denken, dass es immer nur die anderen treffen würde?” (Traurige Freiheit, Friederike Gösweiner, S. 49-50 Ebook)

Hannah will alles auf einmal und hat doch nicht den Mut und die Energie dafür, etwas aus ihren Chancen zu machen. Stattdessen steigert sie sich in den Gedanken hinein, dass sie zu den Verlierern der Gesellschaft gehört. Und spätestens an diesem Punkt musste ich seufzen: Mädchen. Man ist doch keine Verliererin, nur weil man keine Karriere macht. Das Leben bietet doch soviel mehr. Ein Job, eine Wohnung, genug zu Essen, das ist mehr als 80 % der Menschen auf dieser Welt besitzen. Aber wahrscheinlich bringe ich hier auch als Sozialarbeiterin eine ganz andere Perspektive auf das Leben mit.

Ein Buch für eine ganze Generation

Das Tolle an dem Buch ist, dass ich in jeder Szene, meine Generation wiedererkenne und viele Sätze mich im Inneren berühren und auch ein bisschen provozieren, weil ich es manchmal anders sehe. Ich denke, dass man sich gut über das Buch austauschen kann, unter Freundinnnen, besonders für diejenigen, die meiner Generation angehören. Mir gefällt auch, dass sich dieses Buch anders anfühlt, als die Anderen. Es wird hier nicht zwanghaft versucht etwas zu verschönern, sondern gezeigt wie sich hausgemachter Leistungsdruck anfühlt: ehrlich, erdrückend und trist.

Die Sprache des Buches ist solide und einfach gehalten. Ich habe das Buch in der Straßenbahn gelesen, auf dem Weg in die Arbeit, wo man schnell abgelenkt ist und darum eine leichte Lektüre braucht. Es gibt keine überflüssigen Schnörkeleien und es ist eine Sprache, die jeden anspricht. Sie ist verständlich und erinnert mich an den Journalismus: klar und direkt. Besonders schön daran: Die Protagonistin ist auch Journalistin, hier passt also Sprache und Inhalt wirklich gut zusammen.

Für den österreichischen Debüt-Preis, hätte ich trotzdem ein höheres sprachliches Niveau erwartet. Denn meiner Meinung nach, gibt eine besondere Sprache, dem Buch einen einzigartigen Charakter und erweitert es, um die sprachlich poetische Ebene. Hier steht das Buch im Kontrast zur Gewinnerin des regulären österreichischen Buchpreises 2016: Friederike Mayröcker, die besonders durch ihre außergewöhnliche Poesie besticht. Diese poetische Ebene hat mir hier etwas gefehlt, wobei ich nicht sicher bin, in wie weit man diesen Anspruch bei den anderen beiden nominierten Werken findet. In allem ist “Traurige Freiheit” auf jeden Fall ein sehr stimmiges Gesamtwerk, was ganz jung, aktuell und frisch für eine ganze Generation, mit ihrem Lebensgefühl in der heutigen Leistungsgesellschaft spricht.

Zusammenfassung

Traurige Freiheit*

Titel: Traurige Freiheit

Autorin:Friederike Gösweiner

Erschienen: 2016

Besprochene Ausgabe: Ebook (auch erhältlich als gebundene Ausgabe: ISBN: 978-3854209768, Droschel Verlag)

Seitenzahl: 144

Fazit: Bewegende Geschichte über unsere Generation und das Scheitern in der Leistungsgesellschaft

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[Rezension] Die Auswandernden von Peter Waterhouse und Nanne Meyer https://wortlichter.com/rezension-die-auswandernden-von-peter-waterhouse https://wortlichter.com/rezension-die-auswandernden-von-peter-waterhouse#comments Wed, 19 Oct 2016 17:53:24 +0000 https://wortlichter.com/?p=216   Heute möchte ich euch ein Buch präsentieren, welches es auf die Shortlist des österreichischen Buchpreises geschafft hat. Peter Waterhouse und Nanne Mayer, erschaffen mit dem Buch “Die Auswandernden”, ein Werk an der Schnittstelle von Literatur und Kunst, mit äußerst aktuellen Bezug . Es gibt einen sehr guten Grund, warum ich Publikationen über Flucht, Migration …

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Die Auswandernden*

Heute möchte ich euch ein Buch präsentieren, welches es auf die Shortlist des österreichischen Buchpreises geschafft hat. Peter Waterhouse und Nanne Mayer, erschaffen mit dem Buch “Die Auswandernden”, ein Werk an der Schnittstelle von Literatur und Kunst, mit äußerst aktuellen Bezug .

