Monatsrückblick Juni

Monatsrückblick Juni

Briefe an junge Autoren: Colum Mc Cann*

Das Buch ist eine Sammlung von Briefen an junge Autoren. Entdeckt habe ich es bei Pinkfischs Instagram Account. Als Hobby-Autorin ist das natürlich das Richtige für mich. Es ist aber kein Schreibratgeber im handwerklichen Sinne, sondern es geht viel mehr um das Drumherum. Dabei hat Colum Mc Cann die Absicht, den schriftstellerischen Nachwuchs in diesen Briefen zu motivieren und mit seinen Erfahrungen zu helfen. Es hat mich auf jeden Fall auch darauf neugierig gemacht, was Colum Mc Cann sonst noch schreibt, da ich seine Herangehensweise an das Schreiben sehr schön finde.

On the Road: the Original Scroll: Jack Kerouac*

Das Buch habe ich gerade angefangen zu lesen, aber noch nicht beendet. Aber was soll ich sagen? Große Liebe und derzeit mein Highlight der letzten 5 oder 10 Jahre. Ich liebe den Schreibstil von Kerouac. Es gefällt mir sogar besser, als ich gedacht habe. ich habe wirklich nicht gedacht, dass es derartige Begeisterung in mir auslösen könnte. Und ich bin sehr froh, dass ich die Originalausgabe auf Englisch lese. Denn dies ist die 1. Version, wie Kerouac sie geschrieben hat. Besonders schön ist, dass hier die vorkommenden Personen tatsächlich mit ihrem richtigen Namen benannt sind und nicht wie später vom Verleger gefordert, ein Pseudonym bekommen haben.

Was ich an dem Buch mag, ist besonders Kerouacs dichter Schreibstil. Man hat wirklich das Gefühl, dass er manisch an seiner Schreibmaschine saß und wie im Rausch alle seine Eindrücke niederschrieb. Was er auch tatsächlich getan hat, denn sein Buch ist in nur 3 Wochen entstanden. Und da ist noch etwas in seiner Schreibweise, dem ich mich sehr verbunden fühle und was ich noch nicht ganz greifen kann. Aber ich glaube, es ist seine Sicht auf die Welt, die meiner eigenen Sichtweise sehr Ähnlich ist. Ich mag es, wie er ein wunderbarer Beobachter ist und in das innere der Menschen blickt und sie trotz flüchtigen Bekanntschaften so greifbar charakterisieren kann. Und ich mag seine Leidenschaft, die er in das Schreiben steckt und zwischen den Zeilen lese ich noch so viel mehr, als er schreibt. Vielleicht ist Kerouac in künstlerischer Hinsicht so etwas wie mein Seelenverwandter.

Die Frauen von Algier: Assia Djebar*

Hier findet ihr meine Rezension. Ein Buch was ich für meine Frauen Lese-Challenge zum Thema Literatur von Frauen aus nicht-westlichen Ländern gelesen habe. Ein aufwühlendes Buch aus dem Algerien der 70er. Anders als ich erwartet hatte, viel intimer und weiblicher als die meisten anderen Bücher.

Die Sprache von Gibraltar: Björn Kuhligk*

Ein Gedichtband, in dem sich der Autor mit der Flüchtlingssituation in Spanien/Marokko auseinandergesetzt hat und auch selbst vor Ort war. Seine Eindrücke hat er in diesem Versepos verarbeitet. Und im Gegensatz zu den meisten anderen Berichten über Flüchtlinge, geht das richtig tief. Denn Kuhligk hat einen Blick in den Abgrund geworfen, sich dem Thema viel weiter geöffnet, als man das oberflächlich in Deutschland tun kann. Seine eigene Recherche vor Ort, seine Gefühle dabei und die Reflexion dessen, was er erlebt hat, öffnen neue Ebenen.
Durch die Lyrik eröffnet der Text, auch für den Leser, eine ganz andere Auseinandersetzung als gewöhnt.

Wie Dramen entstehen: John von Düffel, Klaus Siblewski*

Hier findet ihr meine Rezension. Es war für mich interessant einmal eine ganz andere Perspektive einzunehmen und mich damit zu beschäftigen, wie Theaterstücke entstehen. Das hat mich auch beim Schreiben weitergebracht, weil ich nun Dramatik (auch in normalen Texten) ganz anders wahrnehme.

Sonstiges Literarisches

Außerdem habe ich mir im Juni die Nobelpreisrede von Bob Dylan angehört. Für mich hatte es den Eindruck, dass Bob Dylan selbst nicht ganz davon überzeugt ist, dass ihm dieser Preis gebührt und er sich wahrscheinlich erst jetzt damit auseinander gesetzt hat, was an seinen Texten literarisch wertvoll ist. Seine Reflexion war aber sehr gelungen. Besonders schön fand ich aber seine Anmerkungen zu Mobi Dick. Und obwohl Mobi Dick nie auf dem Schirm meines Interesses stand, bin ich jetzt absolut neugierig geworden, das Buch zu lesen. Außerdem hat mich Bob Dylans Art die Rede vorzutragen begeistert, fast schon in einem melancholisch monotonen Rhythmus, aber trotzdem angenehm und tragend.

