[Rezension] Wie Dramen entstehen- John von Düffel, Klaus Siblewski

Kennt ihr das Phänomen, dass ihr einem Thema immer und überall wiederbegegnet? Und es geradezu danach schreit, dass man sich damit beschäftigen soll? Mir ging es so mit dem Thema Theater, dass plötzlich überall aufgetaucht ist. Es fing damit an, dass ich viele dramatische Werke gelesen habe, aber auch sonst bin ich dem Thema überall begegnet.
Ich fand also Interesse daran mich näher mit dem Thema zu beschäftigen und war mir sicher: das ist ein Thema was vielleicht nicht unbedingt nahe liegt, aber von dem ich viel lernen kann, besonders bezüglich des Schreibens. Ich wollte also wissen, wie Theaterstücke entstehen und wie man dramatische Texte schreibt.

Schreiben für das Theater:

Das Schreiben für das Theater ist natürlich ganz anders, als einen Roman zu schreiben. Man denkt dabei nicht nur an einen stimmigen Handlungsverlauf, sondern hat gleichzeitig sowohl Schauspieler, Bühne und Publikum im Hinterkopf. Man schreibt nicht, um gelesen zu werden, sondern man schreibt, damit das Stück aufgeführt wird. Ein Theaterstück besteht dazu nur aus Dialogen und Monologen und allein das ist eine ziemliche Herausforderung. Man achtet beim Schreiben besonders auf den Spannungsbogen und auf die Sprache.

Im Buch „Wie Dramen entstehen“ geht es aber nicht direkt um das handwerkliche Schreiben. Vielmehr geht das Buch der Frage nach, was alles dazugehört und wie der Entstehungsprozess eines Theaterstücks abläuft. Das Buch ist in zwei Teile gegliedert. Im ersten Teil schreibt John von Düffel über Schauspieler, Inhalte, Spannungsaufbau und Schreibprozess. Im zweiten Teil von Klaus Sibleweski, geht es dann um Aufführung, Inszenierung und Publikum.

Dramen und Dramatik:

Was ich an der Lektüre des Buches besonders interessant fand, war dass ich viel über Dramatik und Spannungserzeugung lernen konnte. Natürlich ist die Perspektive auf das Theater gelegt, welches eine ganz eigene Dynamik hat. Trotzdem fand ich gerade diese Dynamik unheimlich lehrreich und ich habe viele Anknüpfungspunkte gefunden, die man auch beim normalen Schreiben umsetzen kann.
Mir ist klar geworden, dass der Stil, der eigentlich für Dramen gedacht ist, zu einem großen Ausmaß meiner Vorstellung vom idealen Schreibstil entspricht. Ich bin ein großer Fan von Verdichtung, Dramatik und Spannung.

Wir haben bestimmte Erwartungen, an ein Theaterstück, aber auch an Romane. Spannend wird es, wenn diese Erwartungen differenziert werden und nicht alles vorhersehbar ist. Theater ist ein Spiel mit den Möglichkeiten, mit Denkweisen und mit den tiefsten und schrecklichsten Krisen der Menschlichkeit. Theaterstücke verlangen den Figuren meist alles ab. Und das finde ich sehr faszinierend. Die Erfahrungsräume beim Theater reichen oftmals viel tiefer als in Romanen. Das Theater stellt die großen Fragen des Lebens, wie im Faust, oder wagt sich in ganze neue, durchaus auch abstrakte, performative und künstlerische Gefielde.

Figurenentwicklung und Hintergrund:

Die vielen Beispiele von Theaterstücken und ihren Besonderheiten, fand ich auch sehr spannend. Die Vorstellung, dass meine Figuren wie die Schauspieler auf der Bühne, ihr volles Potential nutzen sollten und ihren Charakter durch ihre Handlung und ihre Dialoge voll zum Ausdruck bringen sollten, ist auch eine gute Erinnerung, für mein Romanprojekt. Besonders schön fand ich die Beschreibung, dass man mit jedem Dialog vollkommen in dem Charakter aufgeht und dann wie beim Ping Pong, den größtmöglichen Einfluss ausspielt und wieder beim nächsten Satz, beim nächsten Charakter ansetzt und man als Autor nun das Geschehen plötzlich wieder aus der gegnerischen Perspektive betrachtet, um wiederum das größtmögliche Potential des anderen Charakters zu nutzen.
Kenne deine Figuren- ich ertappe mich auch oft dabei, im Kopf meine Figuren in imaginären Dialogen aufeinander treffen zu lassen, um zu sehen, wie sich das Ganze entwickelt und wie die einzelnen Charaktere wohl aufeinander reagieren würden, auch wenn diese Stellen im Buch vielleicht gar nicht vorkommen.

Ich denke dass besonders Autoren und Schriftsteller viel vom Theater lernen können. Vielleicht bekommt ja auch der ein oder andere Autor Lust darauf ein Theaterstück zu schreiben. Für mich wäre das auf jeden Fall ein sehr reizvoller Gedanke für die Zukunft, weil Theater einfach um so viele Ebenen weiter geht als nur ein Buch. Es hat für mich so viel mehr Potential für künstlerischen Ausdruck. Ich denke auch Inszenierungen mit verschiedenen Menschen, die an einem solchen Projekt mitarbeiten, sind sicher sehr spannend.

Zusammenfassung

Titel: Wie Dramen entstehen

Autor: John von Düffel, Klaus Siblewski

Herausgeber: Luchterhand

Erschienen: 2012

Besprochene Ausgabe: Softcover ISBN: 978-3630873640

Seitenzahl: 288

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

One thought on “[Rezension] Wie Dramen entstehen- John von Düffel, Klaus Siblewski

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.