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Rezension: Zusammen sind wir Helden- Jeff Zentner

Rezension: Zusammen sind wir Helden- Jeff Zentner

Diesen Monat habe ich wieder ein Jugendbuch gelesen- diesmal hatte ich Lust auf ein ganz klassisches Jugendbuch über Freundschaft. Ich hatte jetzt schon lange nach einem Buch gesucht, was nicht den typischen YA-Klischees entspricht und wo es um mehr als nur eine Liebesbeziehung geht. Bei diesem Buch bin ich fündig geworden.

Drei ungewöhnliche Freunde

In „Zusammen sind wir Helden“ geht es um drei ungleiche Freunde, die verbindet, dass sie alle nicht sonderlich angesehen in der Schule sind und jeder auf seine Weise besonders ist, was alle drei zu Außenseitern macht. Die Geschichte ist aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt. Mich hat es gleich angesprochen drei verschiedene Personen begleiten zu können. Somit war mir auch gleich klar, dass die Freundschaft im Zentrum steht. Es war wirklich interessant, die verschiedenen Sichtweisen und Einstellungen zu verfolgen und zu sehen, wie diese Figuren ihre ungleiche Freundschaft sehen und wahrnehmen.

Da wäre Lydia, eine Fashion-Bloggerin, die einen überaus erfolgreichen Fashion-Blog führt.  Hört sich gar nicht nach einem Mobbing-Opfer an? Nun, ihre Klassenkameraden sehen das jedoch anders, denn das einzige was sie für Lydia übrig haben ist Neid und Missgunst.

Travis hingegen, lebt in seiner eigenen Welt, trägt ständig schwarz und läuft mit einem Holzstab und seinem Lieblingsbuch herum. Die Fantasywelt in die sich Travis flüchtet erinnert mich an Games of Thrones.

Und als dritter im Bunde wäre da Dill, der die Last seiner Familie trägt. Denn Dills Vater war Pastor, zumindest so lange bis er wegen Kindesmissbrauch ins Gefängnis musste. Nicht nur, dass er finanziell seiner Mutter helfen muss um über die Runden zu kommen und er an der schwierigen Beziehung zu seinem Vater zu knabbern hat, er muss auch mit den Reaktionen in der kleinen Stadt klarkommen, die ihn zum Außenseiter machen. Denn die ganze Ortschaft ist sich sicher: böses Blut liegt in der Familie und wird vererbt. Es kann also nur eine Frage der Zeit sein, bis auch Dill seine böse Seite entdecken wird.

Der Schlangenkönig

In gewisser Weise sind die Figuren fast überzeichnet. Lydia geht es eigentlich viel zu gut, Dill geht es viel zu schlecht und Travis ist irgendwo zwischen den Beiden und doch nicht ganz da, sondern in seiner Welt. Jeff Zentner schafft jedoch etwas, was nicht viele Autoren schaffen: er bringt alles passend zusammen und lässt seine Geschichte auf vielen Ebenen wirken und sich entfalten. Sie lebt von den Gegensätzen und den komplexen schweren Gedanken, die ganz unterschwellig verwoben sind.

Auf Englisch würde die Übersetzung des Titels “Der Schlangenkönig” sein, was auf die (ebenso stark übertriebene- fast schon mystische) Familiengeschichte von Dill anspielt. Diese sehr detailierte Familiengeschichte, die sogar mehrere Generationen umfasst, hat immer wieder Schlangen zum Thema. Das hat mich doch anfangs sehr irritiert, da die Geschichte sehr viele Anspielungen auf die christlich fundamentale Erziehung von Dill enthält (die Verbindung zum Schöpfungsmythos liegt auf der Hand) und die anderen Charaktere nicht so detailiert gezeichnet waren.

Ich fand es etwas komisch, dass dieser Detailreichtum nur bei Dill vorkam. Es erschien mir etwas unausgewogen mit den Hintergrundinformationen zu den Charakteren, bis ich gelesen habe, dass der englische Titel eigentlich “The Serpent King” ist. Und dann hat es plötzlich einen Sinn gemacht: denn das Buch- ist eigentlich Dills Geschichte.

Mit diesem Hintergrundwissen habe ich die Geschichte dann etwas anders gelesen und mehr genießen können.

Der Zustand des Schwebens im letzten Schuljahr

Zusammen beginnen die drei Freunde das letzte Schuljahr an ihrer Schule. Alles scheint für die drei offen zu stehen und zugleich scheint alles bereits vorherbestimmt und beschlossen.

Lydia wird durch ihren Erfolg und ihre Kontakte an eine gute Universität gehen, Travis wird in die Firma seiner Familie einsteigen und Dill…, Dill wird als unglücklicher und perspektivloser Pommesverkäufer enden, davon ist er Selbst zumindest überzeugt.

Das ist es, was das Leben für sie bereit hält. Oder ist da etwa noch mehr? Oder doch weniger? Und was ist das wichtigste in dieser Zeit des Umbuchs- die Freundschaft? Doch kann die Freundschaft überhaupt bestehen bleiben, wenn die drei in Zukunft getrennte Wege gehen werden?

Die drei Jugendlichen bewegen sich genau in diesem Zwischengewicht von Leichtigkeit und Schwere, Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.

Alle drei sind kurz vor dem Sprung ins Leben. Bei allen drei zeigen sich Talente, Chancen und Möglichkeiten. Doch werden Sie springen können?

Tiefergehend als erwartet- ein Jugendbuch nicht nur für Jugendliche

Was mich an dieser Lektüre überrascht hat, war dass es viel tiefer ging, als ich erwartet hatte. Es hat ziemlich harmlos begonnen, sich dann aber im Laufe der Zeit ziemlich gesteigert und ist dann in einem niederschmetternden Plot-Twist eskaliert.

Das Buch ist auch durchaus für Erwachsene geeignet. Es hat mich in Gedanken nochmal zurückgeführt in das letzte Schuljahr. Ich konnte wieder dieses Gefühl spüren. Diese unendlich lange nicht enden wollende Zeit, in der alles möglich scheint und doch noch alles so fern ist. Dieser Zustand des Schwebens auf der Schwelle zum Erwachsen sein, zwischen Bleiben und Gehen. Das Gefühl in einem Ort zu leben und zur Schule zu gehen, wo man eigentlich gar nicht hingehört.

In diesem Buch geht es um soviel mehr als nur Freundschaft. Es geht um Zugehörigkeit, das Erwachsenwerden, Familie, Träume, die harte Realität des Schicksals und was daraus entwachsen kann.

Zusammenfassung

Titel: Zusammen sind wir Helden

Autorin: Jeff Zentner

Herausgeber: Carlsen

Erschienen: Dez. 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover, ISBN 978-3551556851

Seitenzahl: 368

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