Es gibt einen sehr guten Grund, warum ich Publikationen über Flucht, Migration und dergleichen, eher kritisch gegenüberstehe. Denn ich bin selbst seit vielen Jahren in diesem Berufsfeld tätig, so dass ich einen hohen Anspruch an solche Literatur habe. In diesem Buch geht es aber nicht klassisch um eine Fluchtgeschichte, oder um eine politische Auseinandersetzung, hier geht es in erster Linie um die Perspektive auf Sprache. Es ist ein Projekt der anderen Art, welches durch Kunst und Poesie einen ganz neuen Zugang zu diesem Thema mitbringt.

Die Auswandernden – ein Buch über Sprache, Flucht, Weggehen und Ankommen

Peter Waterhouse wurde 2012 mit dem österreichischen Staatspreis ausgezeichnet und hat mehrere Jahre an dem aktuellen Buch gearbeitet. Die Arbeit begann er schon vor der großen Flüchtlingskrise, als dieses Thema noch nicht so populär war. Seine Herangehensweise an das Thema, ist erfrischend anders, als man das erwartet. Eine große Rolle spielt in seinem Werk die Sprache, als Schlüssel zu Kultur und Identität. Es geht um die junge Frau Media, die aus einem kaukasischen Dorf, nach Österreich flüchtet. Die sprachlich sehr begabte Frau begleitet den Ich-Erzähler durch Wien und sie lernen, reflektieren und spielen mit der deutschen Sprache. Dadurch versuchen sie die Wörter und die neue Lebenssituation zu verstehen und sich ihr anzunähern. Dabei bewegt sich der Text zwischen sprachlichen Harmonien, gedanklichen Verknüpfungen und Absurditäten. Die Gedanken des Erzählers schweben, springen, wiederholen sich und transformieren sich durch den Einfluss von Media, zu etwas Neuem. Aber nicht nur Media hat Einfluss auf die Gedankenwelt, auch viele Zitate von Autoren (Hebbel, Stifter, Dickens und Andere) finden ihren Platz.

“Sie schlug das grüne Wörterbuch immer erst dann auf, wenn sie ein Wort verstanden hatte. Was suchte und fand sie in dem Wörterbuch? Nicht die Bedeutung eines Wortes, sondern … Gedichte?” (Die Auswandernden, Peter Waterhouse S. 29)

Der Schreibstil ist dementsprechend poetisch, analytisch und fast schon künstlerisch. Man muss sich auf diesen Text einlassen und der Sprache den Raum lassen, sich zu entfalten. Dann wird man schnell den Nachklang entdecken, den der Autor auslöst. Besonders interessant ist dabei zu beobachten, welche Wechselwirkung zwischen dem Erzähler und Media entsteht. Diese hat scheinbar eine ganz andere Herangehensweise an sprachliche Bedeutung, welche wahrscheinlich aus dem Umgang und der Kultur ihrer eigenen Sprache herrührt.

“Eine Erzählung kann die Wahrheit nicht finden, sie braucht sie nicht zu finden. Das kurze Gedicht findet sie. Es findet sie, wenn nichts passiert. Wo nichts passiert, kann ich achtgeben. Wenn ich achtgebe, betrachte ich sie. In einem kurzen Gedicht kann ich auf alles achtgeben. Das kurze Gedicht macht mir das Leben leicht. Wenn ich eine Sprache lerne, ist die Sprache ein kurzes Gedicht.” (Die Auswandernden, Peter Waterhouse S. 94)

Ich kann mir gut vorstellen, dass dieser Roman besonders für Sprachwissenschaftler und Germanisten interessant ist. Aber auch allen Anderen, kann er neue Sichtweisen auf Sprache und Flucht eröffnen.

