[Rezension] Eine Hand voller Sterne- Rafik Schami

Rafik Schami Eine Hand voller Sterne

Das ausgewählte Buch ist von Rafik Schami- ein syrischer Autor, der im Exil lebt und in seinem Buch Eine Hand voller Sterne: Roman*
welches bereits in den 80er Jahren erschien, vom Leben der Kinder in Syrien erzählt. Rafik Schami lebt bereits seit 1971 in Deutschland und ist ein meisterlicher Geschichtenerzähler in der orientalischen Tradition.

Ein Junge der kindlich unvoreingenommen, die Welt entdeckt

Es geht um einen 14 Jährigen Bäckersjungen, der in Damaskus aufwächst und gerne Journalist werden möchte. Das Buch ist als Tagebuch aus der Perspektive des Jungen geschrieben und erzählt von seinem Alltag. Dabei besticht das Buch vor allem mit der kindlichen Offenheit und Naivität. So schreibt der Junge, dass man gleich erkennen könne, welchen Beruf die Eltern haben, wenn man die Kinder ansieht. So hat der Mechaniker-Sohn immer dreckige Hände.

Diese Beobachtung ist das, was sie ist- eine Beobachtung. Uns lässt sie aufhorchen und auch ein bisschen schaudern, lernen wir doch daraus, dass nicht nur der Bäckerjunge den Eltern helfen muss. Was für uns unvorstellbar ist- als Kind zu arbeiten- ist dort das Normalste der Welt.

Besonders die vielen kleinen Details die der Autor einarbeitet, vermitteln Einem eine gute Vorstellung vom Leben in Damaskus. Sie lassen auch die Frage aufkommen, wie viel davon nun erfunden ist und wie viel davon der Autor selbst erlebt hat.

Rafik Schami erzählt von einem multikulturellen Damaskus

Besonders gefallen hat mir die Stelle, in der „Der Verrückte“, der einen Vogel dressiert hat, dem Jungen eine Geschichte aufschreibt. Jeder Abschnitt ist davon in einer anderen Sprache. Der Junge sucht ganz Damaskus nach entsprechenden Leuten ab, die ihm diese Abschnitte übersetzen können. Er lernt dabei, wie viele unterschiedliche Nationalitäten und Menschen in Damaskus zusammen kommen. Oder auch, wie der Vater ihm die Flausen austreiben will, zur Schule zu gehen und ihn lieber in der Bäckerei mithelfen lässt. Und doch gerührt seinen Gedichten lauscht und man merkt, dass der Vater ein herzensguter Mensch ist. Journalist zu werden, ist in einem Land wie Syrien kein normaler Berufswunsch, das bekommt der Junge mit der Zeit auch zu spüren, als er eine Untergrund-Zeitung gründet: die Sockenzeitung. Die Erwachsenen haben hingegen bereits das Hoffen aufgegeben und versuchen sich einfach mit der Situation zu arrangieren. Angesichts dessen ist der Protagonist noch unvoreingenommen gegenüber der Welt und versucht jeden Tag das Beste aus dem Leben zu machen.

Was bleibt, ist der Krieg

Diese Stagnation hat nun in Syrien ein jähes Ende gefunden. Und man fragt sich, ob Damaskus je wieder ein friedlicher Ort wird und man denkt mit Schrecken an die Kinder die derzeit in Syrien aufwachsen.

Wenn man bedenkt, dass das Buch bereits in den 80ern geschrieben wurde, sieht man dass die Unterdrückung von den syrischen Machthabern, eine lange Geschichte besitzt. Man kann verstehen, dass die Menschen sich aus der im Buch beschriebenen Stagnation erhoben haben. Doch statt der ersehnten Freiheit, bleibt der Krieg.

Bis jetzt habe ich die Hälfte des Buches gelesen, mit 208 Seiten ist man schnell durch- aber das ist bei diesem Buch wohl nicht der Sinn der Sache. Gerne lese ich ein paar Einträge des Tagesbuches und lege es dann wieder auf die Seite, damit sich das Gelesene in meinem Kopf entfalten kann. Manchmal Schmunzele ich. Ich mag es darüber nachzudenken, es zu genießen. Das Buch ist wie ein Gedicht in Tagebuch-Form. Trotz der Problematik ist es locker, leicht und voller Hoffnung.

Zusammenfassung

Titel: Eine Hand voller Sterne

Autor: Rafik Schami

Erschienen: 1987

Seitenzahl: 256

Fazit: lebendig, orientalisch bunt, leicht aber mit ernsten Hintergrund

Für Kinder ab 14 Jahre und Erwachsene.

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