[Rezension] Wenn Männer mir die Welt erklären- Rebecca Solnit

Ich freue mich, dass ich euch heute endlich, das erste gelesene Buch meiner Frauen-Lesechallenge 2017 vorstellen kann. Wenn ihr noch nichts von meiner Challenge gehört habt, findet ihr hier alle weiteren Informationen.

Das Buch „Wenn Männer mir die Welt erklären*“ von Rebecca Solnit, besteht aus 7 Essays zum Thema Feminismus. Dabei ist das erste Kapitel auch namensgebend für das Buch. Bereits im zweiten Kapitel, geht es nicht mehr um das Phänomen des Mansplaining, sondern um Gewalt an Frauen. Mich hat es etwas irritiert, dass das Thema so schnell gewechselt hat. Tatsächlich habe ich erwartet, das ganze Buch würde sich nur um den Titel drehen. Immerhin hat die Autorin damit einen Nerv der Zeit getroffen und viele Diskussionen angestoßen. Dafür findet man sehr abwechslungsreiche und unterschiedliche Essays in diesem Band, die zwar nicht zusammenhängend sind, aber als gemeinsamen Nenner, alle das Thema Feminismus haben.

Ein leichter und sanfter Einstieg in das Thema Feminismus

Das Buch richtet sich besonders an Einsteiger in die Thematik. Da ich bereits an der Universität Gender Studies hatte, waren mir einige Gedankengänge schon bekannt. Rebecca Solnit schafft es allerdings diese ganz frisch und aktuell aufzubereiten. Ihre große Stärke liegt in ihrem klaren Schreibstil, der ganz freundlich, aber doch energisch ist. Mit viel Leidenschaft, versucht sie Zusammenhänge und Gedanken sichtbar zu machen. Man merkt, dass sich Rebecca Solnit nicht hingesetzt hat, um ein neues feministisches Werk zu erschaffen, sondern weil sie den inneren Drang dazu spürte, ihre Gedanken und Erlebnisse zu Papier zu bringen und anderen Frauen etwas mitzugeben.

Ich denke aber auch, dass es ein Buch ist, das man auf Grund der Einfachheit und Themenvielfalt jedem geben kann. Auch für Männer würde ich diese Lektüre passend finden, obwohl diese Zielgruppe vielleicht etwas vom Titel abgeschreckt wird. Der Titel ist natürlich reißerisch, aber es geht um viel mehr, als um Männer, die Frauen die Welt erklären. Dabei geht es auch gar nicht um alle Männer, sondern nur um solche, die sich den Frauen intellektuell überlegen fühlen, selbst wenn die Frau Expertin des Themas ist und der Mann nie etwas davon gehört hat.

Man findet in ihrem Buch eine tolle Bandbreite von verschiedenen feministischen Ansätzen und Ideen. Das beginnt bei Gewalt gegen Frauen und führt über die Ehe, globale Ungerechtigkeiten in der Ökonomie bis hin zu Susan Sonntag und Virgina Woolf. Dabei wird auch oft sichtbar, dass viele Themen durchaus komplexer und weitaus schwerwiegender sind, als von den meisten Menschen wahrgenommen.

Ich hätte mir an vielen spannenden Stellen eine tiefere Betrachtung gewünscht, besonders die fehlenden Quellenangaben, waren ein echter Mangel. Da werden Zitate, Zeitungsartikel, Bücher, Statistiken usw. erwähnt, ohne am Ende im Quellenverzeichnis oder den Fußnoten aufgeführt zu werden.

Warum Feminismus wieder wichtiger wird

Am besten gefallen haben mir, die vielfältige Verbindungen des Themas Feminismus mit einem größeren und weitsichtigen Kontext.

Besonders die Gedanken und Perspektiven im letzten Essay fand ich sehr passend. Dort schreibt Rebecca Solnit über den „neuen“ Feminismus, da einige Menschen bereits der Meinung waren, dass das Thema Feminismus am Ende angelangt sei. Tatsächlich sind wir in vielen Bereichen weit entfernt von einer Gleichstellung. Auch geht es um Online- und Alltags-Sexismus und den ganzen Vorurteilen mit denen Frauen sich herumschlagen müssen, während das selbe Verhalten bei Männern kein Problem darstellt. Als Beispiel wird die „Karrieregeilheit“ von Frauen angeführt, denn während man also den Frauen unterstellt eine Karriere wäre ein egoistisches Streben, würde man das Selbe wohl keinem Mann unterstellen. Ein Mann ist dann im Extremfall vielleicht ein Workaholic, aber nie würde allgemein die Fähigkeit eines Mannes Karriere zu machen, in Frage gestellt werden, genauso wenig, wie ein Mann sich dafür rechtfertigen muss.
Rebecca Solnit führt auch an, dass es bereits wieder den Gegentrend zum Feminismus gibt, nämlich die langsame und schleichende Rückkehr zum Altbekannten. Dieser Versuch den Feminismus zu unterbinden, kommt ganz unscheinbar daher. Besonders in Anbetracht der neuesten Entwicklungen der USA, muss Rebecca Solnit wohl das mit dem Unscheinbaren und den erkämpften Rechten nochmal überdenken. Denn ganz offensichtlich, hat die USA ihren Kurs gegen Frauen wieder geändert und die Rechte, die viele Menschen in Sicherheit wähnen, sind wieder in Gefahr. Und gerade darum ist es jetzt wieder besonders wichtig, den Feminismus als etwas zu begreifen, dass uns alle angeht.