Die künstlerische Ebene des Buches

Die künstlerischen Arbeiten von Nanne Meyer, geben dem Buch etwas Spezielles und verleihen ihm nochmal eine tiefere Ebene: eine Ebene der Betrachtung und Impression. Nicht gleich wird einem klar, wie diese Zeichnungen und Collagen im Zusammenhang stehen. Man kann sie jedoch einfach auf sich wirken lassen und dann entfalten sie viele Fragen und Eindrücke, welche zu dem Buch passen und eröffnen wieder neue Sichtweisen. Ich finde die Kombination zwischen Kunst und Prosa in diesem Fall sehr gelungen, wobei ich solchen Experimenten oft abgeneigt bin. Hier entsteht jedoch eine überaus interessante Kombination.

Die Kunstwerke sind abstrakt und meist von wenigen Wörtern oder Wortgruppen aus dem Buch begleitet. Mein liebstes Werk von Nanne Meyer, ist die Berglandschaft, welche mit den Wörtern: “Und die letzten Sätze” “Sprach niemand.” verbunden ist. Sofort musste ich daran denken, wie mir Flüchtlinge von ihrer Last (so riesig und unüberwindbar wie ein Gebirge) erzählten und ihr Gespräch dabei im Raum stand und keinen geeigneten Abschluss fand. Es gab kein Wort, was ich erwidern konnte, was diesem erlebten Schrecken, der allein vom Hören lähmte, trösten oder helfen konnte. Es gab auch kein Wort, was die letzten schlimmen Erlebnisse beschreiben konnte- so stutzten wir beide und wussten nicht mehr, was wir sagen sollten. Am Ende standen nur noch einzelne Wörter, die mit Mühe über die Lippen kamen. Es gab kein Wort, was man darauf angemessen entgegnen konnte. Kein: es wird schon alles gut, es ist vorbei oder Ähnliches. Denn es wird niemals vorbei sein und es wird niemals wirklich alles gut werden, so lange man diese Last des Erlebten mit sich trägt.

Das Buch hat definitiv die Chance auf den österreichischen Buchpreis, weil es etwas ganz Neues wagt und die Grenzen zwischen Kunst, Literatur, Sprache und Gesellschaft verschwimmen lässt. Es regt den Leser an, sich Gedanken zu machen und provoziert gerade zu mit seiner Poetik und Sprachfertigkeit zur Reflexion.

Zusammenfassung

Titel: Die Auswandernden

Autorin: Peter Waterhouse und Nanne Meyer

Erstmalig erschienen: Okt. 2016

Besprochene Ausgabe: starfruits publications, Fürth 2016, ISBN: 978-3-922895-28-2

Seitenzahl: 256

Fazit: Sprache, Kunst und Flucht verwoben zu neuen Synthesen und Denkanstößen

 

Passt auch hervorragend zur Aktion #einwortgibt

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[Kommentar] Longlist des österreichischen Buchpreises https://wortlichter.com/kommentar-longlist-des-oesterreichischen-buchpreises https://wortlichter.com/kommentar-longlist-des-oesterreichischen-buchpreises#comments Tue, 06 Sep 2016 21:34:20 +0000 https://wortlichter.com/?p=148 Eigentlich wollte ich mich schon zum deutschen Buchpreis äußern, da mir die Longlist dieses Jahr aber gar nicht zugesagt hat, habe ich das lieber gelassen. Aber da gibt es ja noch den österreichischen Buchpreis. Da ich in Österreich lebe, ist das natürlich auch nahe liegend. Tatsächlich hat mich die Longlist zum österreichischen Buchpreis nicht enttäuscht. …

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Eigentlich wollte ich mich schon zum deutschen Buchpreis äußern, da mir die Longlist dieses Jahr aber gar nicht zugesagt hat, habe ich das lieber gelassen. Aber da gibt es ja noch den österreichischen Buchpreis. Da ich in Österreich lebe, ist das natürlich auch nahe liegend.
Tatsächlich hat mich die Longlist zum österreichischen Buchpreis nicht enttäuscht. Einige Bücher, auf die ich schon auf der deutschen Liste gehofft hatte, sind nun hier zu finden.

Der österreichische Buchpreis wird übrigens dieses Jahr, das erste Mal vergeben. Dotiert ist er insgesamt mit stolzen 45.000 Euro. Das Preisgeld teilt sich auf auf die Finalisten und den Gewinner des “Debütpreises” auf. Er kann also zumindest vom Preisgeld her, mit dem deutschen Buchpreis mithalten und ich hoffe dass er auch die mediale Aufmerksamkeit bekommt, die ihm gebührt. Ich fange also gleich einmal damit an und werde berichten. Verkündet wird der Sieger, am Vortag der Wiener Buchmesser “Buch Wien”, am 08.November. Die Shortlist erfahren wir bereits am 11.Oktober.