Außerdem habe ich aus weiter Entfernung, die ganzen Literaturveranstaltungen im Juni beobachtet. Lit Camp in Heidelberg, Lit Blog Convention in Köln und das Prosanova in Hildesheim. Auch wenn ich wirklich einmal richtig Lust dazu hätte, mir Heidelberg oder Köln anzusehen, fand ich das Prosanova vom Inhalt her wirklich reizvoll. Schade, dass es nur alle paar Jahre stattfindet. Die Mischung aus Lesungen und Auseinandersetzung von Literatur, ganz abseits von dem typischen Buchkonsum, hat mir wirklich sehr gefallen. Einen tollen Rückblick findet ihr bei Juliane von Poesierausch. Schade dass ich nicht dabei sein konnte.

Das Schreiben

Am Anfang des Monats habe ich bereits einen Rückblick geschrieben, wie sich das Schreiben bei mir in letzter Zeit entwickelt hat. Hier findet ihr den Rückblick. Seit dem hat sich jedoch schon wieder einiges getan. Besonders durch Kerouac wurde ich derartig angestachelt, dass ich derzeit wirklich in einem wahnsinnig tollen Schreibflow bade. Kerouac hat in mir etwas freigesetzt, an dem ich schon die ganze Zeit arbeite- meine eigene Schreibstimme zu finden. Mir ist plötzlich einiges klar geworden. Schreiben ist Leben. Leben ist Schreiben. Intensives Leben bedeutet intensives Schreiben. Das beste Schreiben entsteht, wenn wir uns erlauben ganz ehrlich zu sein und in dem Moment des Schaffens zu verschmelzen, unsere Seele in unsere Arbeit fließen zu lassen, ohne uns zu zensieren, ohne uns zu fragen, ob es gut genug ist, was wir tun, einfach nur weil wir Schreiben müssen. Wahrscheinlich war es nicht allein das Resultat aus der Lektüre von On The Road, sondern ein Zusammenspiel von vielen Faktoren, wie auch immer. Jedenfalls habe ich es geschafft Zugang zu meinem Flow zu finden und es fühlt sich an, als ob eine Blockade gelöst wurde.

 

*enthält Afiliate-Links
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6 thoughts on “Monatsrückblick Juni

  1. Hallo Anja,
    So ein schöner Monatsrückblick 🙂 Mir wird jetzt erst bewusst wieviel unterschiedliche Bücher du diesen Monat gelesen hast. Obwohl ich es ja immer direkt mitbekomme 😀

    Ich freue mich schon auf neue eigene Texte von dir. Deine letzten Gedichte haben mich sehr berührt und fasziniert.

    Lieber Gruß
    Verena

    1. Liebe Verena,
      Ich nerv dich ja immer mit meinen gelesenen Büchern und auch mit meinem Schreibkram. Aber ja, im Monat kommt schon einiges zusammen, wobei ich ja nicht extrem viel lese. Mit On The Road bin ich auch noch gar nicht fertig, dass nehme ich noch mit in den Juli zum weiterlesen. Und eigentlich will ich damit auch gar nicht fertig werden, denn schöne Bücher sollen doch am liebsten nie enden 🙂
      PS. Danke dass ich dich immer mit Bücher und meinen Gedichten nerven darf 😀

      Liebe Grüße, Anja

  2. Briefe an junge Autoren von Colum Mc Dann hatte ich mir auch mal vor ein paar Wochen notiert, es dann aber wieder vergessen. Jetzt bin ich wieder neugierig geworden und muss echt mal einen Blick in die Leseprobe werfen. Du klingst ja angetan von dem Buch. Hast du es denn am Stück durchgelesen, oder ist es (wenn es Briefe sind) eher sowas für zwischendurch?

    Liebe Grüße,
    Milena

    1. Liebe Milena,
      Es ist ein eher kleines Buch für Zwischendurch. Die Briefe sind relativ unabhängig voneinander und ich habe sie immer mal wieder zwischendurch gelesen, oder wenn ich grad nicht viel Zeit zum längeren Lesen hatte.

      Liebe Grüße, Anja

  3. Huhu Anja

    On the road hat mich auch nach den ersten 5 Seiten so gefesselt und eine Euphorie in mir ausgelöst, das Buch ist seither eines, der besten, das ich je gelesen habe! Es hat so eine eigene Dynamik, der Erzählstil, die Gedanken und diese pure Lebenslust, die es auslöst – einfach grandios! Ganz große Literatur! Meine Schwester hat es komischerweise überhaupt nicht gefallen, was ich gar nicht nachvollziehen kann 🙂 aber Geschmäcker sind nun mal verschieden. Lass dir lg und wünsche noch einen schönen Sommer ! Tinka

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