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[Rezension] Jack von Anthony McCarten

[Rezension] Jack von Anthony McCarten
Dass Jack Kerouac mein Lieblingsautor ist, ist ja lange kein Geheimnis mehr. Also musste ich natürlich auch einen Blick auf Anthony McCartens neues Buch “Jack” werfen.

Jack Kerouac und seine Biographin

Das Buch ist eine fiktive Geschichte und handelt von einer jungen Studentin, Jan, welche die erste offizielle Biographie von Jack Kerouac schreiben möchte. Als sie hört, dass es um den großen Literaten gesundheitlich sehr schlecht steht, versucht sie das Vorhaben in die Tat umzusetzen und Jack Kerouac in seinen letzten Lebensmonaten einen Besuch abzustatten um die Erlaubnis für das Schreiben einer Biografie zu bekommen. Dieser ist nur noch ein Abbild seiner Selbst und hat mit der großen Legende nicht mehr viel gemeinsam.
Ich muss sagen, dass ich das Buch als die Geschichte von Jan gelesen habe, und nicht die von Jack. Auch wenn es im ersten Teil des Buches so aussah, als ob da versucht wird in Kurzfassung die Geschichte von Jack zu erzählen, konnte mich dieser Teil nicht überzeugen. Nach der ersten Wendung nahm der Roman jedoch an Fahrt auf und umso mehr man von Jan erfahren hat, umso spannender und runder wurde es für mich. Jan war für mich wesentlich besser beschrieben und charakterisiert, als Jack und auch die Geschichte an sich, war in der Hinsicht mehr als ich erwartet hatte. Das war ein wirklich feinfühliger Plot-Twist von Mc Carten, denn Jack hätte die Geschichte nicht getragen.

Stärken und Schwächen des Buches

Im ersten Teil war ich ein bisschen genervt von dieser erzwungenen Interview-Situation wo Jack ein bisschen über sein Leben erzählt. Klar, der Autor hat das für die Hintergrund-Informationen gebraucht, aber es war irgendwie zu erzwungen. Ich war dann wirklich sehr erleichtert, dass der Plot sich dann in Jans Richtung verschob.
Dass Jack vor seinem Tod nicht gerade zu den umgänglichsten Zeitgenossen gehörte, ist klar. Aber das ständige Bohren nach der Schuld am Tod seines besten Freundes Neal, fand ich irgendwie übertrieben. Wer sich ein bisschen mit der Beat Generation beschäftigt, wird feststellen, dass weder Jack noch Neal wirklich umgängliche Zeitgenossen waren. Und im Grunde hatten beide kein Verantwortungsbewusstsein. Jack als den Sünder und Schuldigen darzustellen, halte ich für übertrieben, denn Neal war kein Unschuldsengel und alle anderen aus diesem Kreis auch nicht.
So und nun zu den Stärken des Buches.
Auch wenn mich der erste Teil etwas genervt hat, liegt das wohl eher daran, dass ich schon zu viel über die Beats gelesen habe. Es ist aber sicher ein schöner und interessanter Einstieg, für alle die das noch nicht getan haben. Besonders die vielen Verweise auf die Entstehungsgeschichte von “Unterwegs”, laden geradezu auf eine Lektüre ein. Ich glaube sogar, dass das Buch umso interessanter ist, umso weniger man bereits weiß.

Spiel der Identitäten

Wer war Jack Kerouac? Im ersten Teil geht es um diese zentrale Frage, die jedoch nicht wirklich beantwortet wird. Stattdessen setzt sich das Spiel der Identitäten auf einer neuen Ebene fort. Jack hatte viele Identitäten und Rollen in seinem Leben gehabt. Wer dieser Schriftsteller wirklich wer, kann man wohl auch gar nicht festlegen. Viel interessanter wird die ganze Sache, wenn diese Frage sich auch um Jan dreht. Denn die hat tatsächlich mehr auf dem Kasten, als man ihr zunächst zutraut.
Was mir total gefallen hat, war dass plötzlich in der Mitte des Buches noch ein ganz anderer Charakter auftaucht. Auch wenn dieser Charakter eher unsympathisch dargestellt wird, war er mir doch gleich wohlgesonnen. Anthony Mc Carten bringt damit einen ganz starken von Jan und Jack unabhängigen Charakter ins Spiel. Dieser hat eine extrem ausgeprägte und gefestigte Identität und bietet so ein Gegenwicht zum schwammigen und dahin siechenden Jack.
Ab dem zweiten Teil, gibt es dann einen Plot-Twist, so dass es verstärkt um Jan geht. Anthony Mc Carten zeigt, dass er nicht nur ein Buch über Jack Kerouac geschrieben hat, sondern viel mehr als das. Er schafft es Jan mit jeder Seite besser in Szene zu setzen und die Protagonistin wird dann sogar interessanter als das eigentliche Subjekt des Buches. Ich war wirklich positiv überrascht, dass der Autor hier mit Jan so viel Potential in ihrer Figur entwickelte.

Tipps zum Weiterlesen:

Wer einen Einblick in die Beat Generation bekommen möchte, dem empfehle ich natürlich die Lektüre von Unterwegs/ On the Road.
Oder Ginsbergs “The Best Minds of My Generation: A Literary History of the Beats“, die ganz frisch im April in einer Neuauflage bei Penguin Modern Classics verfügbar ist. Ich habe die gebundene Auflage zu Hause und ich glaube das Buch ist Schuld an meiner übersteigerten Beschäftigung mit den Beats.
Da es im Buch auch um die Briefe von Jack geht, empfehle ich: “Ruhm tötet alles: Die Briefe“, die Korrespondenz von Jack Kerouac und Allen Ginsberg. Dessen Titel finde ich übrigens auch absolut passend für Jacks Lebensgeschichte.
Und für die Perspektive der Frauen: Joyce Johnson schreibt in “Minor Characters: A Beat Memoir“, nicht nur über ihre Beziehung zu Jack Kerouac, sondern viel mehr über die Frauen in der Beat Generation, welche bedingt durch die Konventionen ihrer Zeit, zwar eher Nebencharaktere waren, aber bereits mutige Vorreiterinnen für die späteren Generationen darstellten. Was später durch die 68er ganz normal wurde, fiel damals noch unter revolutionäres Verhalten für eine Frau.
Ich stelle euch auch gerne noch in Zukunft alle erwähnten Bücher (und noch Mehr) in einem Special genauer vor.

Und nun zu euch: Ist euch die Beat Generation ein Begriff? Und habt ihr bereits Bücher davon gelesen? Wenn ja, welches ist euer Lieblingsbuch?

 

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One Response
  1. […] Hier findet ihr meine Rezension zu “Jack”. Anthony McCarten hat einen interessanten Roman über meinen Lieblingsautoren geschrieben, welcher sich um die vielen Rollen und Identitäten dreht, die ein Mensch einnehmen kann. […]

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