Als Erstes möchte ich euch die Longlist vorstellen und meine ersten Eindrücke zu den Titeln verraten:

Longlist zum österreichischen Buchpreis:

Ann Cotten: Verbannt!*
Nicht nur Romane sind für den Buchpreis nominiert: mit Ann Cotton geht auch ein “Versepos” ins Rennen. Ich habe mich gefreut Ann Cotton auf der Liste zu sehen, las ich doch zuletzt von ihr in der aktuellen Ausgabe der Literaturzeitschrift Edit. Deshalb war mir ihr Name gleich ein Begriff. Was stellt man sich nun unter einem Versepos vor? Per Definition bedeutet es, dass eine längere Geschichte in Vers-Form erzählt wird. Anne Cotton hat natürlich ihren eigenen Stil und dieser ist markant, herausfordernd und speziell. Sie versteht es ganz meisterlich mit Sprache umzugehen und sie so zu verwenden, dass wir uns fragen, wie sie es überhaupt schafft, ganz artfremde Wörter miteinander zu kombinieren und in Szene zu setzen.
Ich kann die Nominierung gut nachvollziehen und denke, dass viele ihre Art zu Schreiben lieben werden und manche sicher auch nicht. Zumindest hat sie großen Wiedererkennungswert und ich bin sehr neugierig auf ihr Werk.

Daniela Emminger: Gemischter Satz: Novelle*
 Als Nächstes geht eine Novelle an den Start. Gemischter Satz hat nur 100 Seiten und handelt von einer Wienerin, die sich verliebt, nach Berlin zieht, wiederkommt und sich wieder neu verliebt, in Mann Nummer 7. Gemischter Satz, ist eine Geschichte eines Liebesunfalls, so steht es in der Beschreibung. Irgendwie hat mich das Szenerio neugierig gemacht und ich habe einen Blick in die Leseprobe geworfen, nur ganz Kurz, denn die Spannung will ich mir erhalten. Gleich im zweiten Abschnitt der Novelle fällt mir der Satz auf: “Sie merken schon, ein normales Buch wird das nicht”. Und ich muss Schmunzeln. Gut dass uns die Autorin vorwarnt.

Sabine Gruber: Daldossi oder Das Leben des Augenblicks*

 Mit Daldossi kommen wir nun zu einem echten Roman. Bruno Daldossi ist Kriegsfotograf, aber in die Jahre gekommen und reflektiert nun sein Leben, weil seine Lebensgefährtin ihn verlässt. In diesem Buch geht es um Krieg, Liebe und Journalismus. Vielleicht ist es doch eher ein Essay (liest man in der Beschreibung), vielleicht auch etwas dazwischen, denn der Anfang kommt mir eher vor, wie ein Roman. Ich finde das Thema Journalismus und Kriegsberichterstattung extrem spannend und frage mich, wie Herr Daldossi sein Leben und seine Arbeit rückblickend wahrnimmt und bewertet und natürlich welche Erlebnisse er gehabt hat. Das ist ein echt komplexes und schwieriges Thema und ich bin sehr gespannt, wie es literarisch umgesetzt wurde.  Mit dem Hintergrund, dass Sabine Gruber Politikwissenschaftlerin und Germanistin ist, kann man sicher viel erwarten.

Peter Henisch: Suchbild mit Katze.*
 Suchbild mit Katze, ist die Autobiographie von Peter Henisch. Wir begleiten ihn durch seine Kindheit in der Nachkriegszeit in Wien. Er ist ein Katzenliebhaber und Träumer, bis heute.  Da er schon seit 1971 literarisch tätig ist, mangelt es ihm nicht an Erfahrung. Der Titel ist ausgesprochen interessant für eine Autobiographie und mutet ganz sanft an, so wie seine Liebe zu den Katzen. Mir ist noch nicht ganz klar, ob es alleine um seine Kindheit geht, oder ob der Roman dort anfängt und dann eine längere Zeitspanne betrachtet. Das würde ich gerne noch herausfinden. Interessant ist sicher auch der kindliche Blick, auf die Nachkriegszeit und die Prägungen die daraus entstehen.

