[Rezension] Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist

Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist - Stefan Bollmann

Ein Leben ohne Goethe?

An Goethe kommt niemand vorbei. Wir begegnen ihm als Pflichtlektüre an der Schule oder an der Uni. Im Rahmen von Zitaten, Essays oder sonstigen Unterhaltungen begegnet man ihm immer wieder. Oft ist er, als der größte Dichter Deutschlands, berühmt und gefürchtet. Er strahlt für die meisten Bürger eine ungeheure Ehrfurcht und Unnahbarkeit aus. Stefan Bollmann nimmt uns mit in die Zeit von Goethe und zeigt den Dichter von einer ganz privaten Seite.

Zu Unrecht ist dieses Buch teilweise unter der Kategorie Ratgeber eingeordnet. Vielmehr handelt es sich um eine Biographie, die sich anstatt mit Jahreszahlen, mit der Gedankenwelt, den Lebensabschnitten und den Problemen Goethes befasst. Man erhält so einen ganz nahen Einblick in Goethes Wesen und kann seine Erkenntnisse auch auf das eigene Leben beziehen. Bestimmte Muster tauchen auch in unserem Leben und in unserer Gesellschaft immer wieder auf. Goethe plagte teilweise das, was uns auch heute beschäftigt: die Suche nach dem Glück und nach der Selbstverwirklichung.
Die Glorifizierung von Goethe, als unerreichbarer Dichter und Denker, wird ein bisschen brüchiger und wir nähren uns Goethe an, in dem wir erfahren, was ihn beschäftigt hat und woher seine Ideen kamen. Wir erfahren, dass viele seiner Geschichten auf biographischen Ereignissen beruhten.

 

Auf den Spuren von Goethes Erfahrungen und Erkenntnissen

„Transformation ist aber nicht nur das Geheimnis von Goethes literarischer Produktivität, sondern auch das Erfolgsrezept seines Lebens. Schon den Zeitgenossen ist Goethes immense Wandlungsfähigkeit aufgefallen und zuweilen unheimlich gewesen“ S. 265

 

Kapitel für Kapitel, gehen wir wichtige Lebensabschnitte von Goethe durch, erkennen seine Probleme und versuchen ein tiefes Verständnis zu bekommen.  An vielen Stellen sehen wir, dass seine Probleme uns nicht fremd sind. Besonders für kreative Personen, zeigen sich viele Anknüpfungspunkte. Mit dem Blick auf das eigene Schreiben und Leben, bekommt man noch einmal eine ganz neue Perspektive. Wir lernen in dem Buch auch darüber, was andere Menschen seiner Zeit über Goethe dachten. Die vielen Stimmen und Anknüpfungspunkte, machen dieses Buch sehr lebendig.

Etwas missfallen hat mir der Teil, in dem es um Haruki Murakami ging und er eines seiner Bücher (ausgerechnet das, was gerade auf meinem Stapel ungelesener Bücher liegt) als Vergleich heranzieht. Ich habe weder damit gerechnet, in einem Goethe Buch auf Haruki Murakami zu treffen, noch damit, dass mir gleich dessen ganzer Inhalt verraten wird.

An einer anderen Stelle, äußert der Autor Kritik an Goethes Verstoßung von Lenz, weil dieser in den Tag hineinlebte, Goethe belästigte, keiner geregelten Arbeit nachging und von Goethe verstoßen wurde, nachdem er gleich zwei Mal versuchte Goethe seine Frau auszuspannen. Ich finde das im Gegensatz zum Autor, jedoch nicht schwer nachvollziehbar. Mir wäre auch egal, welches Talent oder Hilfsbedürftigkeit jemand besitzt, der solche Umgangsweisen an den Tag legt. Aber genau das, ist auch die Stärke des Buches: man legt das Gelesene automatisch auf sich Selbst um, denkt nach und möchte seine eigene Interpretation der Ereignisse erschaffen. Man erkennt viele Situationen und Lebensabschnitte auch bei sich Selbst wieder und bekommt durch Goethe viele hilfreiche und inspirierende Aspekte vermittelt.

 

Eine inspirierende Lektüre

Ich finde diese Herangehensweise an eine Schriftsteller-Biographie herrlich. Ich habe nach der Lektüre das Gefühl, Goethe noch etwas besser verstanden zu haben. Viele Aspekte waren neu und luden zum Nachdenken ein, sowohl über Goethe, über seine Werke, aber auch über mich Selbst.
Ich würde sehr gerne noch weitere Biographien auf dieser Art und Weise lesen. Es macht die vergangene Lebenswelt ungeheuerlich anschaulich und begreifbar. Biographien zu lesen, ist oftmals sehr anstrengend, da es nicht selten vorkommt, dass man sich mit Fachausdrücken oder geschichtlichen Hintergrundwissen auseinandersetzen muss. Am Ende hat man zwar den Eindruck, einen Haufen von Informationen bekommen zu haben, aber wirklich eine Vorstellung, was die Personen beschäftigt und angetrieben hat, hat man nicht. Wir alle kennen die Zeit des Sturm und Dranges aus dem Geschichtsunterricht. Doch was bedeutete das für die Gedankenwelt der jungen Dichter? Dieses Buch klärt all diese Fragen und gibt uns einmalige Einblicke in die Gedankenwelt Goethes.

 

Zusammenfassung

Titel: Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist

Autor: Stefan Bollmann

Erstmalig erschienen: 2016

Besprochene Ausgabe: DVA, 2015, ISBN: 978-3-596-90214-9

Seitenzahl: 284

Fazit: Satirisches, und detailreiches Portrait über den Harz mit vielen Anspielungen und Verweisen

Vielen Dank an den DVA-Verlag für die Zurverfügungstellung eines Rezensionsexemplares.

 

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2 thoughts on “[Rezension] Warum ein Leben ohne Goethe sinnlos ist

  1. Liest sich echt interessant 🙂 Ich mag Bücher, durch die man auch ein kleines bisschen lernen kann – und wer möchte nicht gern über Goethe Bescheid wissen? 😉
    Viele Grüße, Kerstin von Altmühltaltipps

    PS: „An Goethe kommt jemand vorbei.“ … ich glaube, du meinst niemand 🙂

    1. Ohje, da hat sich ein Fehler eingeschlichen. Danke für den Hinweis 🙂
      Ja, ich liebe auch Bücher besonders, aus denen man etwas Lernen kann. Das gehört für mich zum Lesen einfach dazu. Man kann so unendlich viele Welten und Aspekte entdecken und wird dabei sogar noch unterhalten.

      Liebe Grüße, Anja

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