österreichische Literatur – Wortlichter https://wortlichter.com Literatur. Lesen. Schreiben. Tue, 25 Sep 2018 09:26:44 +0000 de-DE hourly 1 https://wordpress.org/?v=4.9.8 /i2.wp.com/wortlichter.com/wp-content/uploads/2017/08/cropped-20750705_1387240721365761_1860346035_n.jpg?fit=32%2C32&ssl=1 österreichische Literatur – Wortlichter https://wortlichter.com 32 32 114456990 [Rezension] Autolyse Wien- Karin Peschka https://wortlichter.com/rezension-autolyse-wien-karin-peschka https://wortlichter.com/rezension-autolyse-wien-karin-peschka#respond Sun, 19 Nov 2017 19:17:35 +0000 https://wortlichter.com/?p=682 Was bleibt wenn die Welt, die wir kennen untergeht oder sich aus den Angeln hebt? Autolyse Wien geht der Frage nach, wie es wohl wäre, wenn eine riesige Katastrophe eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Dabei ist es für das Buch vollkommen nebensächlich, was genau diesen Untergang verursacht hat. Viel mehr geht es …

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Was bleibt wenn die Welt, die wir kennen untergeht oder sich aus den Angeln hebt? Autolyse Wien geht der Frage nach, wie es wohl wäre, wenn eine riesige Katastrophe eine ganze Stadt in Schutt und Asche legt. Dabei ist es für das Buch vollkommen nebensächlich, was genau diesen Untergang verursacht hat. Viel mehr geht es darum, was die einzelnen Überleben nun tun und wie sie sich mit diesen Ereignissen arrangieren.

In vielen kurzen Fragmenten, die oft nur einige Seiten lang sind, werden die verschiedensten Menschen vorgestellt und man lernt, wie sie mit der Katastrophe umgehen.

Autolyse- Selbstauflösung

Das Wort Autolyse scheint erst einmal ungewöhnlich für einen Roman-Titel. Bei näherer Betrachtung, merkt man jedoch, dass das Wort sehr passend und keinesfalls zufällig gewählt ist. Die Autolyse bezeichnet nämlich einen Verwesungsprozess und die eigene Auflösung von abgestorbenen Zellen. Metaphorisch gesehen, steht das für den Prozess, welcher nach der Zerstörung der Stadt eintritt. Ich muss jedoch zugeben, dass Autolyse Wien leider kein Buchtitel ist, der mich im Buchladen ansprechen würde. Aufmerksam geworden bin ich auf das Buch durch den österreichischen Buchpreis, wo das Buch auf der Longlist stand.

Außerdem hat Karin Peschka beim Bachmann-Wettbewerb den Publikumspreis gewonnen.

Wien von seiner hässlichsten Seite

Als Wienerin bin ich natürlich beim Lesen sehr aufmerksam.. Ich versuche die beschriebene Orte wiederzuerkennen und muss schmunzeln, wenn aus dem Graben, einer der luxuriösesten Flaniermeilen in Wien, tatsächlich ein echter Graben wird.

Das Karin Peschka ausgerechnet Wien für ihr Szenario gewählt hat, ist denke ich zumindest, kein Zufall. Man sagt der Stadt schon immer einen etwas morbiden Charakter nach. Der Zentralfriedhof als Ausflugsort (welcher übrigens neuerdings das Motto hat “hier liegen sie richtig” – man kann den Wiener Humor und Umgang mit dem Tod gut erkennen.), Bestattungsmuseum, Kapuzinergruft etc. In Wien hat man viele Möglichkeiten sich an dem Tod zu erfreuen. Umso mehr wundert es mich, dass scheinbar sonst noch niemand von dieser Idee Gebrauch gemacht hat und Wien in ein apokalyptisches Schlachtfeld verwandelt hat.

Außerdem bildet Wien, wie kaum eine andere Stadt, einen solchen Kontrast zwischen Schönheit, ewigen Leben und Zerstörung. Allein von der Architektur her, fühlt man sich in der Stadt, als ob die Zeit stehen geblieben ist, irgendwo in der Habsburgermonarchie und dann plötzlich einen Sprung in die Moderne gemacht hat. Ein bisschen Dekadenz, ein bisschen träumerische Historie, ein bisschen Moderne und der typische Wiener Charakter. All das wird im Buch in sein Gegenteil verwandelt. Aus Überfluss wird Mangel, aus Schönheit wird Zerstörung und aus Träumerei bittere Realität.

Die Katastrophen sind weit weg

Trotzdem bleibt es ein Buch, an dem ich sehr lange gelesen habe, da es kein Roman ist und ein Spannungsaufbau mit den ganzen Fragmenten ausbleibt. Es ist ein Buch, in welchem ich meist nur ein paar Abschnitte lese und dann wieder zur Seite legt, ohne den Anschluss zu verpassen. Es ist ein düsteres Szenario, welches zur Abwechslung mal in unserer eigenen europäischen Stadt spielt. Anstatt die Zerstörung und das Leid in den Nachrichten abgestumpft zu verfolgen, regt es hier zum Nachdenken an, da es in unsere eigene Wirklichkeit versetzt wird. Solche Katastrophen- betreffen uns Europäer meist nicht, doch was wäre wenn?