Reinhard Kaiser-Mühlecker: Fremde Seele, dunkler Wald*
 Dies ist der einzige Roman, der sowohl für den deutschen Buchpreis, als auch für den östereichischen Buchpreis nominiert wurde. Demzufolge hat Reinhard Kaiser-Mühlecker gleich zwei Chancen zu gewinnen. Umso mehr ich über diesen Roman lese, umso neugieriger werde ich. Es muss ja etwas dran sein, wenn er gleich auf beiden Listen erscheint, oder nicht? Es geht um zwei Brüder in Oberösterreich, die Rückkehr aus dem Afghanistan-Krieg, Suizid und allerlei Familiengeheimnisse und Tragödien. Ehrlich gesagt sind Familiengeschichten eher nicht so mein Ding, und dieses Buch erscheint mir total überladen mit allerlei schrecklichen Dingen, aber vielleicht sollte man dem Buch einfach eine Chance geben, für sich Selbst zu sprechen. Ganz zauberhaft finde ich übrigens das Cover, auch wenn das nichts über die literarische Qualität aussagt.

 

Michael Köhlmeier: Das Mädchen mit dem Fingerhut*
 Das Mädchen mit dem Fingerhut, ist ein Mädchen ohne Herkunft. Sie lebt obdachlos in einer Großstadt und niemand weiß wo sie herkommt, sie spricht nicht einmal die selbe Sprache. Sie findet andere Kinder, die so sind wie sie, kommt in ein Heim, läuft wieder weg, lebt am Rand der Gesellschaft, ganz allein und niemand weiß sich zu helfen, mit ihr. Nicht einmal einen richtigen Namen hat sie. Gibt es überhaupt einen Platz für sie in dieser Stadt? Wo kommt sie her und wo gehört sie hin?

Friederike Mayröcker: fleurs*
 Dieses Buch ist ein Gedichtband, oder so Ähnlich. Es enthält Gedichte, die gar nicht aussehen wie Gedichte, sondern eher wie Fragmente. Texte, die vor Poesie strotzen, ganz dicht und voller Intensität, die sich mir jedoch nicht ganz erschließen, auf dem ersten Blick. So ganz verstehe ich nicht die Aneinanderreihung von Sinneseindrücken, springenden Gedanken, französischen Ausdrücken, losen Wörtern und Klammer-Bemerkungen. Was will uns die Autorin damit sagen? Das Buch ist nicht ganz mein Ding, auch wenn ich experimentelle Texte mag. Hier finde ich leider weder einen vollständigen Gedanken, noch ein Thema im Text. Vielleicht muss man sich Zeit nehmen, sich darauf einzulassen.

Anna Mitgutsch: Die Annäherung*

 Für Theo beginnt der letzte Lebensabschnitt und er ist ein Pflegefall geworden. Er findet sich im Krankenhaus wieder und wird sich seines nahenden Todes bewusst. Er reflektiert sein vergangenes Leben und seine Beziehungen und verliebt sich noch ein letztes Mal neu, in seine Pflegerin, was seine Tochter nicht begreifen kann. Es geht um Generationenkonflikte, Kriegsgeheimnisse und eine Spurensuche in der Ukraine. Der Plot bildet ein schönes Konzept mit Themen, die sich gut ergänzen und ineinander übergehen.

Kathrin Röggla: Nachtsendung: Unheimliche Geschichten*
  Kathrin Röggla erzählt unheimliche Geschichten aus unserer Gesellschaft. Denn was gibt es Unheimlicheres, als das echte Leben, mit seinen dunklen Ecken. Es geht um Soziales, Privates und um Politik. Abgründe der Gesellschaft tun sich auf und wir sehen zu. Ich kann mir noch keine Vorstellung darüber machen wie das Ganze umgesetzt ist. Wurde es nun als Roman bearbeitet, stellt es eine Provokation dar, oder geht es einfach nur um relativ alltägliche Geschichten und Beobachtungen? Mit Spannung erwarte ich die Umsetzung, die literarisch sicherlich ganz unterschiedlich bearbeitet werden kann. Das Thema verspricht zumindest viel Potential und ich hoffe, dass es die Autorin auch nutzt.