Texte die für das Thema Feminismus öffnen und begeistern

Während meine Uni-Lektüre in Gender Studies nicht unbedingt zu meiner Begeisterung beitrug, sondern an manchen Stellen schon übertrieben wissenschaftlich war, so dass viele Studentinnen von der Thematik abgeschreckt wurden, passiert hier genau das Gegenteil. Durch die leicht verständliche Sprache, wird das Interesse geweckt. Die Gedankengänge sind sehr schön dargelegt und man findet sich leicht darin wieder. Oft wird man angeregt die Thematik weiterzudenken und das Gelesene zu reflektieren. Man könnte theoretisch aus jedem Essay ein weiteres Buch machen, da so viele Themen und Probleme angerissen werden. Es ist ein Buch, was einem sehr viel mitgibt und für weitere Recherchen und Gedanken öffnet.
Ich denke, dass sich das Buch besonders an jüngere Frauen richtet. Man kann es sicher auch schon Mädchen und jungen Frauen geben, die noch nicht soviel Lebenserfahrung haben. Sicher können davon besonders Teenager und Frauen Anfang Zwanzig profitieren, oder generell Menschen, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben.

Meiner Rezension liegt das Taschenbuch zu Grunde, was gerade erschienen ist. Ich finde die Ausgabe des Taschenbuches hier sehr passend, da es sich auch besonders eignet um in die Thematik reinzuschnuppern, da es sehr günstig ist.

Zusammenfassung

*Wenn Männer mir die Welt erklären

Titel: Wenn Männer mir die Welt erklären

Genre: Essays

Autorin: Rebecca Solnit

Herausgeber: btb

Erschienen: Deutsches Taschenbuch: 09.01.2017, englische Erstausgabe: 11/2014

Besprochene Ausgabe: Taschenbuch,  ISBN: 978-3442714391

Seitenzahl:176

Fazit: Ein anregender und vielfältiger Einstieg in das Thema Feminimus

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10 thoughts on “[Rezension] Wenn Männer mir die Welt erklären- Rebecca Solnit

  1. Danke für diese detaillierte und nicht unkritische Rezension. Vor allem Alltagsbeispiele wie der Vorwurf der „Karrieregeilheit“ machen das Thema für jeden Leser gut greifbar. Das Buch kommt direkt auf die Wunschliste…
    Die Frauen-Lesechallenge schau ich mit gleich als nächstes an… bei Interesse: Ich bin dieses Jahr mit einer literarischen Weltenbummlerchallenge gestartet: https://nichtohnemeinbuch.com/buecher-weltenbummlerchallenge-2017/
    Freue mich wieder von Dir zu lesen und folge auch bereits Deinem Blog.
    Wochenendgrüße aus Berlin

    1. Tatsächlich hatte Rebecca einen anderen Begriff verwendet, jedoch das gleiche Phänomen beschrieben. Ich fand den Begriff Karriegeilheit im deutschsprachigen Raum passender, weil er hier oft verwendet wird. Rebecca schreibt ja generell über die USA, dass ist vielleicht noch wichtig zu wissen, wenn sie Statistiken über Gewaltverbrechen nennt etc. Wobei ich leider bezweifle, dass es bei uns viel besser aussieht.
      Oh eine Weltenbummler-Challenge ist auch sehr toll, da ich auch gerne international lese.
      Viele Grüße, Anja

  2. Hallo Anja,
    dieses Buch liegt schon bei mir auf dem Nachtschränkchen 🙂 Ich habe es mir für den Februar vorgenommen und werde es natürlich auch rezensieren. Nach deiner Rezi bin ich schon gespannt, wie mit das Buch gefallen wird.

    Liebe Grüße
    Anne

    1. Liebe Anne,

      Oh wie schön, dann tauschen wir sozusagen im Februar, du liest dieses Buch und ich lese dein Januar Buch 😀

      Liebe Grüße, Anja

  3. Hallo Anja,

    danke für Deine Gedanken zum Buch. Wir haben ja schon oft über das Thema gesprochen und ich überlege immer noch hin und her, ob ich das Buch nicht einfach mal lese 😀 Du hast mich auf jedenfall noch mal mehr überzeugt es anzusehen.

    Grüße
    Verena

    1. Liebe Verena,
      Sag mir Bescheid, wenn du es gelesen hast, wie du es fandest 🙂
      Ich hoffe du entscheidest dich dafür mal reinzuschauen. Ich denke jeder kann etwas daraus mitnehmen.

      Liebe Grüße, Anja

  4. Liebe Anja,

    Solnits Buch ist mir in letzter Zeit immer öfter begegnet. Ich werde es mir wohl bald zulegen, deine Besprechung hat diesen Wunsch noch befeuert. Irgendwie bin ich jetzt auch so richtig „angefixt“ vom Feminismus, seit ich Stokowskis „Untenrum frei“ gelesen habe.

    Liebe Grüße
    Juliane

    1. Liebe Juliane,
      Ich bin seit deiner Rezension auch hin und hergerissen, ob ich Stokowskis Buch lesen soll, oder nicht. Irgendwie hat mir deine Rezension voll Lust darauf gemacht, aber so ganz durchringen kann ich mich noch nicht. Ich glaube dass es ein riesiges Bedürfnis wäre, darüber zu sprechen, falls ich es lese, allerdings in einem Rahmen, der wohl über einen Blogeintrag weit hinausgehen würde.
      Vielleicht leihe ich es mir mal aus der Bibliothek aus.
      Ich glaube dass ist so ein Buch, wo man als Auseinandersetzung und Antwort gerne ein eigenes Buch schreiben würde. Ich habe Angst, dass es einfach zu viel Anregung ist, falls du verstehst was ich meine 😀
      Liebe Grüße, Anja

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