Zusammenfassung

Titel: Autolyse Wien

Autorin: Karin Peschka

Herausgeber: Verlag Otto Müller

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover, ISBN 978-3701312535

Seitenzahl: 180

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[Rezension] Reibungsverluste- Mascha Dabić https://wortlichter.com/rezension-reibungsverluste-mascha-dabic https://wortlichter.com/rezension-reibungsverluste-mascha-dabic#comments Sat, 29 Jul 2017 18:33:11 +0000 https://wortlichter.com/?p=608 Die Flüchtlingskrise aus der Sicht einer Dolmetscherin Viele Bücher erscheinen derzeit, die das Thema Flucht behandeln. Mascha Dabićs neuer Roman “Reibungsverluste*” behandelt das Thema aus einer kaum behandelten Perspektive: die Sicht der Dolmetscherin. Es geht nicht primär um die Erfahrungen der Flüchtlinge sondern darum, wie jemand aus unserer Gesellschaft,  diese Begegnungen erlebt. Als Dolmetscherin ist …

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Die Flüchtlingskrise aus der Sicht einer Dolmetscherin

Viele Bücher erscheinen derzeit, die das Thema Flucht behandeln. Mascha Dabićs neuer Roman “Reibungsverluste*” behandelt das Thema aus einer kaum behandelten Perspektive: die Sicht der Dolmetscherin.
Es geht nicht primär um die Erfahrungen der Flüchtlinge sondern darum, wie jemand aus unserer Gesellschaft,  diese Begegnungen erlebt. Als Dolmetscherin ist die Protagonistin Sprachrohr für diese Menschen, ohne Selbst jedoch am Geschehen beteiligt zu sein. Sie vermittelt das Gesagte zwischen zwei Parteien und versucht dabei möglichst wenig Verluste zwischen der Bedeutung der Sprache zu erzeugen. Sie Selbst hat auch kaum Möglichkeit einen eigenen Kontakt herzustellen. Es sind die Anderen, die durch sie sprechen. Doch was macht das mit ihrer Person?

Die Sprache ohne Reibungsverluste fließen lassen

Die Protagonistin bewegt sich zwischen Ohnmacht und Perfektionismus. Während einer Beratung, bleibt sie professionell, distanziert. Doch wenn sie schriftliche Berichte über Folterungen übersetzen muss, kommt ihr das Geschehen zu nahe. Sie ist nicht mehr die unbeteiligte Dritte, sondern steht allein dem Text gegenüber und wird von seiner Gewalt erfasst.

Der Roman behandelt das seltene Thema, wie es Menschen ergeht, die täglich mit Gewalt und Traumata im Rahmen ihrer Arbeit zu tun haben. Hier steht nicht der Traumatisierte, sondern der Helfende im Mittelpunkt. Von indirekter Traumatisierung sind besonders Berufsgruppen im sozialen Bereich betroffen, aber auch Polizisten, Sanitäter und andere helfende Berufe, finden sich in diesem Kontext wieder. Es ist ein täglicher Kampf zwischen Abgrenzung und Burn Out. Mascha Dabić ist eine sehr reflektierende Erzählerin. Wie ergeht es einer jungen Dolmetscherin mit diesen Erfahrungen, die jeden Tag durch sie hindurchlaufen, wie durch ein Sprachrohr?

Mascha Dabić ist selbst Dolmetscherin für Flüchtlinge, allerdings ist ihr Roman nicht autobiographisch. Die Abläufe, Geschichten und Schwierigkeiten des Dolmetschens, werden jedoch sehr authentisch vermittelt. Als Übersetzerin hat sie schon mehrere Werke übersetzt, dies ist ihr erster eigener Roman.

Eigenes Fazit

Ich musste beim Lesen oft Schmunzeln, da ich Selbst im Flüchtlingsbereich arbeite und mir viele Szenen bekannt vorkamen. Ich bin allerdings diejenige, in deren Beratung die Dolmetscherin sitzen würde. Durch den Roman, habe ich sicher unsere Dolmetscher ein bisschen besser verstanden, denn es muss wirklich ziemlich anstrengend sein, so gar keinen Handlungsspielraum zu haben. An vielen Stellen hat mich der Roman schon fast gelangweilt, weil es einfach so genau meinen Berufsalltag wiedergibt, den ich jeden Tag erlebe. Aber für Menschen, die damit nichts zu tun haben, ist es sicherlich sehr spannend zu lesen.
Manchmal hatte ich auch sofort Bilder  und Personen im Kopf, die ähnliche oder sogar die gleichen Erlebnisse hatten. Die Authentizität des Romans ist also sehr hoch. Dabei habe ich mich natürlich automatisch gefragt, ob es sich nicht vielleicht sogar um die selben Personen handelt. Das wäre angesichts der Tatsache, dass Mascha Dabić auch in Wien wohnt, vielleicht gar nicht so unwahrscheinlich. Allerdings glaube ich viel mehr, dass einfach die Erlebnisse und Traumata der Geflüchteten oft sehr Ähnlich sind. Da es auch kein autobiographischer Roman ist, denke ich nicht, dass die Autorin diese Geschichten eins zu eins übernommen hat und darum Ähnlichkeiten, wahrscheinlich eher zufällig sind.

Der Roman hat zwar nur 150 Seiten, aber die Autorin schreibt sehr dicht und ich fand die Länge genau richtig um nicht zu sehr in die einzelnen Szenen abzuschweifen. Somit ergibt sich ein schönes passendes Gesamtbild.

PS. Ich glaub dass dieses Buch auch ein guter Tipp für die Debüt-Preis-Shortlist des österreichischen Buchpreises ist. Ich bin dann im Herbst gespannt, ob diese Einschätzung zutreffend war.

Zusammenfassung

Titel: Reibungsverluste

Autorin: Mascha Dabić

Herausgeber: Edition Atelier

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover  978-3-903005-26-6

Seitenzahl: 152

 

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