Peter Waterhouse: Die Auswandernden

Für dieses Buch habe ich leider nicht viele Informationen gefunden. Der Roman handelt von Flucht und dem Neuanfang in Österreich, kann man der Seite des deutschen Buchpreises entnehmen und wurde von der Künstlerin Nanne Meyer illustriert. Eine Leseprobe oder eine nähere Beschreibung habe ich leider vergebens gesucht. Auch auf der Verlagshomepage konnte ich keine genaueren Angaben finden. “In Vorbereitung” steht dort. Schade, ein bisschen mehr Informationen hatte ich mir schon erhofft, auch wenn das Buch erst am 12.09 erscheint. Das sind immerhin nur wenige Tage.

Des Weiteren gibt es noch die Shortlist für den Debütpreis. Dieser ist Autoren vorbehalten, die in diesem Jahr ihr Debüt gehabt haben. Folgende 3 Titel sind nominiert:

Shortlist für den Debütpreis:

Sacha Batthyany: Und was hat das mit mir zu tun?*
 Ein Essay über eine Familiengeschichte und die Auswirkungen des zweiten Weltkrieges. Sacha Batthyany regt zum Nachdenken an und zeigt die Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart auf.
Die Stärke des Buches liegt darin, diese beiden Ebenen zu verbinden und anhand der eignen Familiengeschichte noch anschaulicher zu machen. Begleitet wird das Buch von seiner Reflexion und der Suche nach den tatsächlichen Begebenheiten. Wir folgen dem Autor auf seine ganz persönliche Auseinandersetzung mit den vergangenen Ereignissen in seiner Familie.

Friederike Gösweiner: Traurige Freiheit*
 Friederike Gösweiner erzählt von der Generation der ca. 30-Jährigen. Die Protagonistin zieht nach Berlin um eine Karriere als Journalistin zu beginnen. Die Freiheit ist groß und grenzenlos, doch nichts will so richtig klappen in ihrem Leben. Die erwartete Sicherheit und Karriere stellt sich nicht ein.

Das Buch interessiert mich, weil ich auch langsam auf die 30 zugehe. Ich würde gerne erfahren, was die Hauptfigur antreibt, denn so ganz erschließt sich mir die Traurigkeit des Buches noch nicht. Vielleicht gehe ich auch zu sehr von mir Selbst aus, denn ich denke, dass vielleicht die Erwartungen sofort nach dem Wechsel in ein neues Land, Karriere, Sicherheit und Liebe zu finden, etwas hoch angesetzt sind. Und auch das Ausbleiben dieser Dinge, sehe ich nicht als riesiges Problem an, oder wie der Klappentext verrät: “Ein Leben jenseits aller Sicherheiten”. Jenseits aller Sicherheit, dass ist für mich irgendwo fern ab, ohne Unterkunft, ohne Existenzminimum, mit dem man sich etwas zu Essen kaufen kann. Aber es hat wohl jeder seine Vorstellungen von sicheren Verhältnissen.  Ich würde gerne wissen wie es weitergeht und ob das Buch seinem Thema gerecht wird.

Katharina Winkler: Blauschmuck*
  Über dieses Buch habe ich mich besonders gefreut und es bildet einen schönen Abschluss für meine Betrachtungen. Eigentlich habe ich bereits gehofft dieses Buch auf der Liste für den deutschen Buchpreis zu sehen. Das sollte allerdings nicht sein. Nun hat es die Chance, doch noch zum Zuge zu kommen. In Blauschmuck erzählt Katharina Winkler von der Gewalt der Männer in einem kurdischen Dorf und dem “blauen Schmuck” ihrer Frauen, die in diesem gewalttätig geprägten Umfeld leben. Das besondere dabei ist, dass die Autorin in dieser Geschichte Tondbandaufnahmen von einer kurdischen Frau verarbeitet, welche nun in Österreich lebt. Das Buch beruht also auf wahren Ereignissen, trotzdem versucht die Autorin objektiv zu schreiben, so fern dies möglich ist. Sie erhebt nicht den Zeigefinger, sondern bildet die Gesellschaft und ihre Geschichten ab.

 

 

Ich finde die Auswahl der Bücher wirklich gelungen und werde wohl einige davon auf meine Leseliste setzen. Ich bin sehr gespannt, ob die Bücher halten, was sie versprechen und den Erwartungen gerecht werden können, oder ob noch ein paar Überraschungen dabei sind.

Wie findet ihr die Liste zum österreichischen Buchpreis ?

 

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