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[Rezension] Fast Dumm von Ann Cotten

[Rezension] Fast Dumm von Ann Cotten

Für einen Road-Trip bin ich ja immer zu haben. Und seit der Lektüre von “On the Road” träume ich davon, dass Schreiben und das Reisen zu verbinden.

Ann Cotten hält das auch so und schreibt in ihrem Buch “Fast dumm”, Essays von Unterwegs. Das Buch enthält ihre gesammelten Essays von ihren Erkundungen in Amerika nach den Trump-Wahlen und auch Fotos, sowie Gedichte von seelenverwandten Autoren. Was für den Zusammenhang sehr interessant ist, ist dass Ann Cotten amerikanische Wurzeln hat und deshalb die amerikanische Gesellschaft aus einer ganz eigenen Perspektive beleuchtet und analysiert.

Sprachkünstlerin mit Hang zur Intellektualität und Herausforderung

Die Autorin hat einen ganz eigenen Schreibstil, das wird bereits in ihren anderen Werken sichtbar. Ich sehe Ann Cotten als eine Art Sprachkünstlerin. Denn das was sie macht, ist nicht unbedingt Literatur die unterhält, ich würde eher sagen, sie macht unbequeme und herausfordernde Literatur.

Ann Cottens Sinn für Sprache zeigt sich schon in der Art und Weise wie sie gendert. Tatsächlich gendert sie konsequent ihr komplettes Buch in Anlehnung an die polnischen Weise: Man nimmt einfach alle Buchstaben des Wortes, die in den weiblichen und männlichen Formen vorkommen würden und reiht sie hintereinander. Kommt mir fast schon satirisch vor, gefällt mir aber von der Idee fast besser als die deutsche Variante, auch wenn das natürlich ziemlich gewöhnungsbedürftig klingt.

Das Buch hat einen ganz eigenen Schreibstil. Fach- und Fremdwörter hat die Autorin sehr gerne. Man findet in ihren Texten eine gewisse Intellektualität und Komplexität, die im nächsten Absatz wieder dekonstruiert und zersetzt wird. Und zwischen den Zeilen meine ich den Titel zu erkennen: Wir Menschen könnten so schlau sein, aber wir sind fast dumm. (Der Titel ist übrigens an ein Gedicht von Majakowskij angelehnt, welches man auch im Buch findet.) Wir analysieren und pressen die Welt in ein Muster, um dann doch ganz absurd zu handeln. Das gilt wohl für die amerikanische Gesellschaft, genauso wie für unsere eigene. Ob Ann Cotten das so angedacht hat? Ich weiß es natürlich nicht, aber mir kommt es so vor, als ob sie bei ihren Beobachtungen ein besonderes Auge für Zusammenhänge aber auch gleichzeitig für die Absurdität der Situation hat.

Road Trip in das Trump- Amerika, kurz nach den Wahlen

Doch zu Beginn sind wir erst einmal in Russland und begleiten die Autorin auf ein Festival für Dichtkunst. Schon dort scheint sie Vorboten ihrer USA Reise magisch anzuziehen und sieht so viele Gemeinsamkeiten und Zufälle, die mit den USA in Verbindung stehen.

Dann geht es weiter nach Amerika und wir begleiten sie sogar nach Mexiko. Die stärksten Essays sind jedoch die aus den USA, wo sie offen, kritisch und ganz persönlich über das Land, die Menschen und die Entwicklungen reflektiert.

Ich muss sagen, dass mich Ann Cotten erst ab den Amerika-Essays wirklich begeistern konnte. Der Einstieg war doch ein bisschen zäh, was vielleicht auch daraus resultierte, dass man sich erst an ihren ganz eigenen Stil gewöhnen muss. Das wir uns zu Beginn in Russland wiederfinden, hatte ich auch gar nicht erwartet. Außerdem ist Ann Cotten überaus politisch, was ich zwar begrüße, mir aber direkt zum Einstieg ein bisschen zu viel war. Ich hätte es begrüßt noch ein bisschen mehr aus Amerika zu lesen, denn ab diesem Punkt las es sich weg, wie nichts.

War Spaß an komplexer Sprache und fazinierenden Beobachtungen hat, ist mit diesem Buch auf jeden Fall gut beraten. Wer auf der Suche nach Unterhaltungslektüre ist, eher weniger, denn Ann Cottens Essays fordern geradezu zum Mitdenken und Mitreflektieren heraus.

Sehr gut gefallen haben mir auch ihre Fotos, die ganz abseits von heutigen Digitalfotografie, die ganze Reise entschleunigen. Ihre dunklen unspektakulären Polaroid Fotos haben etwas künstlerischen und etwas Beruhigendes. Wie das Erinnern an eine Zeit, wo alles noch unkomplizierter war. Wo nicht alle Bilder perfekt waren, aber zu tiefst menschlich und persönlich.

Zusammenfassung

Titel: Ann Cotten. FAST DUMM Essays von on the road*.

Autorin: Ann Cotten

Herausgeber: Starfruit Publications

Erschienen: 2017

Besprochene Ausgabe: Hardcover, ISBN 978-3922895329

Seitenzahl: 248

 

* Titel und Cover enthalten Afiliate-Links
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