Inspiration: Don Quichotte und die Liebe

Don Quichotte

Am Flohmarkt erwarb ich eine Ausgabe von Don Quichotte in Fraktur-Schrift. Die Ausgabe war von 1902. Schon damals war es eine Geschichte, die einige Jahrhunderte zurück lag. Das Werk wurde tatsächlich schon 1605 geschrieben. Ich fragte mich, ob es wohl noch eine Erstausgabe von diesem Buch gäbe. Sie wäre sicher unbezahlbar.
Angeblich ist Don Quichotte das beste Buch der Welt, wenn man den Literaturkritikern aus Norwegen Glauben schenken kann.
Für mich war es ein zufällig ausgewähltes Buch, welches mich durch den dicken orangen Einband begeisterte.
“In meinem Zimmer hing lange Zeit ein Gemälde, von Don Quichotte, wie er gegen die Windmühlen kämpfte”, sagte einmal meine Bezugsperson. Diese Frau steckte vor langer Zeit in der selben Situation wie ich zu diesem Zeitpunkt. Als Mentorin begleitete sie mich ein Stück auf meinem Weg.
An dieses Gespräch kann ich mich noch genau erinnern. Wir redeten von der Liebe, der Ohnmacht nicht vor ran zu kommen und sich in einer Lage zu befinden, die so erscheint, als würde man ganz klein sein, in dieser Welt. Davon, wie andere Menschen, die wie nicht einmal kannten, uns von unserem Glück abhalten wollten. Die Mühlen mahlen langsam, ganz langsam. Man kommt nicht weiter.
“Die Lage war aussichtslos. Wie Don Quichotte, war der Kampf aussichtslos und ich war am verzweifeln”, sagte sie und dann lächelte sie.
“Erst als ich das Bild abnahm, habe ich die Kontrolle über mein Leben wiedergewonnen. Ich habe aufgehört zu Kämpfen und alles wurde gut.”, fügte sie hinzu.
Dieses Bild der Hoffnungslosigkeit sollte eine Methapher sein, ist aber unabsichtlich zu ihrer Realität geworden. Als sie sich von dem Bild befreite, war der Kampf vorbei. Plötzlich fing alles an, sich wieder in normale Bahnen zu bewegen. Auch bei Don Quichotte gab es einen riesigen Unterschied, zwischen seiner Realität und seiner Wahrnehmung. Die Feinde welche ihm als riesige Heerscharen erschienen, waren in Wirklichkeit nur eine Herde Schafe.
Überhaupt ist das Leben und die Liebe, gar kein Kampf, erst wenn man es zu dem Übel macht, erschafft man sich das Leben, als einen Feind.
In meiner alten Buchausgabe, die schon fast auseinander fiel, aber das war nicht schlimm, denn ich hatte nur einen Euro bezahlt, befand sich ein Brief.
Es war einer dieser sonnigen Tage, die man in Wien an der Donau verbringt und vor der Ubahnstation befand sich dieser kleine Bücherverkauf. Eigentlich wollte ich vorüber gehen, aber das Buch erregte meine Aufmerksamkeit.
Ich faltete das Papier auseinander und war mir nicht sicher, ob dieser Brief überhaupt für meine Augen bestimmt war. Drang ich in die Privatsphäre von fremden Menschen ein? Die Neugier siegte jedoch über meine Bedenken. Der Brief war von 1951. Er wurde von einem jungen Mann geschrieben und richtete sich an seine Geliebte. In diesem Brief äußerte er die Sorge, dass die Mutter etwas gegen die Beziehung haben könnte und war sich auch nicht sicher, ob seine Briefe überhaupt ankamen. Zudem war die Geliebte kürzlich umgezogen.
Und wieder kämpfte jemand mit der Hilfe von Don Quichotte gegen die Konventionen seiner Zeit. Während Don Quichotte seinen Träumen hinterher jagte, taten wir es ihm gleich.
Ob das Buch auch in diesem Fall wieder bewusst als Methaper gewählt wurde um darin diesen Brief zu verstecken? Oder ob dieser Brief eher zufällig in diesem Buch gelandet ist? Gab es in dieser Geschichte überhaupt ein Happy End, oder war es nur die Mutter, die diesen Brief erhielt?

Die junge Frau, welche in diesem Brief beschrieben wurde,  hätte meine Großmutter seien können und jene, die mir mit ihrem Rat zur Seite stand, hätte meine Mutter seien können. Drei Generationen, drei Frauen, verbunden mit fast dem selben Problem und Don Quichotte.

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