Das Leseverhalten im Zeitalter der Digitalisierung

Leseverhalten Digitalisierung

Das Buchfresserchen stellt Montags Fragen zum Thema „Lesen“. Diesmal war es eine sehr interessante Frage. Nämlich geht es darum, wie die Digitalisierung Einfluss auf unser Leseverhalten hat. Verändert die Technik unsere Art zu Lesen? Lesen wir weniger, schneller oder unaufmerksamer, weil uns alles auf einem Klick zur Verfügung steht?

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Fakt ist, durch die Digitalisierung haben wir ein Überangebot von Informationen. Wir müssen also stark filtern, welche Informationen für uns wirklich relevant sind. Wir sind jeden Tag überflutet mit Reizen und Angeboten.

Eine Kindheit ohne Ebooks

Ich bin wohl noch eine der Letzten, die eine Kindheit ohne diese Technik verbrachte, auch wenn das damals schon im Kommen war. Wir auf dem Dorf, waren da etwas langsamer. Mein erster Internetanschluss mit 15, reichte gerade einmal zum chatten und Emails lesen. Der Röhrenbildschirm war nicht gerade dafür gemacht, dass man wirklich am PC lesen konnte. Wenn ich in die Bibliothek ging, dann stöberte ich Stunden lang dort herum, saß am Boden und las einige Seiten zur Probe, bis ich dann mit einem großen Stapel Bücher nach Hause ging, meist Fantasy, und eines nach dem Anderen verschlungen habe. Die lokale Tageszeitung, jeden Tag am Frühstückstisch, zeigte uns was in der Welt passierte, ziemlich einseitig.

Heute gehe ich in die Bibliothek und wähle mir ganz bewusst ein Buch aus. Ich habe vorher schon Rezensionen im Internet gelesen und brauch es nicht mehr zu Testen. Zu Hause lese ich auch am Laptop Ebooks oder einfach auf Wikipedia, was mich gerade interessiert. Durch das Internet stehen mir sämtliche Zeitungen und Berichterstattungen auf einem Klick zur Verfügung. Es ist viel einfacher und bequemer geworden an Informationen zu gelangen. Das birgt jedoch die Gefahr, dass man sich darin verliert.

Mein Leseverhalten veränderte sich mit der Uni

Ich lese schon lange keine Stapel voller Fantasy-Bücher mehr. Ich denke nicht, dass es mit der Digitalisierung zu tun hat, sondern eher, dass ich älter geworden bin. Wirklich verändert hat sich mein Leseverhalten nämlich erst seit der Uni. Dort habe ich gelernt, dass man niemals alle Bücher, die man lesen sollte, auch tatsächlich nebenbei lesen kann. Das Verhältnis „Zeit“ zu der „Anzahl der Bücher“, hat nicht mehr funktioniert. Ich habe also angefangen anders zu lesen, schneller. Ich habe Bücher gescannt und nur noch die relevanten Informationen gelesen. Manchmal habe ich Bücher nur durchblättert und auf ein bestimmtes Wort geachtet, zu dem ich gerade ein Zitat benötigte.

Ich lese auch nicht mehr zwingend alle schlechten Bücher zu Ende. Dafür ist meine Lesezeit, oder meine Lebenszeit zu kostbar geworden. Ich wähle die Bücher, die ich lese nun bewusster aus. Seit der Uni lese ich auch besonders gerne Biographien oder Sachbücher, weil ich gemerkt habe, wie viel man davon profitieren kann.  Ich lese auch nicht mehr so viel an einem Stück. Ein Buch an einem einzigen Tag zu verschlingen, kann ich nicht mehr. Ich lese kleinere Abschnitte und lasse die Sprache und die Geschichte auf mich wirken. Kurzgeschichten und Gedichte sind mir nun viel lieber, als früher. Ich hätte auch gar nicht mehr die Zeit einfach 8 Stunden am Stück zu lesen, das funktioniert neben der Arbeit nicht.

Einen Ebookreader besitze ich nicht. Manchmal lese ich einige Bücher am PC. Ich bevorzuge jedoch noch immer, die Variante aus Papier. Besonders praktisch ist die digitale Variante besonders für Leseproben, kurze Geschichten, oder Bücher wo man nur einzelne Kapitel lesen will. Was sich auf jeden Fall für mich geändert hat, ist dass es einfacher geworden ist, tatsächlich Bücher zu finden, die mich ansprechen. Während man früher ganze Bibliotheksregale durchsuchen musste, reicht heute ein Stichwort bei Amazon. Außerdem finde ich auch das Thema Selfpublishing sehr interessant. Es ist für Autoren einfacher geworden Bücher zu produzieren, allerdings gleichzeitig auch schwerer, wegen der Konkurrenz und auch die Qualität der Veröffentlichungen, die kein Lektorat gesehen haben, leidet etwas darunter.

Reizüberflutung, Überangebot aber auch einfacher Zugang zu Informationen

Letztendlich würde ich sagen, dass die Digitalisierung vor allem ein „Mehr“ an Inhalte und Themen bietet und dies können wir im positiven wie auch im negativen Sinne sehen. Es herrscht ein Überangebot mit Büchern, Nachrichten und Informationen. Gleichzeitig war es nie so einfach, gezielte Informationen zu bekommen. Besonders bei den Nachrichten sehe ich das eher negativ, da man ständig diesen schrecklichen Meldungen ausgesetzt ist und nicht einfach wie früher, 10 Minuten lang die Zeitung liest und dann zuklappt. Es herrscht eine Reizüberflutung in den Medien. Da ist es viel angenehmer gezielt ein Buch auszusuchen und sich damit zurückzuziehen.

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